Panzerbau in Freisen: KNDS startet Patria-Produktion
- Die Produktion der Patria-Transportpanzer bei KNDS in Freisen im Saarland rückt näher (Archivbild)
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Freisen. Neue Industriearbeitsplätze und ein großer Bundeswehr-Auftrag rücken das Saarland stärker in den Fokus der Verteidigungsindustrie: Beim Rüstungsunternehmen KNDS in Freisen läuft der Betrieb für die Produktion von Patria-Transportpanzern an. Erste Fahrzeuge sollen bereits bis Ende dieses Jahres an die Bundeswehr ausgeliefert werden.
Die ersten Patria-Panzer kommen nach Angaben von KNDS Deutschland Maintenance noch aus finnischer Produktion. In Freisen werden sie mit speziellen Rüstsätzen der Bundeswehr ausgestattet und endmontiert, sagte Geschäftsführer Christoph Cords der Deutschen Presse-Agentur.
Fast 900 Fahrzeuge im ersten Schritt
Parallel baut KNDS in Freisen die komplette Serienfertigung auf. Die ersten Fahrzeuge, die vollständig am saarländischen Standort gebaut werden, sollen Ende kommenden Jahres ausgeliefert werden.
Zunächst geht es um fast 900 Transportpanzer im Gesamtwert von rund zwei Milliarden Euro. Rund 350 Fahrzeuge habe die Bundeswehr laut Cords fest bestellt. Weitere knapp 550 sollen folgen. Langfristig steht sogar eine Stückzahl von 2.500 bis 3.000 Fahrzeugen im Raum.
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte im vergangenen Jahr das finnische Rüstungsunternehmen Patria mit dem Bau des Transportpanzers beauftragt. Vor kurzem unterzeichneten Patria und KNDS Deutschland Maintenance einen Rahmenvertrag für den Bau der Radpanzer für die Bundeswehr.
KNDS investiert knapp 100 Millionen Euro
Für KNDS ist der Auftrag ein großer Schritt. Bisher kümmert sich das Unternehmen in Freisen vor allem darum, Militärfahrzeuge der Bundeswehr zu warten, zu reparieren und hochzurüsten. In den Hallen stehen unter anderem Schützenpanzer wie Puma, Leopard und Marder sowie Radfahrzeuge wie Boxer, Dingo, Fuchs und Fennek. Im vergangenen Jahr wurden dort 700 Fahrzeuge instandgesetzt.
Mit dem Patria entwickle sich KNDS „von einem Systeminstandsetzer zu einem Produktionsbetrieb für gepanzerte Radfahrzeuge“, sagte Cords. Neben der Serienproduktion kommt künftig auch regelmäßige Wartung hinzu. Die Radpanzer sollen alle zwei bis vier Jahre nach Freisen zurückkehren.
Dafür erweitert KNDS die Fläche am Standort. Noch in diesem Jahr ist der Spatenstich für zwei neue Hallen mit Stellplätzen geplant. Fertig sein sollen sie Anfang bis Mitte des übernächsten Jahres. Die Patria-Produktion zieht in eine bereits bestehende Halle ein. Insgesamt investiert KNDS in den kommenden Jahren knapp 100 Millionen Euro in Freisen.
Patria soll den Fuchs ersetzen
Der Patria soll den bisherigen Transportpanzer Fuchs ablösen. Erste Vorserienfahrzeuge, die die Bundeswehr Anfang des Jahres erhalten hat, werden bereits in Freisen nachgerüstet.
Das Fahrzeug soll zunächst in vier Varianten gebaut werden. Denkbar ist laut Cords auch, dass KNDS in Freisen künftig für andere Länder produziert. Grundlage ist das multinationale Common Armoured Vehicles System, kurz CAVS. An dem Programm sind sieben europäische Länder beteiligt.
Mehr Beschäftigte in Freisen
Der Auftrag wirkt sich bereits auf den Arbeitsmarkt aus. Am Standort Freisen gab es im vergangenen Jahr gut 600 Beschäftigte. Inzwischen sind es 785. Fast die Hälfte stammt aus dem angrenzenden Rheinland-Pfalz.
Bis Ende kommenden Jahres rechnet Cords mit 1.000 Mitarbeitenden. In vier Jahren könnten es mehr als 1.200 sein. Weitere fünf Jahre später hält er 2.000 bis 3.000 Beschäftigte für möglich, abhängig von den Planungen der Bundeswehr.
Cords sieht derzeit keine großen Probleme, Fachkräfte zu finden. Viele Beschäftigte seien aus der schwächelnden Auto- und Zulieferindustrie gewechselt, teils nach Jobverlusten. Genannt wurden frühere Beschäftigte von Bosch, ZF, Thyssenkrupp und Ford.
Auch Zulieferer werden gesucht
KNDS sucht zudem Unterlieferanten für die Serienproduktion im Saarland und bundesweit. Gebraucht werden nach Angaben des Unternehmens etwa Anbieter aus den Bereichen Hydraulik, Elektrik und Abgasrohre. „Je mehr wir qualifizieren können, desto mehr Wertschöpfung bleibt in Deutschland“, sagte Cords.
Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sieht in dem Auftrag eine Chance für den Strukturwandel. „Der Patria-Auftrag bedeutet einen großen Schub für KNDS und Hunderte neue gut bezahlte Arbeitsplätze im Saarland“, sagte die SPD-Politikerin. Die Verteidigungsindustrie könne dem Saarland helfen, unabhängiger von der Automobilindustrie zu werden. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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