Interessantes von und mit Volker Schläfer
1886, 1946 und 1951 – die drei Gründungsjahre der TSG Mutterstadt
- Foto: Gemeindearchiv Mutterstadt
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Die Turn- und Sportgemeinde „1886“ e.V. Mutterstadt, im Ort allgemein „die TSG“ , ist ein Verein mit Historie und Zukunft. Sport ist Bewegung und Begegnung und die TSG ist deshalb seit nunmehr 140 Jahren für ihre Mitglieder sportliche und soziale Heimat. Ortschronist Volker Schläfer hat die drei Gründungsjahre, vor 140, 80 und 75 Jahren, zum Anlass genommen, die Vereinschronik noch einmal nachzuzeichnen. Grundlage des Vereins ist der Breiten-, Leistungs- und Gesundheitssport in derzeit sieben Abteilungen. Interessierte jeden Alters treiben Sport, lernen Fairness und Teamgeist kennen, pflegen Unterhaltung und Geselligkeit. Der Verein kann sich dabei heute immer noch auf die Gründungsväter des Turnvereins berufen, die in ihren Statuten Ende des 19. Jahrhunderts folgendes festlegten: „Der Zweck des Vereins ist die Ausbildung und Kräftigung des Körpers, Erzeugung und Bewahrung eines frischen, freien Wesens, die Verbreitung körperlicher und geistiger Gesundheit. Die Erreichung des Zweckes wird durch regelmäßige geordnete Übungen, durch Turnfahrten und gesellige Zusammenkünfte angestrebt“.
Beleuchtet man die Vereinsgeschichte, hat die TSG viel bewegt und ihre Attraktivität für die sportinteressierte Bevölkerung stets an das sich verändernde Freizeitverhalten angepasst. Wie alles begann: Vor 140 Jahren, am 11. Juli 1886, hielt der in Mutterstadt geborene Ernst Bohlig, seinerzeit als der „stärkte Mann der Welt“ eine internationale Berühmtheit, im Gasthaus „Zur Jägerlust“ einen Vortrag über das Thema Leibeserziehung und Körperertüchtigung; wenige Tage danach wurde von 54 Interessierten der „Turnverein Mutterstadt“ gegründet; der erste Vorsitzende war Johannes Diefenbach und 1908 konnte der Turnverein seine eigene Vereinsturnhalle einweihen. 1919 dann der nächste Schritt: Der Zusammenschluss mit dem 1893 gegründeten „Turnerbund Germania“ unter dem neuen Vereinsnamen „Vereinigte Turnvereine Mutterstadt“. Der Verein entwickelte sich positiv und konnte neben der Vereinsturnhalle hinter der Bohligstraße, einen Turnplatz errichten und 1929 an die Turnhalle ein Wirtschaftsbetrieb anbauen. Nach der Auflösung der herkömmlichen Vereinsstrukturen ab 1933 wurde nach Kriegsende 1946, also vor 80 Jahren, dann der ASV, der „Allgemeine Sportverein“ gegründet. Ihm gehörten die Vereinigten Turnvereine, das ehemalige , 1933 verbotene Arbeiter-Sportkartell, der Radfahrverein „Schwalbe“ und der Schachverein, an. Die seinerzeitige Werbung für eine Mitgliedschaft in dem neuen Verein lautete “Werde auch Du Mitglied im ASV Mutterstadt für Radsport – Turnen – Leichtathletik - Schwerathletik – Handball – Faustball – Tischtennis – Kegeln – Schach“.
Hier ist der Männer zu gedenken, die damals ein Jahr nach Kriegsende, mit Genehmigung der damaligen französischen Militärverwaltung, den öffentlichen Vereinssport wieder organisierten. Treibende Kraft und der richtige Mann zu dieser Zeit war dabei Wilhelm Spoor, Leichtathlet und ein erfolgreicher Kurzstreckenläufer. Er führte, vom Kriegsdienst freigestellt, seit 1939 den Mutterstadter Sportbetrieb und war dann auch von 1946 bis 1966, erst beim ASV und dann bei der TSG, Vereinsvorsitzender. Der geachtete Sportfunktionär wurde für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1946 standen Spoor bei der Zusammenführung zum ASV frühere aktive Sportler des Arbeitersportvereins, insbesondere Konrad Keck, Ludwig Reimer und Emil Steinkönig zur Seite sowie als weitere Unterstützer Walter Weinacht, Johannes Unold und Fritz Reinig.
1951, also vor jetzt 75 Jahren, erfolgte dann die Umbenennung des ASV in die heutige „Turn- und Sportgemeinde 1886 Mutterstadt e.V.“. Die weitere Entwicklung bis heute: Der Trainings- und Spielbetrieb wurde kontinuierlich ausgebaut, 1955 kam dann die Abteilung Gewichtheben dazu mit den bekannten nationalen und internationalen Erfolgen. 1957 wurde der neue Vereinssportplatz mit einer 400 Meter-Rundbahn eingeweiht; einige Jahre wurde auch Feldhandball und Faustball gespielt, 1961 begann der Trainingsbetrieb für Trampolin-Turnen, kurzfristig auch für eine Schwimmabteilung. Danach kamen die Abteilungen Volleyball, Judo dazu. Im Bereich Fitness und Gesundheit war und ist der Verein eine gute Adresse, es gibt ein breit angelegtes gesundheitsförderndes Bewegungsangebot mit Präventionscharakter z.B. für Mutter- und Kind-Turnen, Aerobic, Nordic-Walking, Turn- und Gymnastikübungen oder Körperschule für Senioren und Beeinträchtigte.
In der TSG-Ehrengalerie sind viele erfolgreiche SportlerInnen aufgelistet: Pfalz- und Rheinland-Pfalz-Meister, Südwest-Meister, Deutsche Meister, Deutsche Mannschaftsmeister, Europameister, Weltmeister, Olympia-Teilnehmer. Es gab aber auch schmerzliche sportliche Trennungen: Die bedeutendste war dabei natürlich 1969, als die Gewichtheber die TSG für die Wiedergründung des früheren Athletenclubs verließen. Auch Leichtathleten und Volleyballer verließen die TSG um sich Neugründungen im Ort anzuschließen. 1969 wurde der damals 25jährige Horst Reimer zum Vorsitzenden gewählt und führte die TSG bis 2009. In der „Ära Reimer“ fiel die wichtigste Entscheidung in den vergangenen 75 Jahren Vereinsgeschichte, nämlich die Zustimmung der TSG, ihr Vereinsgelände und die Turnhalle, die jahrzehntelang nicht nur dem Verein sondern auch der Gemeinde und den örtlichen Vereinen als Veranstaltungssaal diente, in das Großprojekt „Festhalle- Sporthalle-Restaurant“ einzubringen für den Bau des „Palatinum“, als örtliches Zentrum für Unterhaltung, Geselligkeit und Sport. Der Verein erhielt durch diese Kooperation mit der Gemeinde eine neue wettkampfgerechte vereinseigene Sporthalle. Im Restaurant „Palatinum“ nutzt die TSG die Sportlerklause. z.B. für Zusammenkünfte nach Trainings- oder Spielende oder auch für die gut besuchten Stammtische von aktiven oder passiven Mitgliedern. Davor war fast 70 Jahre die alte TSG-Gaststätte, bewirtschaftet in Eigenregie von Vereinsmitgliedern oder verpachtet an Gastwirte, ein viel besuchter Treffpunkt in Mutterstadt.
Die Turn- und Sportgemeinde „1886“ Mutterstadt e.V. ist der größte Verein in Mutterstadt und gehört mit ihren derzeit 1.000 Mitgliedern zu den großen Sportvereinen in der Vorderpfalz. Vorsitzender ist seit 17 Jahren Klaus Maischein, derzeit unterstützt von seiner Stellvertreterin und Vereins-Geschäftsführerin Silke König. Über 30 Prozent der Mitglieder sind unter 18 Jahren; die jüngsten Mitglieder sind gerade mal ein Jahr alt; das älteste ist die 99-jährige Irmgard Metzger. Die TSG ist Teil des öffentlichen Lebens in Mutterstadt, pflegt eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Mutterstadt und ist Mitglied in der Vorständekonferenz und in der Kerwegemeinschaft. Gute Kontakte gibt es zu Kindergärten, Schulen und Kirchen sowie zu den anderen örtlichen Sportvereinen. Dass Menschen unterschiedlicher Herkunft, aus unterschiedlichen Generationen, mit unterschiedlichen Kenntnissen, Fähigkeiten und körperlichen Voraussetzungen gemeinsam Freude am Sport und der Geselligkeit haben, ein Wir-Gefühl haben, das ist die Philosophie und wohl auch das Erfolgsrezept der nun 140-jährigen Geschichte der TSG Mutterstadt.
Text: Volker Schläfer
Autor:Michael Hemberger aus Mutterstadt |
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