Knüppeldicke Schicksalsschläge:
Quecksilberbelastetes Haus ist unbewohnbar
- Vor dem Haus
- Foto: W. Schmidhuber
- hochgeladen von Werner Schmidhuber
Waghäusel-Wiesental. Knüppeldicken Schicksalsschlägen sind Moritz Baumgart und seine Lebensgefährtin Marissa Füger ausgesetzt. Viel schlimmer kann es nicht mehr kommen: 2019 haben die beiden an der Wiesentaler Stefanstraße ein Haus mit großem Grundstück gekauft. Bei Renovierungsarbeiten vor einigen Wochen stellte sich heraus, dass das Gebäude mit Quecksilber belastet ist.
Aufgrund der akuten Gefahr mussten sie ausziehen und eine neue notdürftige Bleibe suchen, auch für ihre acht Tiere, für die bislang genügend Platz zur Verfügung stand. Eine Sanierung sei nicht möglich, ein Abriss unvermeidbar. Mit dieser Schreckensnachricht sah sich das Paar konfrontiert. Wie geht‘s weiter? Wo sollen sie künftig wohnen? Für sie eine höchst emotionale Reise ins Ungewisse. Und ein Happyend ist nicht in Sicht.
In ihrer Not haben die zwei über die Crowdfunding-Plattform „gofundme“ einen Online-Spendenaufruf gestartet.
Eine erfreuliche Hilfsbereitschaft hat dazu geführt, dass sie und ihre Tiere in einem Haus mit Hof in der Wagbachstraße unterkommen können. Moritz Baumgart betreibt als beliebter und geschätzter „Onkle Mo“ ein gefragtes hochwertiges Bio-Lebensmittelgeschäft im Ort. Als gerne in Anspruch genommene Hundetrainerin arbeitet Partnerin Marissa Füger.
Wie kommt es zu der Quecksilberbelastung im Haus? Hochgiftiges Quecksilber kann in älteren Gebäuden, etwa um das Baujahr 1950, in Wandputz, Holzschutzlasuren, Schaltern und Steckdosen enthalten sein und sich über die Raumluft ausbreiten. In diesem Fall kam es beim Wechseln der Steckdosen zum Vorschein. „Das Vorhandensein von Quecksilber in alten Steckdosen stellt eine erhebliche Gefahr dar und kann bereits in geringen Mengen gesundheitsschädlich sein“, haben die zwei Hausbesitzer erfahren müssen.
Betroffen sind nicht nur der Mann und die Frau, sondern auch drei Hunde, drei Katzen, ein Pferd und ein Pflegehund. Seit 2019 wohnen sie in dem Haus, wohl zwischen 1950 und 1955 gebaut. Ohne von der drohenden Gefahr zu wissen, haben sie es nichtsahnend erworben, als es der Vorbesitzer zum Kauf angeboten hat.
„Nun stehen wir vor der bisher größten Herausforderung unseres Lebens“, seufzen sie. „Gemeinsam haben wir uns einen Ort geschaffen, an dem sich Menschen und Tiere wohl fühlen sollten. Alle unsere Tiere sind aus dem Tierschutz und haben hier eine zweite Chance bekommen. Wir kümmern uns um auffällig gewordene Hunde aus Tierheimen oder ähnlichen Einrichtungen. Außerdem sind hier viele hilfsbedürftige Wildtiere wieder auf die Beine gekommen.“
Das Pärchen hat auch viele Sträucher und Bäume gepflanzt, einen Garten angelegt, in dem sich heimische Tiere und Insekten wohl fühlen. Und nun steht alles vor dem Aus, geben sie erschüttert weiter. Im Sommer 2025 investierten die beiden ihr, wie sie sagen, hart erspartes Geld in die Renovierung des Hauses. „Die letzten Steckdosen wurden angebracht, alles war fertig. Dann der große Schock: Wir haben flüssiges Quecksilber in den Unterputzdosen der Steckdosen gefunden. Nach vielen nervenaufreibenden Wochen, Tests, Untersuchungen und Gutachten verschiedener Labore und Sachverständigen ist klar: Unsere Haus ist nicht bewohnbar und auch nicht sanierungsfähig.“
Das hochgiftige Quecksilber hat sich im gesamten Haus über die Raumluft ausgebreitet, die Messwerte sind sehr weit über den Normwerten. So extrem hoch liege die Konzentration, dass das Wohnhaus nicht mehr benutzt werden kann, hieß es. Das vorhandene Quecksilber stecke inzwischen in allen Materialien. Nach der Entdeckung gab es nirgendwo befriedigende Informationen der Behörden und Ämter. „Wir wurden von A nach B und von B nach C geschickt“, berichtet Marissa Füger. Schließlich half ihnen ein Hinweis auf ein kompetentes Labor weiter.
Der laufende Kredit für das Haus muss weiterhin gezahlt werden, eine Miete kommt jetzt hinzu. Die vielen Messungen und Gutachten kommen teuer zu stehen, auch der Rat von Anwälten und Spezialisten. Welche gesundheitlichen Auswirkungen entstanden sind, weiß niemand. Aktuell befinden sich beide in Behandlung zur Schwermetallausleitung bei einem Umweltmediziner. Die Kosten, mehrere tausend Euro, werden nicht von der Krankenkasse übernommen. „Unser ganzes Erspartes haben wir in die Renovierung investiert, nicht wissend, dass jetzt alles wertlos ist und entsorgt werden muss.“
Info: Crowdfunding-Plattform „gofundme“
Autor:Werner Schmidhuber aus Waghäusel |
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