Bürger-Interessen-Gemeinschaft
Hochwasserschutz geht auch mit Baumerhalt

Die Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof e.V. sieht gute Chancen, Hochwasserschutz und Baumerhalt am Rheindamm zwischen Neckarau und Lindenhof zu vereinbaren. Zu dieser Einschätzung gelangt sie aufgrund umfangreicher Recherchen und zahlreicher Gespräche mit Politikern, Deich- und Baumexperten, Ingenieuren, Juristen sowie Verbänden. Dies teilt die BIG in einer Presseinformation vom 5. Oktober mit. Sie kämpft weiter zielstrebig gegen den geplanten Kahlschlag im Waldpark. Mittlerweile gewinnt die Initiative immer mehr Unterstützung und Zustimmung unter den Mannheimer Bürgern. Jetzt meldet sie erste Fortschritte.
Bäume können auch bei Dammsanierung bleiben
„Beispiele aus anderen Teilen Deutschlands belegen, dass durch intelligente Baumaßnahmen Dämme saniert und Bäume trotzdem bleiben können", sagt BIG-Vorsitzender Ulrich Holl. Rund 3,7 Kilometer Rheinhochwasserdamm, ab dem Großkraftwerk in Neckarau bis zur Schwarzwaldstraße 42 auf dem Lindenhof, gelten laut dem Regierungspräsidium Karlsruhe als sanierungsbedürftig. Tausende von Bäumen sollen dafür entfernt werden.
Zur Sitzung des Mannheimer Gemeinderats am 24. Juli hatten Holl und sein Vorstandskollege Wolf-Rainer Lowack Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) eine Petition mit rund 22.000 Unterschriften übergeben. Im September trugen sie dem Mannheimer Oberbürgermeister sowie der Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala (Grüne) die zentrale Forderung der Petition erneut vor: ein neutrales Gutachten zur Prüfung baumschonender Alternativen. „Dazu gab es leider für uns keine befriedigende Antwort. Es müsse rechtlich geprüft werden – so Kurz und Kubala – ob die Stadt überhaupt ein solches Gutachten in Auftrag geben kann. Wenn ja, sei dies wahrscheinlich erst möglich, wenn das Regierungspräsidium Karlsruhe den Antrag auf Planfeststellung bei der Stadt eingereicht hat", berichtet Lowack.
Planung des Regierungspräsidiums Karlsruhe verzögert sich
Diesen Antrag wird die Landesbehörde aber voraussichtlich erst Mitte 2019 stellen, wie die BIG in Erfahrung brachte. Das wäre ein halbes Jahr später als ursprünglich vorgesehen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe wolle die Ergebnisse des Gutachtens berücksichtigen, dass es beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Auftrag gegeben hat. Dazu BIG-Gründungsmitglied und FDP-Bezirksbeirat Wolf-Engelen, der dem Gespräch mit Kurz und Kubala ebenfalls beiwohnte: „Wir versprechen uns davon nicht allzu viel. Dieses Gutachten wird das Vorhaben des Auftraggebers, nämlich des RP, im Wesentlichen bestätigen, denn es soll DIN-konform erstellt werden. Das heißt, die Bäume sollen weg."
Besondere Situation am Rheindamm im Waldpark
Weiterhin sind viele Fragen offen. „Die vom Regierungspräsidium zugrunde gelegte DIN 19712 Flussdeiche ist lediglich eine Empfehlung, also keine Muss-Vorschrift. Insbesondere bezweifeln wir, dass eine solche Standardlösung auf die besondere Situation am Rheindamm zwischen Neckarau und Lindenhof anwendbar ist“, betont Lowack. Selbstverständlich sehe auch die BIG Hochwasserschutz als wichtig an. Aber es liege unter anderem kein fundierter Nachweis vor, dass eine 30 bis 50 Meter breite baumfreie Zone entlang des Damms sein muss. Lowack verweist hierbei auf gutachterliche Bewertungen bei anderen Projekten, dass Bäume mit ihrem Wurzelwerk Dämme sogar erheblich stabilisieren.
Darüber hinaus dürfe ein solches Großprojekt nicht an den Kosten scheitern: Bei teureren Lösungen wie Hochwasserschutzwänden könnten wahrscheinlich die meisten Bäume erhalten bleiben. Gerade der letzte Sommer habe eindrucksvoll gezeigt, wie lebensnotwendig Bäume sind, schon allein für die Abkühlung einer Stadt, die Feinstaubbindung und die Produktion von Sauerstoff. „Wenn die Pläne rücksichtslos durchgezogen und Tausende alter Bäume gefällt werden, wird für die nächsten Generationen ein einzigartiges Juwel der Stadt Mannheim teilweise unwiederbringlich zerstört werden“, bekräftigt Engelen.
BIG erwägt Beauftragung eines neutralen Gutachtens
Die BIG steht in Kontakt mit mehreren potenziellen Gutachtern. „Wir fordern nach wie vor, dass die Stadt Mannheim ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gibt. In erster Linie wollen wir damit ein gemeinsames Vorgehen der Stadt und unserer Initiative sicherstellen“, so Holl. Die BIG ist aber auch bereit, selbst ein Gutachten in Auftrag zu geben. Erste Spendenzusagen habe sie dazu bereits erhalten.

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