Seit zehn Jahren fester Bestandteil des Kulturkalenders
Literarische Lese Freinsheim

Volker Gallé, der in Texten und Liedern von den Söhnen und Töchtern der Göttin Freiheit erzählt.
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  • Volker Gallé, der in Texten und Liedern von den Söhnen und Töchtern der Göttin Freiheit erzählt.
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  • hochgeladen von Franz Walter Mappes

Freinsheim. Die Literarische Lese Freinsheim feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Hasan Özdemir als Ideengeber fand 2010 mit Eleonore Hefner, Susanne Gierlich und Waltraud Amberger ein Team, das seither die Literatur nach Freinsheim bringt. Die Lese ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Kulturkalenders geworden.

Das Programm im „Jubiläumsjahr“ wurde dementsprechend recht anspruchsvoll gestaltet.
Eröffnet wird die Literarische Lese Freinsheim am Freitag, 17. Mai, um 18 Uhr in der Remise, dem Retzerhof und im Kelterhaus des Retzeranwesens.
Der Eröffnungsabend wird musikalisch begleitet von Mélange à Deux (Uwe Hanewald, Akkordeon und Ulrike Albeseder, Oboe). Es werden die Gewinnertexte aus dem Dichtwettbewerb vorgestellt und Hasan Özdemir liest neue Gedichte über Freinsheim. Der Eintritt ist frei.
Am Samstag, 18. Mai stehen drei Veranstaltungen auf dem Programm. Um 14 Uhr wird die Ausstellung „Heimaten“ mit einer Vernissage in der „Kleinen Galerie“ im Kitzig eröffnet. Eine poetische Weinwanderung (Treffpunkt bei der „Kleinen Galerie“) mit Hasan Özdemir schließt sich um 15 Uhr an und um 20 Uhr liest Karen Duve im Von-Busch-Hof aus „Fräulein Nettes kurzer Sommer“.

Die Ausstellung:
Iris Kaczmarczyk hat internationale, in Deutschland lebende Künstlerinnen und Künstler fotografiert, die sich hier mit ihrer Kunst etabliert haben. Mit ihren Fotografien setzt sie Person und Werk in Szene und präsentiert zu jedem Kunstschaffenden einen Text zu der Frage, was für sie Heimat bedeutet. Walter Geiselhart zeigt in seiner Galerie Malerei in Soft-Ölpastelltechnik: Gemälde, die auf seinen Reisen in den Süden entstanden sind und Motive aus heimischen Gefilden.
Eintritt frei. Einführung: Dr. Christoph Lind. Öffnungszeiten der Ausstellung: immer eine Stunde vor den Lesungen.

Die Weinwanderung: Zwischen Reben und Obstbäumen wird Hasan Özdemir eigene Gedichte rezitieren. Inmitten der Weinberge werden Kerstin Becker und Hans Thill vom Künstlerhaus Edenkoben das Programm gestalten. Das Weingut Reibold sorgt für die passende Weinbegleitung.

Die Lesung:
Im Jahr 1819 begegnen sich Annette von Droste-Hülshoff und Heinrich Straube. Intrigenspiele der adeligen Familie gegen eine Liaison mit dem bürgerlichen Dichter, Begegnungen mit den Brüdern Grimm und Heinrich Heine, stürmische Diskussionen der Göttinger Studenten – es geht um Kunst und Wissenschaft, Konventionen und Revolution, um Nationalismus und Aufklärung. Karen Duve erzählt mit trockenem Humor und genauem Blick. Sie zeichnet mit dem Porträt der begabten, widerspenstigen und sensiblen jungen Dichterin das Bild einer Gesellschaft im Umbruch – das geht uns auch heute an.

Am Sonntag, 19. Mai, 11.30 Uhr und am Freitag, 16 Mai, 16 Uhr, gibt es Literarische Spaziergänge mit Waltraud Amberger (Treffpunkt bei der Stadtbücherei).
Der Jubiläumsspaziergang durch Freinsheim ist die Einladung zu einer (Wieder-) Entdeckungsreise, die Ernte aus zehn Jahren Lese: Gedichte, Prosa und Autobiografisches von Sinsheimer-PreisträgerInnen und AutorInnen, die in den vergangenen Jahren in Freinsheim zu Gast waren. „Im Schreiben zu Haus“, der Titel eines Projektes von Herlinde Koelbl, lieferte die Idee: Wie ist es möglich, das Zusammenleben in einer hochkomplexen Gesellschaft wie der unsrigen zu gestalten? Was brauchen wir, um uns Zuhause zu fühlen und eine lebenswerte Perspektive zu haben? Auf der Suche nach Antworten ist Literatur eine unerschöpfliche Quelle. Es geht um Begegnungen mit Menschen und Orten, um Dinge und Ideen, um Ängste und Visionen.
Um 17 Uhr folgt im Von-Busch-Hof eine Lesung mit Saša Staniši´c zum Thema „Herkunft“.
Niemand kann es besser beschreiben als der Autor selbst: „HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache und Scham, Ankommen und Zurechtkommen, Glück und Tod. HERKUNFT ist ein Buch über meinen Urgroßvater, der Flößer war und nicht schwimmen konnte, über meine Urgroßmutter, die singen konnte wie eine Sirene. Die Toten sprechen in HERKUNFT (haben aber nicht viel zu sagen), und die Lebenden vergessen (sie hätten viel zu erzählen). Ich jage ihren Erinnerungen nach. HERKUNFT ist auch ein Buch über die Frage: Bin das ich?“

„Die Welt meines Dorfes“, Geschichten von Freinsheim gibt es am Montag, 20. Mai, um 18 Uhr im Freinsheimer Hof.
Gesprächsrunde mit Volker Gilcher, Frédérique Lamur, Angela Hubach, Uli und Günter Kirchner; Moderation Helga Buß Wer mit Freinsheim und seinen Bewohnern vertraut ist, wird schon aus der Zusammenstellung der Akteure sehen, dass dies ein Abend voller Geschichten wird: Es geht ums Heimisch-Sein und Heimisch-Werden, um Weggehen und Ankommen aber auch um die Frage, was wir brauchen, um uns irgendwo zu Hause zu fühlen. Stadtgeschichte wird in biografischen Fragmenten lebendig – auch für Ortsunkundige...
Eintritt frei.

Am Dienstag, 21. Mai, 21 Uhr wird im Innenhof des Hotels Altstadthof beim Open Air Kino der Film „Transit“ gezeigt.
Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anna Seghers um einen deutschen Flüchtling, der in Marseille die Identität eines verstorbenen Autors annimmt. Regisseur Petzold, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, verlegte die Geschichte in die Gegenwart. In den Hauptrollen Franz Rogowski und Paula Beer.

Die Literarische Reise geht am Mittwoch, 22. Mai, um 19 Uhr weiter. Im Café Zucker & Salz ist Lyrik von Hasan Özdemir und Hans Thill bei einer Lesung angesagt.
Hans Thill liest aus „Ratgeber für Zeugleute“. Die Nützlichkeit eines Ratgebers möchte er auf seine Texte übertragen wissen. Sie dienen der Verständigung über innere Vorgänge. Sie kommen aus einer Welt nebenan. Sie sollten (sie wollen) sein wie die Welt, in der wir leben. Die neuen Gedichte von Hasan Özdemir sind nachdenkliche Betrachtungen über das Leben auf unserer Erde. Sie handeln von der Suche nach etwas, das man auch „Heimat“ nennen könnte: von Menschen, von der Natur, vom Reisen und vom Heimisch-Sein in einer Welt, die sich immer mehr zuschließt. 

Am Donnerstag, 23. Mai, 20 Uhr liest Jan Böttcher im Barocksaal aus „Das Kaff“.
Architekt und Ich-Erzähler Michael ist für die Karriere nach Berlin gezogen und kehrt nach zwanzig Jahren als Bauleiter für zwei „doppelgeschössige Townhouse-Riegel“ in die Provinz zurück. Eigentlich will er sofort wieder weg. Doch das „Kaff“ rückt ihm auf die Pelle: Aus dem arroganten Schnösel wird der Trainer für die C-Jugend seines früheren Fußballvereins. „An Erinnerungen hat mich immer genervt, dass man sie nicht beherrschen kann“, räsoniert der Protagonist. Böttcher spielt mit Stereotypen und Vorurteilen. Lakonisch, witzig, mit einer Spur Wehmut erzählt er von einem, der auszog und für den die Rückkehr zum Tableau der Selbsterkenntnis wird.

Im Alten Spital liest am Freitag, 24. Mai, um 20 Uhr Steven Uhly aus „Den blinden Göttern“.
Dem menschenscheuen Buchhändler Friedrich Keller wird von einem Fremden ein Manuskript mit Sonetten überreicht. Die Geschichte entwickelt sich zum kuriosen Verwirrspiel: Wer ist der seltsame Unbekannte? Wer ist der Verfasser der Texte? Gibt es diese wirklich oder sind es Erfindungen? Traum oder Wirklichkeit, Dichtung oder Wahrheit? So wie alle Antworten nach und nach der Falschheit überführt werden, gerät auch die Welt des Protagonisten allmählich ins Wanken. Seine eigene Rolle als Autor parodierend und jonglierend mit literarischen Genres, treibt Uhly ein irrwitziges Spiel – Unterhaltungsfaktor garantiert!

Bevor am Samstag, 25. Mai, um 20 Uhr im Alten Spital Michael Bauer, Volker Gallé und Andrea Baur (Laute) „Shakespeare – Links vom Rhein“ vortragen heißt es von 14 bis 19 Uhr im Retzerhaus „Aufbrechen! Ankommen!“ bei der Schreibwerkstatt zum Mitmachen (mit Anmeldung).
Martina Gemmar (Liedermacherin), Walter Menzlaw (Regisseur), Widad Nabi (Lyrikerin), Roland Paul (Historiker) – vier AutorInnen, vier unterschiedliche Herangehensweisen und ein gemeinsames Thema: Wer gerne schreibt und mit Sprache umgeht, hat Gelegenheit, einen Nachmittag lang zu experimentieren und in ungezwungener Atmosphäre die eigenen Gedanken in Worte zu fassen. Dazu sind keinerlei Vorkenntnisse notwendig. Die entstandenen Textfragmente werden gemeinsam mit Walter Menzlaw, dem Regisseur des Chawwerusch-Theaters, bearbeitet und am nächsten Tag beim Literaturfest präsentiert.
Weitere Infos: https://literarische-lese-freinsheim.de/schreibwerkstatt/

Das wird ein dreifacher Ohrenschmaus: Michael Bauer mit seinen saftigen Nachdichtungen von Shakespeare-Gedichten, die Lautenistin Andrea C. Baur mit Saitenmusik von Dowland bis Blues und Volker Gallé, der in Texten und Liedern von den Söhnen und Töchtern der Göttin Freiheit erzählt. Von Shakespeare über Olympe de Gouges, Heine, Hölderlin, de Hans im Schnookeloch aus dem Elsass, Henriette und Emile Gallé aus Lothringen, Jacques Brel, Paul Eluard – über Zeit und Raum hinweg sprechen sie von Leidenschaft und Liebe, von Träumen, Enttäuschungen und Verwicklungen, von politischen Turbulenzen und letzten Wahrheiten.

Das Fest: Mit einem Literaturfest im Retzerpark (11 bis 17 Uhr) endet der Veranstaltungsreigen am Sonntag, 26. Mai.
Zehn Jahre Literarische Lese wollen gefeiert werden! Die Literaturfeste im idyllischen Retzerpark inmitten Freinsheims sind inzwischen Tradition. Wir servieren eine bunte literarische Palette, präsentieren die Siegertexte unseres Dichtwettbewerbs und Ergebnisse aus der Schreibwerkstatt vom Vortag. Neben Birgit Heid, Michael Konrad und Michael Bauer gibt es auf der Bühne wie immer Überraschungsgäste. Ganztags findet die Mitmachaktion „Auf ein Wort“ statt: Das Künstlerduo illig&illig wird an einem Schreibtisch Assoziationen der Gäste zu unserem Motto „Aufbrechen und Ankommen“ notieren. Daraus werden spontan Grafiken auf Postkarten gezeichnet, die den Tag über präsentiert und nach der Lese per Post an die Ideengeber verschickt werden.
Musikalisch wird das Fest von den Ukulayers begleitet, einer Ukulelenband der besonderen Art. Die Liegestühle stehen bereit! ps

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