Historisches mit Volker Schläfer
Enthüllung des neuen Zusatzschildes der Familie Bohlig

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Zwei sehr bedeutende Mutterstadter Bürger wurden mit der Enthüllung eines erweiterten Straßen-Zusatzschildes geehrt. Der Apotheker Dr. Franz Joseph Bohlig (1815-1874) war ein Demokratischer Streiter für Einheit und Freiheit Deutschlands sowie ein engagierter Mäzen Mutterstadts. Sein Sohn Ernst Bohlig (1846-1918) war ein Förderer der Mutterstadter Sportbewegung und galt in seiner Zeit als „stärkster Mann der Welt". Sein Todestag jährte sich im vergangenen Jahr zum einhundertsten mal.
Bürgermeister Hans-Dieter Schneider würdigte in seiner Rede die Leistungen und Lebenswerke beider. Volker Schläfer, Mitglied im Historischen Verein der Pfalz, Ortsgruppe Mutterstadt, erläuterte den anwesenden Beigeordneten Klaus Lenz und Volker Strub, Vertreter der Gemeindeverwaltung, des Gemeinderats, der TSG Mutterstadt, des Historischen Vereins der Pfalz, Ortsgruppe Mutterstadt und der Presse die Lebensgeschichte der Geehrten. Außerdem die immer wiederkehrende, politisch bedingten, Namensänderungen der heutigen Bohligstraße. (Text: Michael Hemberger)

Hier die ausführliche Rede von Volker Schläfer:

Straßen-Zusatzschild für Dr. Franz Josef Bohlig
Volker Schläfer - Mitglied im Historischen Verein der Pfalz, Ortsgruppe Mutterstadt

Wenn wir heute hier in der Bohligstraße ein weiteres Zusatzschild anbringen zur Erinnerung an Dr. Franz Josef Bohlig, dann vollziehen/korrigieren wir praktisch Beschlüsse und Entscheidungen von Gemeinderat und Verwaltung aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Im Zuge der Herausgabe der neuen Ortschronik 2017 hatte ich auch nochmals in der Familiengeschichte Bohlig recherchiert mit folgendem Ergebnis:
Die Verdienste von Ernst Bohlig um den Mutterstadter Sport und seine Lebensdaten sind ja bekannt und im Gemeindearchiv und im TSG-Vereinsarchiv dokumentiert; das Straßen-Zusatzschild in Erinnerung an ihn zeigen davon. Noch ein Hinweis auf ihn: Ernst Bohlig ist vor jetzt 100 Jahren, im Herbst 1918, in Heidelberg verstorben.
Heute geht es um seinen Vater, den Apotheker Dr. phil. Franz Josef Dominicus Adam Bohlig, geb. am 13.11.1815 in Unterfranken, gestorben am 07.04.1874 in Mutterstadt.
Bohlig war ein engagierter Mutterstadter Bürger mit vielfältigen sozialen, kulturellen und politischen Aktivitäten in und für Mutterstadt.
Die Namensgebung für die Entscheidung, in unserer Gemeinde eine Straße in „Bohligstraße“ zu benennen, stellt sich, in Kurzfassung, wie folgt dar:
1911: Beratung im Gemeinderat über die Benennung einer Straße, ursprünglich für „Bohligstraße“, als Anerkennung für Vater und Sohn.
1912: Beschluss des Gemeinderates nur für „Ernst-Bohlig- Straße“.
1940: Entscheidung des Bürgermeisters auf Abänderung in „Bohligstraße“ - eben auch im Sinne der ursprünglichen Beratung und auch in Anerkennung der Verdienste des Vaters.
1942: Beschluss des Gemeinderates für „Bohligstraße“.
Danach kam zusätzlich wiederum nur das Zusatz-Hinweisschild für „Ernst Bohlig“ dazu. Warum, ist nicht mehr nachvollziehbar.
Dazwischen kam auch noch, dass, entgegen den Zusicherungen der Gemeinde, das Familiengrab Bohlig auf dem alten Friedhof, abgeräumt wurde. Der Historische Verein Mutterstadt hat deshalb im letzten Jahr aus ortshistorischen Gründen bei der Verwaltung beantragt, für die Bohligstraße ein zweites Zusatzschild mit den Daten von Bohlig sen. anzubringen, um damit auch ihn, wie früher einmal gedacht war, zu ehren.
Kurzbiografie: Bohlig kam 1838 nach Mutterstadt, übernahm damals in der Speyerer Str. 17 (ehemals Teutschhof, jetzt Kegel) die Apotheke und erbaute 1839 in der Neustadter Straße 22 das heute noch dort stehende Wohn- und Geschäftshaus mit Apotheke, die er bis zu seinem Tode betrieb. Über ihn schrieb ein Zeitzeuge: “[...] Dies war ein fein gebildeter, wohlwollender und edelgesinnter Herr. Vielen armen Kranken gab er die Medikamente umsonst [...]“
Der Apotheker kam gerne ins Gasthaus „Zur Jägerlust“ in der Neustadter Straße, wo er dem sog. „Mutterstadter Kasino“ vorsaß, wo im Beisein der Gäste die Orts-Honoratioren diskutierten und philosophierten. Das Gasthaus „Zur Jägerlust“ war 1886 auch Schauplatz für eine Rede von Sohn Ernst Bohlig, in der er über die Bedeutung der Körperertüchtigung sprach. (Grundstock für die Gründung des ersten Mutterstadter Sportvereins).
Franz Josef Bohlig hatte eine freiheitlich, liberale Einstellung und so engagierte er sich auch wortreich in den Revolutionsjahren 1848/49, wurde sogar angeklagt, bei der Zerstörung der Gleisanlagen der neu gebauten Ludwigsbahn zwischen Mutterstadt und Rheingönheim beteiligt gewesen zu sein. Bohlig war Mitglied im Gemeinderat und im pfälzischen Apothekergremium, Schöffe am Landgericht Zweibrücken und einige Jahre als liberaler Abgeordneter für die Pfalz im im bayerischen Landtag. Er initiierte 1867 die Errichtung einer „Höheren Fortbildungsschule“ mit dem Ziel, die Mutterstadter Kinder auf den Besuch einer weiterführenden Schule vorzubereiten.
Die Fortbildungsschule bestand bis 1914. Der liberal und sozial eingestellte Bohlig machte darüber hinaus im Jahr 1869 den Versuch, eine „Kommunalschule“ einzurichten, in der die Schüler ohne Rücksicht auf ihre konfessionelle Zugehörigkeit gemeinsam lernen sollten. Es blieb aber bei dem Versuch; ebenso wie ein erneuter Antrag 1874. In seinem Testament vermachte Bohlig dem von ihm mitbegründeten Armenverein einen Geldbetrag und stiftete der Gemeinde einen „Tugendpreis“ für bedürftige Kinder. Des weiteren verlangte er “[...]ein stilles Begräbnis und dass ihn sechs arme Männer abends zu Grabe tragen und ohne Sang und Klang in die Erde legen[...]“ Das Stiftungskapital ging später leider durch die Inflation verloren.
Das alles führte damals dazu, in Mutterstadt eine Bohligstraße zu benennen, wohlgemerkt, in Erinnerung und Andenken an Vater und Sohn.
Der Historische Verein ist deshalb Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und Bürgermeister H.D.Schneider dankbar, dass diese wohlverdiente Anerkennung für Franz Josef Bohlig heute nun in Form dieses Zusatzschildes doch noch sichtbar wird.

Mutterstadt, den 08.05.2019; Text und Rede: Volker Schläfer

v.l.n.r. Hans-Dieter Schneider, Volker Schläfer, Lutz Bauer

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