Neues aus der Gemeinde Mutterstadt
Wieder zuhause: Tabakdose der Mutterstadter „Tabakfabriken Ferdinand Dellheim und Söhne“
- Foto: Gemeinde Mutterstadt
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Nach Heinrich Eyselein, Ortschronik Mutterstadt (1967), war bereits seit dem Dreißigjährigen Krieg das Tabakrauchen auch in Mutterstadt „eine weit verbreitete Sitte“. Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz (1617-1680) führte nach seinem Regierungsantritt den Tabakanbau in der Rheinebene ein. Im Jahr 1719 musste das Mutterstadter Dorfgericht in einer Verordnung gegen das Tabakrauchen in Scheunen und beim Flachsputzen einschreiten. 1734 werden zum ersten Mal die Tabakkulturen Mutterstadts erwähnt. Wesentlich gefördert wurde der Mutterstadter Tabakanbau durch die Maßnahmen der französischen Regierung Anfang des 19. Jahrhunderts. Seitdem spielte er eine wichtige Rolle in der Wirtschaft des Dorfes. So gab es zum Beispiel im Jahr 1880 298 „Tabakpflanzer“ in Mutterstadt (Verzeichnis im Gemeindearchiv).
Die älteste „Zigarrenfabrik“ in Mutterstadt war das Familienunternehmen Massott, gegründet 1867. In den 1910er Jahren kamen fünf Konkurrenten hinzu und der absolute Boom war im Jahr 1919: 20 Tabakfabrikanten und ihre Betriebe wurden als Neugründungen aufgelistet, darunter auch die „Tabakfabriken Ferdinand Dellheim und Söhne“ in der Schulstraße 18.
In den Jahren 1920-22 waren neun Personen dort beschäftigt, davon acht Frauen (sechs von ihnen waren zwischen 16 und 21 Jahre alt, zwei älter als 21 Jahre). Sogar ein Junge im Alter von 14-16 Jahren wurde 1922 als Arbeiter verzeichnet. Nach dem Tod von Ferdinand Dellheim im Jahr 1926 kam es zu Erbauseinandersetzungen und die Fabrik wurde geschlossen. Die Witwe, seine 2. Ehefrau Henriette geb. Bodenheimer aus Waibstadt, genannt Jette, zog mit den Kindern nach Mannheim. Ferdinands Sohn Emil (aus 1. Ehe mit Sara geb. Reis aus Haßloch) floh 1938 in die USA. Emil hatte 1924 Lilli geb. Berg geheiratet (2. Ehe) und bekam mit ihr zwei Kinder: Hannelore (Jg. 1925) und Arthur Ferdinand (1927).
Arthur Ferdinand Dellheim war zehn Jahre alt, als er mit seinen Eltern in die USA ging. Sein Vater Emil arbeitete wieder im Tabakgeschäft für die „Amber Tip Cigar Company“ in Red Lion. Er starb 1955 in Baltimore. Die Mutter starb 1977. In den 1970ern besuchte Arthur erstmals wieder Mutterstadt und traf Ruth Külbs, eine geborene Dellheim. Im Jahr 2005, anlässlich der Gedenkfeier des 100. Jahrestages der Fertigstellung der 1938 zerstörten Mutterstadter Synagoge, hielt er im Historischen Rathaus eine wichtige Gedenkrede zur Versöhnung.
Die Tabakdose mit der Aufschrift „Hochfeiner Maracaibo Canaster ohne Rippen, Ferdinand Dellheim Söhne, Rauchtabak-Fabriken-Mutterstadt“, noch versiegelt (!), wurde vor einigen Jahren auf einem bayerischen Flohmarkt angeboten. Wahrscheinlich hoffte der Verkäufer einen höheren Preis zu erzielen, als er dem Etikett der Dose mit schwarzem Filzstift die Jahreszahl 1847 hinzufügte. Der letzte Besitzer der Tabakdose meldete sich Anfang des Jahres in Mutterstadt, weil er die Geschichte der Tabakfabrik erfahren wollte. Nachdem die Gemeindearchivarin ihn über das Schicksal der Familie Dellheim informiert hatte, entschied er, die Dose dem Ortshistorischen Museum Mutterstadt als Schenkung zu überlassen. Er schickte sie mit dem Zusatz: „Nun ist die Dose wieder zuhause.“ - Vielen Dank, Herr Finke!
Text: Dr. Christina Wolf
Autor:Michael Hemberger aus Mutterstadt |
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