Wird verkleinert oder ganz geschlossen in Waldbronn?
Das Radiomuseum schließt vorerst seine Pforten

Eduard Hofmann vom Radiomuseum in Reichenbach mit dem berühmten „Katzenkopf“ von „Telefunken“, eines von 500 Geräten der Sammlung.  foto: Knopf
  • Eduard Hofmann vom Radiomuseum in Reichenbach mit dem berühmten „Katzenkopf“ von „Telefunken“, eines von 500 Geräten der Sammlung. foto: Knopf
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Waldbronn. In Bälde könnte das Radiomuseum Waldbronn Geschichte sein.
Die Einrichtung mit rund 500 Exponaten schließt vorerst nach fast 30 Jahren seine Pforten. Am Mittwoch, 24. Oktober, ist das vorerst letzte Mal von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Anschließend entnimmt ein privater Sammler eine Vielzahl seiner Geräte. Wie es danach weitergeht, entscheidet anschließend der Gemeinderat Waldbronn. Denn der kommunale Sparzwang kommt auch hier zum Ausdruck: Entweder wird das Museum in Reichenbach ganz geschlossen, es teilt seine Räumlichkeiten künftig mit der Jugendbibliothek oder macht in kleinerem Rahmen weiter.

Sinkende Besucherzahlen
Lediglich 200 Besucher kamen zuletzt in das Museum der Gemeinde im Albtal – pro Jahr. Ein letztes Mal entführt das Museum nun gewissermaßen in die Anfangszeit der Radiophonie – darunter ist neben alten Grammophonen auch so manche Besonderheit zu entdecken.
Beispielsweise der berühmte „Katzenkopf“ von Telefunken aus dem Jahr 1932, der damals 245 Reichsmark gekostet hat. Oder die Radios der „Firma Akkord“ aus der Pfalz, Kofferradios aus Krokodilleder, die aussehen wie eine Handtasche und gar auf der Lederwaren-Messe in Offenbach präsentiert wurden.

Manch unschlagbare Innovation reiht sich hier gewissermaßen ein neben so manchem „Design-Verbrechen“ aus der Steinzeit der Radio-Wellen. Eines fällt auf: Gerade in den 1950er Jahren dominieren schwere Holzvertäfelungen wie Nussbaum oder Eiche. Neuen Schwung in die Wohnzimmer brachte dann die Kofferradio-Welle Ende der 1950er Jahre. Es ging nach draußen und oft nach Italien. Die Geräte bekamen plötzlich Farbe, hatten Namen wie „Capri“, „Wega“ oder „Bajazzo“.

In die düstere Zeit der Rundfunkgeschichte weist der im Volksmund als „Goebbelsschnauze“ titulierte Volksempfänger. Das Propaganda-Instrumentarium des „Dritten Reichs“ konnte 1934 auf fünf Millionen Rundfunkteilnehmer zurückgreifen. Bereits am ersten Verkaufstag ging der Empfänger weg wie warme Semmeln. 100.000 Bestellungen gab es am 18. August 1933, dabei hafteten auch so genannte „Denkzettel“ den Geräten an. In Frakturschrift ist darauf zu lesen: „Das Abhören ausländischer Sender ist ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit.“

Da mutet die ebenfalls in den 30er Jahren nach Sendeschluss vom Radio-Sprecher formulierte Aufforderung „Bitte vergessen Sie nicht die Antenne zu erden“, geradezu harmlos an. voko

Infos: www.waldbronn.de

Autor:

Jo Wagner

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