49. Bockenheimer Mundarttage
Wettbewerb, Kabarett und neue Dynamik

Von links: Max Stapf, Günter Gross, Lothar Sattel, Manfred Dechert, Cornelius Molitor, Siegerin Silke Fruth, Gerburg Zech, Dr. Michael Werner (Moderation), Ute Zimmermann (Moderation) und Ortsbürgermeister Uli Keidel | Foto: Förderkreis Mundart Bockenheim e.V.
  • Von links: Max Stapf, Günter Gross, Lothar Sattel, Manfred Dechert, Cornelius Molitor, Siegerin Silke Fruth, Gerburg Zech, Dr. Michael Werner (Moderation), Ute Zimmermann (Moderation) und Ortsbürgermeister Uli Keidel
  • Foto: Förderkreis Mundart Bockenheim e.V.
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Die 49. Bockenheimer Mundarttage haben 2026 nicht nur einmal mehr ihre Rolle als kultureller Fixpunkt der Pfalz bestätigt, sondern zugleich neue Impulse gesetzt. Zwischen Literatur, Musik und Kabarett zeigte sich einmal mehr, wie lebendig die regionale Sprache ist – und wie stark sie sich weiterentwickelt.
Einmal mehr wurde deutlich: Mundart ist kein museales Gut, sondern gelebte Gegenwart. Lesungen, Werkstätten und Bühnenprogramme verbanden Tradition mit aktuellen Themen und persönlichem Ausdruck.
Der „Pälzer Prosa Preis“, der in diesem Jahr zum zweiten Mal im Weingut Griebel in Bockenheim vergeben wurde, hat sich dabei als fester Bestandteil der Mundarttage etabliert. Vor rund 60 Gästen präsentierten die ausgewählten Autorinnen und Autoren ihre Texte. Insgesamt waren 21 Beiträge eingereicht worden. Eine Fachjury, bestehend aus Ute Zimmermann, Holger Schmitt, Prof. Dr. Beate Henn Memmesheimer, Birgit Heid, Margit Kraus, Dr. Michael Werner und Gabrielle Martin, wählte daraus sieben Texte für den Wettbewerb aus.
Den ersten Platz belegte Silke Fruth aus Weinolsheim in Rheinhessen mit ihrem Beitrag „Die Sach mit de Weeschbeschreibung“. Auf Rang zwei folgte Max Stapf aus Weisenheim am Sand mit „Denkscht emol an mich“, während sich Cornelius Molitor aus Kaiserslautern mit „De Gutschei“ den dritten Platz sicherte. Bemerkenswert ist, dass mit Silke Fruth eine echte Newcomerin gewann und auch Max Stapf erst seit kurzer Zeit aktiv ist. Dass beide direkt die vorderen Plätze erreichten, kann als Hinweis auf einen möglichen Generationswechsel innerhalb der Mundartszene gewertet werden. Cornelius Molitor, der im Vorjahr noch gewonnen hatte, bestätigte mit seinem dritten Platz seine kontinuierliche Qualität.
Auch die weiteren Teilnehmer – Lothar Sattel, Manfred Dechert, Gerburg Zech und Günter Gross – unterstrichen die Vielfalt des Wettbewerbs. Moderiert wurde die Veranstaltung von Michael Werner und Ute Zimmermann, während das Duo Ajoo mit Horst und Jörg Dehmel aus Guntersblum für die musikalische Umrahmung sorgte.
Auffällig war in diesem Jahr die stärkere Einbindung von Autorinnen und Autoren aus Rheinhessen. Sprachlich ist das naheliegend, denn im südlichen Rheinhessen werden Varianten des Pfälzischen gesprochen. Erst in Richtung Mainz verändert sich die Mundart allmählich in Richtung Südhessisch. Damit wird deutlich, dass der pfälzische Sprachraum weit über die Grenzen der Pfalz hinausreicht. Beiträge aus Rheinhessen, der Kurpfalz, der Saarpfalz und sogar aus Teilen Südhessens – etwa rund um Lampertheim – bereichern den Wettbewerb und erweitern den Blick auf die Mundart.
Ein interessanter Ausblick ergibt sich aus dem ersten Rheinhessischen Mundart-Festival, das mit acht ausverkauften Veranstaltungen ein großer Erfolg war. Perspektivisch erscheint eine engere Zusammenarbeit zwischen Pfalz und Rheinhessen durchaus realistisch, zumal die Verbindung zwischen den Beteiligten bereits sehr gut funktioniert.
Ein weiterer Höhepunkt der Mundarttage war die Auszeichnung des Kabarettisten Ramon Chormann mit dem Preis der Emichsburg. Seine konsequent „uff Pälzisch“ gehaltenen Programme stehen beispielhaft für eine moderne und publikumsnahe Mundartkultur.
Besonders hervorzuheben ist der „Abend der Pfälzischen Mundart-Stiftung“, der sich als neuer, wichtiger Treffpunkt etabliert hat. Die Stiftung versteht sich als Förderplattform für mundartliche Kulturprojekte und bietet sowohl Kulturschaffenden als auch Förderinteressierten die Möglichkeit zum direkten Austausch und zur Vernetzung. Im Rahmen dieses Abends las Harald Schneider aus seinem Werk „Totgebabbelt“. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig solche Begegnungsformate zum Netzerken und für die Weiterentwicklung der Szene sind. Eine Fortsetzung ist bereits geplant: Auch künftig soll der Freitag der Mundarttage Raum für einen solchen Austausch bieten. Interessierte können über die Plattform „hiwwe-wie-driwwe.com“ Kontakt zur Stiftung aufnehmen. Förderanträge für Projekte im Jahr 2027 können noch bis zum 31. August 2026 eingereicht werden.
Strukturell zeigen sich die Mundarttage gut aufgestellt: Im Frühjahr findet der Prosawettbewerb in Bockenheim statt, während im Herbst der Pfälzische Mundart-Wettstreit mit Lyrik folgt. Dieses Zusammenspiel hat sich bewährt und schließt die Lücke, die durch das Ende der Veranstaltungen in Dannstadt im Jahr 2024 entstanden ist.
Mit Blick auf die Zukunft richtet sich die Aufmerksamkeit bereits auf das Jahr 2027, wenn in Bockenheim gleich zwei bedeutende Jubiläen gefeiert werden: 75 Jahre Pfälzischer Mundartdichter-Wettstreit und 50 Jahre Mundarttage Bockenheim. Die Planungen hierfür laufen bereits in enger Abstimmung zwischen der Gemeinde und dem Förderkreis Mundart Bockenheim e.V.
Die Mundarttage 2026 machen damit deutlich: Die pfälzische Sprache ist nicht nur lebendig, sondern wandlungsfähig und zukunftsorientiert. Neue Stimmen, regionale Vernetzung und etablierte Formate greifen ineinander und sorgen dafür, dass die Mundart auch künftig ihren festen Platz im kulturellen Leben behält.

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Autor:

Dr. Michael Werner aus Grünstadt-Land

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