BriMel trifft BriMa
Ehrenamtlicher "Tierrettungsanker" Brigitte Manges
- Brigitte Manges mit den fünf Igelbabys und "Wachhund" Bobby
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Waldsee. Schön, dass die umtriebige Tierfreundin Brigitte Manges am 17. Juni ein bisschen Zeit für ein Interview fand. Immer wieder sieht man auf ihrem Facebook-Kanal wie sie sich um die Tierwelt kümmert.
??? Sie haben ja gerade eine Igelfamilie zu versorgen und stehen als Helferin bei vermissten Hunden tatkräftig zur Seite. Ich nehme an, dass Sie ihm Ruhestand sind bzw. aktiver denn je?
Manges: Ja, ich bin seit 2017 im Ruhestand, habe aber nie wirklich Ruhe. Mein Mann ist 2019 gestorben und dann kam ja Corona. Meine erste öffentlich bekannte tierschützende Tätigkeit war als das mit der Ukraine los ging und die Flüchtenden keine Haustiere in die AfA mitnehmen konnten und denen habe ich geholfen, indem ich die Tiere vorübergehend untergebracht und veterinärstierärztlich versorgt habe, das heißt ich kümmerte mich um Dokumente, Tollwutimpfung und und und. Das war mein erster großer Einsatz im Jahre 2022 mit Hunden, Katzen und auch teilweise Ratten oder Hasen. Da war zum Beispiel die Frau mit ihren zwei Kindern und ihrer Katze dabei und da wollten sie wissen was zu tun ist. Da bin ich hingefahren und hab die Katze in Empfang genommen. Das war auch noch so ein Drama, weil die dachten, ich bin vom Amt und beschlagnahme die Katze. Ein Dolmetscher konnte aber Entwarnung geben. Dann kamen noch etliche Hunde und Katzen dazu, alle mit Genehmigung vom Veterinärsamt, denen musste ich auch immer Protokolle schicken, was gemacht worden ist und ob die Tiere noch leben usw.; da hatte ich dann Gottseidank Rückendeckung. Und das war der Anfang, durch den ich mir, auch durch einen Artikel in der RHEINPFALZ, einen gewissen Namen gemacht habe. Den AfA-Leuten habe ich dann gesagt, dass sie doch Boxen für die Tier hinstellen sollen, ich bin ja nicht immer da und kann nicht immer kommen. Und manche haben auch Boxen spendiert, wo die Tiere untergebracht werden konnten.
??? Wann und wie sind Sie zu den „Igel-Mutterfreuden“ gekommen?
Manges: Dieses Jahr war es so, dass mir Anfang Mai aus Waldsee von Spaziergängern ein Igel gebracht wurde, der auf der Seite lag und schwer hustete. Daraufhin habe ich den Igel auf tierärztliche Anweisung gegen Lungenwürmer behandelt. Da ich selbst mittlerweile ein Mikroskop besitze konnte ich sehen, ob Lungenwürmer vorhanden waren. Hinzu kam ein eitriger Nasenausfluss bei dem Igel, der mit Antibiotikum behandelt werden musste. Einen Tag bevor ich ihn wieder auswildern wollte schaute ich in das „Häuschen“ und da lagen auf einmal drei winzige Igelbabys. Da habe ich sie natürlich nicht ausgewildert, weil ich ihr ja nicht diesen Umzugsstress antun wollte. Und dann hatte ich hier die Mama mit ihren drei Babys zu versorgen. Es kamen noch welche hinzu, die sie auch adoptiert hatte und schon hatte ich sieben auf einen Streich. Die Mama säugte sie auf einmal nicht mehr, da wurde sie am Fundort wieder ausgewildert. Danach habe ich die Kleinen selbst lange großgezogen und jetzt sind sie so weit, dass sie schon Futter schlabbern können. Wenn sie groß genug sind werden auch sie ausgewildert.
??? Die wievielte Igelfamilie päppeln Sie mittlerweile auf?
Manges: Oh, da muss ich nachdenken. Ich glaube seit 2022 habe ich acht oder neun Familien oder nur ihre Babys aufgepäppelt, aber es kommen ja immer wieder welche hinzu, aber ja, es waren einige.
??? Kam es auch schon vor, dass Igelbabys es nicht geschafft haben, zu schwach waren?
Manges: Ja, kommt auch vor. Gerade bei den ganz Kleinen, wenn da keine Mama dabei ist und man alle zwei Stunden füttern muss. Hinzu kommt, wann sie gefunden wurden und eventuell lange ohne Versorgung waren, dann haben die auch schon Probleme mit der Gesundheit und man bekommt sie einfach nicht durch.
??? Momentan haben Sie fünf Babys, auf die Sie ein wachsames Auge haben. Ist das der Schnitt bei Geburten?
Manges: Zwischen vier und sieben Babys ist der Schnitt bei einer Igelgeburt.
??? Wenn die Pflegeigel aufgepäppelt sind werden sie von Ihnen in ein Auswilderungsgehege gesetzt. Befindet sich das auch bei Ihnen? Und wenn sie auch durch diese Phase sind, was passiert dann?
Manges: Bei mir kann ich keine mehr auswildern, weil es schon zu viele sind und manchmal habe ich auch welche, die beinamputiert sind, die bleiben meistens hier. Ausgewildert werden sie in Naturgärten, wo die Leute auch bereit sind, die Igel zu füttern und ein Schlafhaus hinzustellen und da kenne ich auch schon einige Leute. Aber die laufen von dort ja auch wieder weg, das ist nur ein Übergang für die Erstversorgung. Die Umgebung hierfür muss stimmen; man kann sie nicht irgendwo aussetzen. Sie können dann ihre Umgebung abscannen, laufen nachts und sehen, ob da irgendwelche Fressfeinde unterwegs sind. Durch ein Türchen können sie rein und auch raus, denn es dauert eine Weile bis sie sich ein eigenes neues Nest irgendwo in der Umgebung gebaut haben. Ein Igel läuft angeblich bis zu zwei Kilometer in der Nacht. Dann suchen sie sich andere Plätze und bauen sich ein Nest und dann sind sie weg.
??? Füttern Sie eigentlich zu oder reicht es, wenn die Mama die Brust gibt?
Manges: Kommt jetzt drauf an. Wenn sie größer sind und die Mama nichts dagegen hat, wenn man da hineingreift, dann würde ich schon zufüttern, wenn es sein muss, und wenn nicht, lasse ich die Igelfamilie ganz in Ruhe. Ich mache da ab und zu mal sauber, aber desto weniger man stört umso besser ist es. Auch Störungen können dazu führen, dass die Mama nicht mehr säugt. Aber meine fünf Kleinen werden natürlich von mir gefüttert.
??? Welche Fressfeinde haben Igel?
Manges: Fuchs, Dachs, Marder, Waschbären und auch Ratten, aber der schlimmste Feind ist der Mensch mit seinem Mähroboter und Motorsensen, die einfach in die Hecken reinschneiden ohne Nachzuschauen sowie der Straßenverkehr. Die Igel sterben oder kommen mit den schlimmsten Verletzungen in diese Pflegestationen. Es achtet heute keiner mehr auf unsere Natur. Den Rat, ein bisschen Futter und Wasser nach draußen zu stellen befolgen auch nur ganz wenige Menschen.
??? Sind Sie eigentlich rund um die Uhr für „Tier-Notrufe“ erreichbar? Geben Sie bitte einmal einen Tipp für unsere Leser, an wen man sich in einem Notfall wenden kann.
Manges: Das ist natürlich schwierig. Nachts habe ich selbst kaum noch jemanden. Ich persönlich kann natürlich Leute über WhatsApp erreichen, aber da frage ich dann vorher, ob ich die Telefonnummern weitergeben darf – möchte ja nicht jeder. Für Eichhörnchen mache ich auch die Erstversorgung, bringe sie aber so schnell wie es geht zur Jeanette Plehn-Mahler von der Privaten Wildtierhilfe nach Sandhausen (Tel. 01525/3929286). Sie hat nicht nur sehr viele Eichhörnchen, sondern auch Bilche, Siebenschläfer etc. Die Erstversorgung bei Fledermäusen bekomme ich auch noch hin und wenn ich bei den Igelfreunden Rhein-Pfalz Björn und Jan Wolfmüller anrufe, geben die mir auch Tipps für Igel. Der Maik Heublein kümmert sich nur um Greifvögel. Die Gemeinde, Polizei und Feuerwehr werden ja auch gerne kontaktiert, aber die drücken mir das auch immer wieder mal aufs Auge, indem sie mich um Rat und Hilfe bitten.
??? Sie machen das ja alles ehrenamtlich. Bekommen Sie von irgendwoher einen Zuschuss für das ganze Fressen, Medikamente und Unterbringung?
Manges: Nein, ich bekomme ab und zu Futter- und Materialspenden von den Igelfreunden Rhein-Pfalz oder auch einmal einen Obolus für meine hohen Tierarztrechnungen, welcher aus irgendwelchen Aktionen heraus für mich gedacht ist als kleines Dankeschön für meine Unterstützung. Wir arbeiten sehr viel zusammen. Ich bringe mal Igel hin und hole sie mal ab, so wie ein paar von denen hier, die von den Igelfreunden gebracht wurden. Man weiß, wenn ich Igelbabys habe kann man noch welche dazu bringen. Ich hatte einmal ein Igelbaby mit einem gebrochenen Vorderbein, das nicht laufen konnte. Da meinte der Tierarzt „vielleicht gibt sich das“. Das Füßchen stand ab und ich wollte es schienen, damit es wieder nach vorne guckt, aber ich alleine habe es nicht geschafft. Die Knochen sind ja mini dünn und tapen ging auch nicht. Jan Wolfmüller von der Igelhilfe Rhein-Pfalz kam und hat ihn mitgenommen. Der sah mit seinem Verband dann aus wie „Darth Vader“ und der läuft heute ganz normal. Dem Tierarzt zeigte ich auch die Röntgenbilder und dann wurde der Kleine auch noch untersucht. Der Arzt war total begeistert, wie die Wolfmüllers und die Igelfreunde das hinbekommen haben. Es gab sogar Leute, die wollten für den Igel im 3D-Drucker eine Schiene anfertigen. Also die Hilfsbereitschaft war schon toll.
??? Sie sagten, Eichhörnchen haben Sie auch schon gerettet?
Manges: Ja, wenn sie nachts oder am Wochenende gefunden werden ist ja kein Ansprechpartner da. Über Facebook wird dann nach Hilfe gesucht, dann melde ich mich zur Erstversorgung und dann bringe ich sie zur Jeanette. Die Eichhörnchen sind ja im Vergleich zum Igel sehr flink unterwegs und brauchen auch Artgenossen. Und die Jeanette hat ja genug in ihren Volieren und auch Ältere, damit die Kleinen von ihnen lernen können wie man zum Beispiel eine Nuss knackt.
??? Ich glaube, dass sich bei Ihnen trotz der vielen Arbeit, die Sie mit den Tierchen haben, ein wundervolles Gefühl von Gebrauchtwerden und Dankbarkeit breitmacht. Sind die Tiere nach Ihrer Obhut handzahm?
Manges: Nein, normalerweise bleiben sie Wildtiere. Ganz am Anfang mit meinen allerersten handaufgezogenen Igelbabys habe ich den Fehler gemacht und sie in meinem Garten ausgewildert und da habe ich einen einzigen, der „stalkt“ mich heute noch. Der kommt jeden Abend mittlerweile ins Wohnzimmer und läuft mir tagsüber im Garten hinterher. Die anderen sind Gottseidank wild geblieben. Man kann sie nicht handzahm machen; es sind und bleiben Wildtiere, die zurück in die Natur (nicht in den Wald) gehören. Nicht dass die mich als ihre Mama sehen. Greifvögel gebe ich grundsätzlich ab, Fahrdienste mache ich gerne.
Übrigens hat der weiße Maltesermischling Bobby immer ein wachsames Auge auf Igel und Eichhörnchen, ihm entgeht nichts. Von den insgesamt fünf Hunden bei Brigitte Manges hat jeder ein anderes Talent. Sollten Sie Brigitte Manges finanziell unter die Arme greifen wollen hat sie ein PayPal-Konto unter igel-liebe@web.de (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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