Vor 75 Jahren: Mit Otto Reber Kontinuität an der Verwaltungsspitze

Bg. Otto Reber | Foto: Archivfoto

Mutterstadt. Mit der Wahl des Sozialdemokraten Otto Reber zum hauptamtlichen Bürgermeister Mutterstadts waren die Konflikte vorüber, die die Gemeindeführung über mehrere Jahre hinweg erschwert und am Ende sogar eine Vakanz an deren Spitze verursacht hatte. Nachdem Mutterstadt zwischen Anfang 1949 und Frühjahr 1951 insgesamt vier- zum Teil kommissarische Bürgermeister hatte, begann mit dem Amtsantritt Rebers eine Zeit der personellen und politischen Kontinuität, die gerade in der schwierigen Phase des Wiederaufbaus von enormer Bedeutung war.

Von Volker Schläfer

Heinrich Hartmann (SPD) war nach Kriegsende von der amerikanischen Ortskommandantur als ehrenamtlicher Bürgermeister eingesetzt worden, weil er auf Grund seiner politischen Haltung gegenüber dem NS-Regime als „unbelastet“ galt. Vom neugewählten Gemeinderat wurde Hartmann dann im September 1946 in seinem Amt bestätigt und führte die Gemeinde, ab Februar 1948 allerdings für ein Jahr nur noch kommissarisch. Das deshalb, weil im Dezember 1948, bei der regulär anstehenden Bürgermeisterwahl, nicht Hartmann gewählt wurde, sondern das damalige SPD-Ratsmitglied Friedrich Börstler. Wegen juristischer Auseinandersetzungen über die Rechtmäßigkeit dieser Wahl, wurde Börstler erst im Februar 1949 in sein Amt eingeführt. Danach folgten fast drei Jahre mit andauernden schwierigen kommunalpolitischen Turbulenzen, denn Börstler, nach seiner Wahl aus der SPD ausgetreten, blieb nur bis November 1949 im Amt, weil er von der Kreisverwaltung suspendiert wurde. Danach folgten die CDU-Beigeordneten Ferdinand Schott (bis März 1950) und Richard Magin (bis Mai 1951) als geschäftsführende Bürgermeister der Gemeinde, für Mutterstadt mit damals knapp 7.000 Einwohnern ein unhaltbarer Zustand. Im Januar 1951 beschloss deshalb der Gemeinderat auf Antrag der SPD-Fraktion, die Anstellung eines hauptamtlichen Bürgermeisters. Aus dem damaligen Gemeinderatsprotokoll ist aus der Begründung u.a. zu entnehmen „…..um ein geregeltes und und auf längere Sicht bedachtes Gemeindeleben zu entwickeln, bedarf es eines Mannes, der unabhängig und gesichert die in der Gemeinde anfallenden Arbeiten und Planungen durchführt….“

Auf die öffentliche Ausschreibung hin für diesen Posten bewarben sich 45 (I) Kandidaten. Bei der Wahl am 29..März 1951 war aber dann der 56jährige Diplom-Landwirt Otto Reber (SPD) der einzige Kandidat, der zur Wahl vorgeschlagen wurde. Reber, dessen Großeltern aus Mutterstadt stammten, war zu der Zeit als Referatsleiter bei der Kreisverwaltung Ludwigshafen beschäftigt. Mit 14 Ja-Stimmen von 18 anwesenden Ratsmitgliedern, bekam er im Gemeinderat die (parteiübergreifende) erforderliche Mehrheit. Ende September 1951 erhielt dann der neue Bürgermeister, nach einer halbjährlichen Probezeit (das gab es damals noch), seinen Dienstvertrag mit der Gemeinde für eine zehnjährige Amtszeit. Otto Reber musste in den damaligen schwierigen Zeiten des Wiederaufbaus viele Probleme anpacken, wie Wohnungsbau, Flüchtlingsaufnahmen, Kanalisation und Straßenbau, Gasversorgung oder die Mechanisierung der Landwirtschaft. In dieser Zeit wurde auch die kleine Friedhofshalle auf dem alten Friedhof errichtet und der Glockenturm an der katholischen Kirche fertiggestellt. Eine Sache konnte er 1955 allerdings nicht verhindern; die Stilllegung der damaligen Lokalbahn. Als Reber 1960 altersbedingt aus dem Amt schied, wurde die Arbeit des Verwaltungsfachmanns als Bürgermeister anerkennend gewürdigt. Otto Reber wurde 85 Jahre alt; seinen Ruhestand verbrachte er in Limburgerhof. jg/red

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Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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