BriMel unterwegs
Grandioses Konzert von Geberts Deutsche Meilensteine
- Von links: Chris Linder, Stefan Gebert, Frank Ruppert und Alex Lützke
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Waldsee. Das katholische Pfarrzentrum in der Kirchstraße 12 füllte sich rasch am 29. März und das hatte einen guten Grund namens „Geberts Meilensteine“. Die Band besteht aus den Musikern Stefan Gebert, Chris Linder, Frank Ruppert und Alex Lützke. Das heutige Programm bestand aus der Deutschen Ausgabe, denn es gibt auch noch eine Englische. Neben ihren Stimmen hatte das Quartett drei Gitarren und ein Saxofon mitgebracht. Vor jedem Song gab der charismatische Frontmann Stefan Gebert mit seiner sehr schönen Sprechstimme (Nachrichtensprecher von RADIO REGENBOGEN) kleine Anekdoten, große Gefühle und persönliche Erlebnisse preis. Dem Publikum gefiel es und die Spielfreude übertrug sich auf selbiges. Die Songs des Abends haben das Leben des Publikums geprägt, hört man immer wieder gerne und so war es eine unvergessliche Zeitreise durch die Blütezeit der Rockmusik, aber auch von Pop aus den 70er und 80er Jahren. Viele Gäste kannten die Band bereits von ihrem Auftritt mit der englischen Version und waren in Vorfreude.
Paul Platz begrüßte als Kulturleiter im Namen des Rhein-Pfalz-Kreises und der Verbandsgemeinde das Publikum im ausverkauften Saal. „Was machen wir an diesem Wochenende?“ wollte er wissen. Da wäre doch etwas für das Gemüt am besten wie zum Beispiel gute Musik und stellte damit die Band vor. Stefan Gebert erzählte, dass der erste Auftritt mit Publikum hier in Waldsee vor 4 Jahren war und sie sich gleich wohlgefühlt hätten. Nach über 50 Karrierejahren kennt man Udo Lindenberg als Kunstwerk, als einen mit allen Wassern gewaschenen Musiker. Er verliebte sich in ein Mädchen, das Cello spielte, welches den Titelsong für das Stück ergab, woraufhin das Publikum begeistert mitging. „Geberts Meilensteine“ hatten kein Cello dabei, dafür drei ausgezeichnete Gitarre/Bass-Spieler und das i-Tüpfelchen mit dem Saxofon. Man ging auf Zeitreise zwischen Jazz und deutschem Schlager mit Bill Ramsey, gebürtigem Amerikaner und 2021 in Hamburg gestorben. Er trat in Frankfurt am Main im bekannten Jazzkeller auf und lernte fleißig deutsch. Jeder kennt das im Heinz-Erhardt-Streifen gesungene Lied „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ mit seinem unverwechselbaren amerikanischen Akzent. Das Publikum klatschte im Takt begeistert mit.
Wohin die musikalische Reise mit dieser Band im Jahr 2024 gehen würde, wusste Stefan Gebert nicht, denn er hatte einen Burnout. Aber es ging weiter, man probte und stellte fest, dass es gar nicht so schlecht klang, somit ging die Reise weiter. „Fürstenfeld“ von der österreichischen Musikgruppe S.T.S. aus dem Jahr 1984 wurde perfekt in dieser Sprache gesungen. Alex Lützke war diesmal als Erzähler dran; an eine Reise nach Portugal ins „Bluescafe“ erinnerte er sich, an den Lieblingsbassisten Manne, heiße Würstchen und Coca-Cola, zum Vorschein kam aber „Carbonara“ von Spliff a capella zum Einstieg. „Keine ist wie Du“ von Gregor Meyle hatte wieder eine tolle Saxofoneinlage, die unter die Haut ging. Sie hatten eine weitere Sternstunde im Gepäck mit „Juli“ und der perfekten Welle. Ein Surfer wartet sein ganzes Leben auf die perfekte Welle, aber einmal geschah etwas Unglaubliches. Am 26.12.2004 überraschte ein Tsunami die Küsten im indischen Ozean mit Tausenden Toten. „Die perfekte Welle“ wurde kurzerhand von den Radiosendern aus dem Programm genommen. Gebert erzählte von früher als es noch Schallplatten gab und keine Handys einen romantischen Abend störten. „1000 und eine Nacht“ und es hat „Zoom!“ gemacht performte er von Klaus Lage aus dem Jahre 1984.Es wurde zum Mitklatschen aufgefordert und das Publikum sang begeistert mit. Bei einer Schulfahrt nach Hinterglemm hörten sie „Schifoan“ von Wolfgang Ambros, welches Stimmung und Spaß in den Saal brachte. Es ist nicht nur eine Gröhlnummer, sondern beschreibt ein Glücksgefühl. Ebenfalls von Wolfgang Ambros war auch das Lied „Es lebe der Zentralfriedhof“, alle Toten feiern heut und vor seinem geistigen Auge sah man Zombies herumlaufen. 1986 hat Stefan Gebert Woodstock erlebt und traf backstage auf Herbert Grönemeyer. Dieser hatte innerhalb einer Woche zwei schwerste Schicksalsschläge zu bewältigen und verarbeitete dies in dem Album „Mensch“. Es ist eine Hommage an die Menschen weiterzumachen, auch wenn man am Boden zerstört ist. Weiter ging es mit „Jürgilein“, so wurde Udo Jürgens früher von seiner Mutter genannt. Er wurde als Heranwachsender gemobbt, ließ sich davon aber nicht abhalten äußerst erfolgreich zu sein und über 1 Million Tonträger zu verkaufen. „Ich war noch niemals in New York“ aus dem Jahre 1982 sang das Publikum wieder begeistert mit bevor es in die Pause ging. Über 100 Menschen lechzten nach Getränken und frisch duftenden Brezeln.
Als Stefan Gebert noch als Kind in Heddesheim wohnte ging er mit seinen Kumpels nach Mannheim ins Alhambra Kino, wo Markus und Nena im Film „Gib Gas – Ich will Spaß“ die kleine Taschenlampe brennen ließen. Frank Ruppert war nun als Sänger an der Reihe mit „Du bist das Licht“ von Gregor Meyle. Anfang der 80er Jahre wurde die Musik bunt und neu. „Geier Sturzflug“ brachten 1977 den Satiresong „Bruttosozialprodukt“ heraus. Der schaffte es sogar auf Platz 1 der deutschen Hitcharts. Chris Linder sang ihn zur Version aus Dieter Thomas Hecks Hitparade zur Erheiterung aller. Alex Lützke nahm die Zuschauer mit ins Freibad nach Grünstadt als die Musik noch aus der Ghettobox ertönte. „Die Ärzte“ auf der Wiese und „Farin Urlaub“ mit der Liedzeile „Warum hast du mir das angetan?“ aus dem Lied „Zu spät“ kamen in Erinnerung. In einer Hamburger Kneipe hörte man von der Rockband Selig 1984 „Ohne Dich“, ein emotionaler Gänsehaut-Song, den Jan Plewka geschrieben hat. Die deutsche Königin unter den Songschreiberinnen ist Annette Humpe (geb. 1950), die zusammen mit der Band „Ideal“ das Lied „Blaue Augen“ sang. Wie würde diesen Song wohl David Bowie singen? „Ich liebe Geschichten“ meinte Frank Ruppert und besonders die von Michael Ende. Heute interessieren ihn wahre Geschichten und Gregor Meyle wurde wiederum mit „Du bist das Licht“ und der Aussage, dass es sich immer lohnt durchzuhalten performt. Ein sehr melodisches ausdrucksstarkes Lied! Die Heidelbergerin Pe Werner hatte mit „Kribbeln im Bauch“ ihren Durchbruch. Rio Reiser wollte die Welt verändern mit seinen Texten der Band „Ton Steine Scherben“. Er starb mit gerade mal 46 Jahren 1996 als „König von Deutschland“. Die Band Geberts Meilensteine“ hatte doch tatsächlich einen Song unterschlagen, da aber geprobt wurde er nun doch performt. Stefan Gebert zeigte, dass er auch rockig kann „Let‘s rock“ mit dem Jukebox Rock. Die Spider Murphy Gang hatte 1981 mit der „Schickeria“ einen besonderen Hit gelandet. Es ging dem Ende zu mit dem letzten Song und einem kleinen emotionalen Cut „Ihr seid ein klasse Publikum!“ Von Wolfgang Ambros und Andre Heller gab es noch Lebensweisheiten zum Thema „Für immer jung“. Zugaberufe wurden laut und erhört. Hinweis zur Homepage www.geberts-meilensteine.de, auf der die Tourdaten zu finden sind. Die nächsten sind am 16.04. in Lampertheim und 28.05. in Lorsch und haben vor einmal im Monat zu spielen. Dankesworte an alle Helferinnen und Helfer. Mit den Sportfreunden Stiller und dem Song „Ein Kompliment“, etwas umgedichtet „Ich wollte Euch nur mal eben sagen, dass ihr für uns das größte seid“ war es ein großes Kompliment ans Publikum. Letzte Geschichte und letzter Song von BAP auf Kölsch „Du kanns zaubere“ mit allen Musikern nochmal im Sologang und Bandvorstellung. Standing Ovations zum Schluss vom restlos begeisterten Publikum, was will man mehr! (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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