Zentrum für Miteinander und Nachhaltigkeit
Alte Druckerei eröffnet
- Dekan Dietmar Zoller (rechts) konnte unter den Eröffnungsgästen auch den Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (links) begrüßen.
- Foto: Wolfgang Faber
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Bad Bergzabern. „O happy day“ brachte die Band um Wolfgang Heilmann zu Beginn der Eröffnungsfeier die Stimmung auf den Punkt.
Nach fünf Jahren Planungs- und Bauzeit konnte am Samstag, 31. Januar 2026, die Alte Druckerei als Zentrum für Miteinander und Nachhaltigkeit unter überwältigendem Interesse der Öffentlichkeit und im Beisein von Ministerpräsident Alexander Schweitzer, Oberkirchenrat Markus Jäckle, Landrat Dietmar Seefeldt, Verbandsbürgermeisterin Katrin Flory und Stadtbürgermeister Hermann Augspurger eröffnet werden.
Zuvor hatten alle Bereiche im Haus zu einem Tag der offenen Türen eingeladen. Hunderte Menschen ließen sich die Möglichkeit nicht entgehen, zu schauen, was aus dem ehemaligen Industriegebäude geworden ist.
Die Teams im „Kaufhaus Hempels Sofa“, bei den „Sozialen Diensten Vielfalt“, im „Jugendraum 2gether“ und im „Bistro Leporello“, die in den letzten Wochen und Monaten Unglaubliches geleistet hatten, freuten sich über die riesige positive Resonanz.
Dekan Dietmar Zoller betonte in seiner Eröffnungsansprache, dass dieses Projekt nur auf den Weg kommen konnte, weil das Presbyterium der Protestantischen Kirchengemeinde Bad Bergzabern den Mut hatte, neue Wege mit diesem christlichen Startup zu gehen. Er sieht in der Förderung eines Miteinanders, das zu mehr Menschlichkeit beiträgt und einer Kirche, die sich auf den Weg macht, „Kirche mit anderen“ zu sein, die entscheidenden Weichenstellungen für die künftige Ausrichtung kirchlicher Arbeit. Zoller dankte allen, die zum Gelingen des Projekts auf der Baustelle, als Ideen – oder Mittelgeber beigetragen haben.
Aus den anfänglich geschätzten Baukosten von 3,35 Mio Euro sind 4,3 Mio Euro geworden. Frau Uta Mielisch von der Dietmar-Hopp-Stiftung, die die ungewöhnlich hohe Fördersumme von 700.000 Euro aus dem Förderbereich Soziales zur Verfügung stellt, betonte, dass das Projekt die Fördergeber durch seinen niederschwelligen und gleichzeitig ganzheitlichen Ansatz überzeugt habe. In der Dokumentation zur Projektentscheidung stehe die kleine Randnotiz: „Sie wissen, was sie tun!“
Ministerpräsident Alexander Schweitzer bescheinigte den Verantwortlichen der Kirchengemeinde die notwendige Gelassenheit und Beharrlichkeit, die es brauche, um ein Projekt dieser Größe umzusetzen. Der Förderung mit 500.000.- Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für regionale Entwicklungsprojekte im ländlichen Raum (LAG Pfälzerwald plus) sei hier gut angelegt.
„Die Alte Druckerei in Bad Bergzabern zeigt, worauf es bei den Innenstädten der Zukunft ankommt: Orte, an denen Menschen sich begegnen, einander unterstützen und Verantwortung füreinander übernehmen. Gerade im demografischen Wandel brauchen wir niedrigschwellige Anlaufpunkte, die Generationen zusammenbringen - ganz einfach zugänglich, im Alltag, mitten in der Stadt. Das Zentrum steht deshalb auch für die Stärke des Ehrenamts in Rheinland-Pfalz, welches unverzichtbar ist für Zusammenhalt, Demokratie und Solidarität - und wir als Landesregierung fördern und unterstützen es aktiv. Begegnungsorte wie dieser helfen außerdem, Einsamkeit vorzubeugen: Einsamkeit ist keine private Schwäche, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung. Wo Menschen zusammenkommen, entsteht Miteinander - und genau das soll diese Alte Druckerei dauerhaft möglich machen,“ so Ministerpräsident Alexander Schweitzer bei der Eröffnung.
Oberkirchenrat Markus Jäckle hob den innovativen Charakter des Projekts für Kirche und Diakonie hervor und stellte die Arbeit und die Menschen in einem Gebet unter Gottes Segen. Die Landeskirche gab ein zinsloses Darlehen für die Alte Druckerei in Höhe von 250.000 Euro. Außerdem nahm die Kirchengemeinde ein Darlehen über 1,7 Mio Euro bei der VR Bank SWW auf. Zur Finanzierung tragen zudem 330.000 Euro der Aktion Mensch für den Wohnbereich für Menschen mit Beeinträchtigungen, 100.000 Euro aus der Innenstadtsanierung, Bafa-Mittel, weitere Förderungen von Stiftungen und Spenden aus der Region bei. Zoller erwähnte außerdem das Ehepaar Ingeborg und Eberhard Schilling, sowie Herrn Gerhard Bess, die in ihren Testamenten die Prot. Kirchengemeinde Bad Bergzabern bedacht hatten, um das sozialdiakonische Engagement der Gemeinde zu unterstützen.
Landrat Dietmar Seefeldt freute sich, dass die durch Kreismittel und das Kita-Sozialraumbudget finanzierte Arbeit der Jugend- und Familienberatungsstelle, die Kita Sozialarbeit und die Kita-KistE, für die die Kirchengemeinde in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern Trägerin ist, unter dem Dach der Alten Druckerei ihre Räume gefunden hat.
Stadtbürgermeister Hermann Augspurger sieht in der Alten Druckerei einen guten Partner, um die Umsetzung der 17 Ziele zur Nachhaltigkeit der Vereinten Nationen, für deren Verwirklichung die Stadt Modellregion ist, voranzubringen.
Bei der Schlüsselübergabe durch Architekt Jens Huck an Dekan Dietmar Zoller wurde deutlich, wie sehr die Alte Druckerei auch den Planer:innen zu einem Herzensprojekt geworden ist und wie das Thema Nachhaltigkeit bereits beim Bau und in der Auswahl der Baustoffe von Bedeutung war.
Ganz praktisch wurde es dann noch zum Abschluss des offiziellen Teils, als Rainer Brunck und Willi Rincker erklärten, wie sie bereits beim Abriss mit dazu beigetragen haben, Rohstoffe wiederverwertbar zu machen. Sie überreichten einen Scheck in Höhe von 2.600.- Euro für das Kupfer, das sie mithilfe von „Mathilde“ sortenrein getrennt hatten. Auch Ursula Faller-Greiner vom Frauenbund überreichte aus Basar- und Backaktionen gewonnene Mittel von 5.000.- Euro für die Finanzierung der Alten Druckerei.
Die Bauarbeiten sind nun fast abgeschlossen. Die eigentliche Arbeit kann nun beginnen, damit die Alte Druckerei auch wirklich ein Ort wird, an dem Menschen gemeinsam das Miteinander gestalten und feiern.
Autor:Jürgen Bender aus Annweiler |
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