Verheiratet mit den Verlobten durch Italien
Lecco: Palazzo delle Paure
- Foto: Alberti
- hochgeladen von Stephan Alberti-Riedl
Wie bereits geschrieben, hat sich Lecco Manzoni verschrieben, jedoch könnte man beim Palazzo delle Paure auf die Idee kommen, dass sich Dante Alighieri hier auch hat inspirieren lassen, als er die Göttliche Komödie schrieb. Auch wenn das zeitlich nicht passt, denn der Palazzo wurde 1905 im eklektisch neogotischen Stil erbaut und war bis 1964 Sitz des Zolls und des Finanzamts. Wie sich die Menschen im Mittelalter vor Dämonen fürchteten, fürchteten sich die Bürger damals vor den dem Finanzamt (was irgendwie passt).
Heute dient es als Museum und Touristeninformation. Dort erhielten wir eine Karte von Lecco sowie später einige Informationen zu den Charakterporträts der Figuren aus Manzoni’s Roman, die sich über die Stadt verteilten. Wir ließen es uns nicht nehmen, uns die Ausstellungen des Palazzos anzusehen und begannen mit der modernen und zeitgenössischen Kunstausstellung, wo wir das Gemälde Ponte Azzone Visconti a Lecco von Umberto Lilloni im Original bewundern durften.
Anschließend erfuhren wir im Osservatorio Alpinistico (Alpinistisches Observatorium) von der langen und erfolgreichen Geschichte der Bergsteiger und Geologen aus Lecco: Antoni Stoppani (1824-1891) gilt als Begründer der italienischen Geologie und Paläontologie und erforschte die geologische Entstehung der Voralpen um den Comer See. Er brachte das Buch Il Bel Paese (Das schöne Land) heraus, das Naturwissenschaften in Italien beliebt machte.
Mario Cermenati (1868-1924) war Naturforscher (bestieg die Leccheser Berge, um Mineralien und Pflanzen zu sammeln) und Museumsgründer der Musei Civici von Lecco.
Als der erfolgreichste Bergsteiger gilt Riccardo Cassin (1909-2009), der in den 1930ern schwierige Routen in den Alten eröffnete und 1958 als Erster erfolgreich den Gasherbrum IV im Karakorum besiegt.
Anschließend gingen wir noch in die Foto-Ausstellung zeitgenössischer Künstler wie Giovanni Ziliani, Maurizio Galimberti und Giancarlo Maiocchi, gefolgt von der Ausstellung zu Antonio LIgabue (1899-1965), einem der wichtigsten italienischer Maler, Bildbauer und Urvater der Naiven Kunst / Außenseiterkunst. Eine Kurzfassung seines Lebens: 1899 als uneheliches Kind einer Italienerin in der Schweiz geboren, wuchs er in schwierigen Verhältnissen auf und wurde wegen heftiger Wutausbrüche 1919 ausgewiesen. Er lebte eine Zeitlang im Dorf seines Adoptivvaters, aber da er kein Italienisch sprach, war er jahrelang isoliert und obdachlos. Lange Zeit wurde er in Psychiatrien untergebracht. Er gilt wegen seiner psychischen Krisen und Ausdruckskraft als der italienische Van Gogh. Bekannt und geschätzt wurde er erst vier Jahre nach seinem Tod, als seine Kunst in Rom ausgestellt wurde.
Insgesamt braucht man vor dem Palazzo delle Paure heutzutage keine Angst mehr zu haben: Zumindest, solange das Finanzamt dort nicht wieder einzieht. Das ist in den Corso Promessi Sposi (Straße der Verlobten) umgezogen, während die Abteilung für Steuereintreibung sich in der Via Aspromonte (Straße Rauer Berg) befindet.
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