Rechtsextremismus im Saarland: Straftaten auf Fünfjahreshoch
- Die frühere Landespolizeidirektorin Natalie Grandjean leitet seit einigen Monaten den Verfassungsschutz des Saarlandes.
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Saarland. Für die Menschen im Land rückt die Bedrohung durch Rechtsextremismus stärker in den Fokus: Die Zahl rechtsextremer Straftaten hat 2025 mit 491 Fällen einen Höchststand der vergangenen fünf Jahre erreicht. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht hervor, den Innenminister Reinhold Jost und Behördenleiterin Natalie Grandjean vorgestellt haben.
Die Zahl der erkannten und vermuteten Rechtsextremisten stieg binnen eines Jahres von rund 370 auf rund 410. Rund zehn Prozent von ihnen gelten als gewaltorientiert. Auch die Zahl der sogenannten Reichsbürger erhöhte sich von 280 auf 300.
Gewalttaten fast verdoppelt
Besonders deutlich stieg die Zahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten: Sie lag bei 32 Fällen, nach 17 im Vorjahr. Grandjean bezeichnete Rechtsextremismus weiterhin als größte Bedrohung für die freiheitliche demokratische Grundordnung.
Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes greifen Rechtsextreme aktuelle politische Themen auf, um sie für ihre Propaganda umzudeuten. Neben Asyl und Migration sei zunehmend Queerfeindlichkeit ein Schwerpunkt. Rechtsextremistische Online- und Jugendgruppen hätten zudem dazu beigetragen, dass die Szene bei Demonstrationen und im öffentlichen Raum sichtbarer geworden sei.
Ein besonderes Augenmerk legt die Behörde auf die AfD. Nach Angaben der Partei wuchs ihre Mitgliederzahl im Saarland von 405 im Jahr 2022 auf 1.500 bis Ende 2025.
Islamismus und Linksextremismus bleiben im Blick
Die Zahl der als Islamisten eingestuften Personen erhöhte sich von 430 auf rund 440. Islamistisch motivierte Straftaten stiegen von 18 auf 25. Wie im Vorjahr wurde eine Gewalttat gezählt. Die größte Gefahr im polizeilichen Sinne gehe laut Grandjean von Fällen aus, bei denen ein möglicher islamistischer Anschlag früh erkannt werden müsse.
Das Potenzial linksextremistischer Gruppen blieb mit rund 250 Personen stabil. Die Zahl der linksextremistisch motivierten Straftaten stieg jedoch von 25 auf 39. Darunter waren elf Gewalttaten, nach drei im Vorjahr.
Mehr Schutz vor Cyberangriffen
Auch Unternehmen und Privatpersonen im Saarland sind nach Angaben des Innenministeriums von Cyberangriffen betroffen. Konkrete Fallzahlen nannten Jost und Grandjean nicht. Wegen des Forschungsstandorts und von Unternehmen mit Rüstungsbezug werde der Austausch über das Informationsnetzwerk „Hybride Bedrohungen“ verstärkt.
Jost verwies zudem auf zunehmende Spionage, Sabotage und Desinformationskampagnen. Im Juli 2025 trat eine Novelle des Verfassungsschutzgesetzes in Kraft. Zudem wurde die Behörde um zehn auf rund 100 Stellen verstärkt, unter anderem für IT, Datenwissenschaft und Cybersicherheit. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |