Tuberkulose-Ausbruch in Bad Schönborn ist unter Kontrolle und nicht ungewöhnlich
50 bis 60 Tuberkulose-Fälle pro Jahr allein im Landkreis Karlsruhe

Minister Manne Lucha informierte sich vor Ort über die Tuberkulosefälle in Bad Schönborn
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Bad Schönborn/Karlsruhe. Ende Mai wurde in Bad Schönborn ein Tuberkulosefall bekannt. Ein Schüler der Michael-Ende-Schule war offenbar schon längere Zeit erkrankt und hat im Verlauf seiner Erkrankung weitere Schüler infiziert. Mittlerweile haben Tests, denen sich alle Schüler und Lehrer unterziehen mussten, ergeben, dass Personen aus der Schule infiziert sind, ein Kind aus dem näheren Umfeld des Patienten ist ebenfalls erkrankt und besucht die Franz-Josef-Kuhn Grundschule in Langenbrücken, auch dort wurde die Klassenstufe des erkrankten Kindes, das als nur gering ansteckend gilt, vorsorglich getestet.

Minister dankt dem Gesundheitsamt Karlsruhe für kompetente Reaktion und vorbildliche Arbeitsabläufe

Am Dienstag nun besuchte Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration, das Landratsamt Karlsruhe, um sich vor Ort über den Fall zu informieren und um im persönlichen Gespräch besorgten Eltern ihre Ängste zu nehmen. Diese seien nämlich unbegründet, erklärten der Minister und der Erste Landesbeamte Kurt Bühler einvernehmend, denn: "Erstens gibt es keine neuen Ansteckungsfälle: Alle neuen Infizierten sind Patienten, die in der ersten Testreihe negativ, aber in der zweiten, acht Wochen nach Bekanntwerden des Falles, positiv getestet wurden, und zweitens heißt infiziert nicht erkrankt", so der Minister.

Dr. Ulrich Wagner, aus der Abteilung für Gesundheitsschutz im Landratsamt Karlsruhe, bestätigt: "Man geht davon aus, dass lediglich rund fünf bis zehn Prozent aller Infizierten an Tuberkulose erkranken, bei Kinder können es schon mal 15 Prozent sein, aber generell heißt infiziert nicht krank und auch nicht ansteckend." Er erklärte weiter, dass man davon ausgehe, dass rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Erreger infiziert sei und dass es auch in Deutschland eine hohe Dunkelziffer gebe, da man im Normalfall, wenn die Krankheit nicht ausbricht, nie von eine Infektion erfahre. Zudem sei Tuberkulose heute gut behandel- und heilbar, den Eltern der infizierten Schüler sei freigestellt, ihre Kinder einer prophylaktischen Behandlung mit Antibiotika zu unterziehen. "Wir empfehlen das, zwingen aber niemanden dazu", so Wagner weiter. Zwingend notwendig hingegen sei das Röntgen der Lunge, das man bei allen Infizierten zur Beobachtung zwei Jahre lang in regelmäßigen Abständen durchführen wolle. Zur Kontrolle und um auszuschließen, dass die Krankheit bei einem möglichen Ausbruch unbehandelt bleibe.

Die Lage ist unter Kontrolle

Generell, so bestätigte Wagner, sei Tuberkulose auch in der Region gar nicht so selten. Es sei Fakt, dass es allein im Landkreis Karlsruhe rund 50 bis 60 Fälle pro Jahr gebe, oft mit ähnlichen Zahlen bei der prophylaktischen Umgebungsuntersuchung, die immer zwingen notwendig sei. Im Normalfall könne die sich auf eine Klassenstufe und das engste Umfeld einer erkrankten Person beschränken, weil es sich aber bei dem Fall in Bad Schönborn um eine bereits hoch ansteckende, offene Tuberkulose gehandelt habe, und weil - der Schulart geschuldet - der Patient Umgang mit vielen Personen außerhalb seiner Jahrgangsstufe hatte, habe man sich für eine Untersuchung aller Schüler und Lehrer entschieden.

Und das Untersuchungsergebnis hat den medizinischen Experten aus dem Landratsamt Recht gegeben: 88 Prozent der Schüler aus der Jahrgangsstufe des Kranken und 18 Prozent der anderen Mitschüler seien infiziert, vier Personen (zwei weitere Schüler aus der Michael-Ende-Schule und das Kind ais der Franz-Josef-Kuhn Grundschule) sind derzeit an Tuberkulose erkrankt. "Der Fall an sich ist Alltag", erklärt Wagner. "Ungewöhnlich sind nur die hohen Infektionsraten, aber das ändert nichts an unserer Vorgehensweise. Nun da alle getestet sind, werden die betroffenen Familien im Umgang mit der Infektion begleitet. Während der zwei Jahre, in denen das Erkrankungsrisiko statistisch erhöht ist, werden wir den Familien zur Seite stehen und sicher stellen, dass die Beobachtung der Infizierten lückenlos erfolgt." Denn eine weitere Erkrankung sei unwahrscheinlich, könne aber nie ganz ausgeschlossen werden.

"Haben adäquat reagiert"

Vorwürfe, den Fall herunterspielen zu wollen, weisen das Amt und der Minister konsequent zurück: "Wir haben adäquat reagiert, auch ganz individuell - auf die besonders hohe Infektiösität des Patienten. Da wurde nichts runtergespielt, aber wir wollen natürlich auch keine unbegründete Panik schüren, wie das in den sozialen Netzwerken immer wieder geschehen ist", fasst Kurt Bühler die Lage zusammen. Auch um den sozialen Druck auf die betroffenen Familien zu minimieren. Denn nach den Ferien soll der Schulbetrieb ganz normal weitergehen - auch mit den infizierten Kindern, von denen keinerlei Ansteckungsrisiko ausgeht. Man stelle in den "manchmal gar nicht so sozialen Netzwerken", so Lucha, schon fest, dass es diesen sozialen Druck auf die betroffenen Familien gebe, das wolle man mit der Aufklärung rund um den Fall und die Krankheit aber minimieren. "Die Situation ist für die Betroffenen schon schlimm genug, da muss man sie davor schützen, dass sie jetzt ausgeschlossen und vorgeführt werden. Aber ich kann natürlich auch die Sorge verstehen, deshalb wollen wir aufklären, deshalb treffe ich mich heute mit Betroffenen, mit besorgten Eltern und Bürgern aus Bad Schönborn, wir möchten darstellen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt und dass die Lage absolut unter Kontrolle ist."

Sozialen Druck auf Betroffene vermeiden

Die erkrankten Personen, so versichert das Landratsamt, werden erst dann in den Schulalltag zurückkehren, wenn eindeutig getestet und positiv feststeht, dass sie wieder ganz gesund sind und keine Ansteckungsgefahr mehr von ihnen ausgeht.
Dem ersten erkrankten Jungen, der, wie Kurt Bühler betonte, kein Flüchtlingskind sei, gehe es bereits besser, er konnte das Krankenhaus verlassen und ist wieder bei seiner Familie.

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Info-Telefon

Das Gesundheitsamt Karlsruhe hat ein Info-Telefon eingerichtet. Unter 0721 93681940 oder 93681380 können Bürger sich rund um den Tuberkulose-Fall in Bad Schönborn und über die Krankheit im Allgemeinen informieren. Das Amt bittet jedoch um Verständnis, dass es unter diesen Nummern zu Wartezeiten kommen kann.

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Über Tuberkulose:

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  • Die Übertragung der Tuberkulose erfolgt durch das Einatmen der Tuberkulosebakterien, die nur ein offen Erkrankter ausatmen kann. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit hängt dabei von Dauer und Intensität des Kontaktes ab.

  • Rein körperlicher Kontakt oder das Berühren gemeinsam genutzter Gegenstände (Türklinken, Touchscreens etc) gelten nicht als relevanter Ansteckungsweg.
  • Eine Ansteckung ist nicht gleichbedeutend mit einer Erkrankung. Nur fünf bis zehn Prozent erwachsener Infizierter und rund 15 Prozent unter Kinder und Jugendlichen erkranken an Tuberkulose. Eine vorbeugende Behandlung nach bekannter Infektion senkt dieses Risiko merklich. 

  • Erst eine erkrankte Person ist ansteckend, aber auch nur dann, wenn die Krankheit so weit fortschreitet, dass die Bakterien Anschluss an die Luftwege bekommen.

  • Tuberkulose ist heute in der Regel behandelbar und heilbar!

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Minister Manne Lucha informierte sich vor Ort über die Tuberkulosefälle in Bad Schönborn
Dr Ulrich Wagner, aus der Abteilung Gesundheitsschutz im Landratsamt, berichtete über die Vorgehensweise bei einem bestätigten Tuberkulosefall wie in Bad Schönborn
Autor:

Heike Schwitalla aus Bruchsal

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