Vor 80 Jahren am 24. März 1945
Kriegsende - Dudenhofener erinnern sich ...

Panzersperre am Woogbach Dudenhofen März 1945 | Foto: Zeichnung: E. Bettag / Bd. 1 vhgd / Repro: cke.
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  • Panzersperre am Woogbach Dudenhofen März 1945
  • Foto: Zeichnung: E. Bettag / Bd. 1 vhgd / Repro: cke.
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Vor 80 Jahren: Die Befreiung von Dudenhofen
Am 24. März 1945 markierte der Einmarsch der US-Soldaten auch in Dudenhofen das Ende eines dunklen Kapitels der Vergangenheit. Ein Spähtrupp drang aus dem Dudenhofener Wald von Norden her vor und erreichte die ersten Häuser, die bereits weiße Fahnen der Kapitulation gehisst hatten. Gegen 14.00 Uhr am Nachmittag wurde der Ort dann vollständig eingenommen.
   
Panzersperren, Brückensprengungen und Artilleriebeschuss
Pläne zur Verteidigung Dudenhofens, die der in der Morschmühle kurz zuvor noch einquartierte deutsche General seinen Soldaten befehligte, kamen nach dessen Abzug und insbesondere durch das gute Zureden der Mühlenbesitzer auf die dort noch verbliebenen Soldaten glücklicherweise nicht mehr zur Durchführung. Noch zwei Tage zuvor, am 22. März 1945, errichteten Volkssturmmänner - wider jeglicher Vernunft - drei Panzersperren aus dicken, bis zu acht Meter langen Stämmen, um den Ort zu verteidigen. Doch in der Nacht auf den 23. März wurden diese von beherzten und furchtlosen Dudenhofener Bürgern beseitigt, die mit dieser Aktion das Schlimmste verhindern wollten. Die Sperren wurden am darauffolgenden Morgen gegen 9.00 Uhr jedoch wieder geschlossen, nachdem ein wütender SS-Offizier mit Erschießungen und dem Abbrennen des Dorfes drohte. Deutsche Panzer gingen schließlich bei der Kirche, in der Speyerer Straße kurz vor der Abzweigung zum Boligweg und bei der Kapelle nach Berghausen noch in Stellung.
  
Auch in Dudenhofen sollte aufgrund des sogenannten "Nero-Befehls" von Adolf Hitler durch die Sprengung der Brücken der weitere amerikanische Vormarsch noch verhindert werden. Doch die Woogbachbrücke am nördlichen Ortsausgang wurde am Freitagnachmittag, 23. März nur unzulänglich zerstört; die Sprengung der Speyerbachbrücke südlich des Ortes Richtung Harthausen wurde hingegen ganz vereitelt: Mutige Dudenhofener Männer versteckten die dafür vorgesehenen Panzerminen und durch die List zweier Frauen – sie brachten die Wunderwaffe „Kilianerwein“ zum Einsatz – verschliefen die Soldaten ihren Sprengbefehl.
  
Die erfolgte Teilsprengung der Woogbachbrücke - das trichterförmige Kraterloch hatte einen Durchmesser von etwa 1,70 m - sowie der zaghafte Beschuss auf die alliierten Soldaten durch deutsche Truppen von der Morschmühle aus, führten zu heftigen Gegenreaktionen. Infolge des Artilleriebeschusses kamen zwei männliche Einwohner ums Leben. Eine Frau erlitt schwere Verletzungen und verlor ein Bein. In der Berghauser Straße wurde ein 15-jähriger Junge von drei Granaten so schwer getroffen, dass er wochenlang im Speyerer Spital um sein Leben kämpfte. Etliche Granaten schlugen an diesen beiden Tagen in Wohnhäusern, in der Kirche und am Schul- und Gemeindehaus ein und richteten große Schäden an. Es ist nicht auszuschließen, dass die verschiedenen Aktivitäten im Dorf, die den amerikanischen Truppen den Weg ebneten sollten, der Luftaufklärung nicht verborgen blieben und so einen noch stärkeren Beschuss Dudenhofens oder schwere Kampfhandlungen verhindert haben, was schließlich eine mehr oder minder geordnete Übergabe des Ortes ermöglichte.
 
Französische Militärregierung
Wenige Tage nach dem Einmarsch der Amerikaner übernahmen französische Besatzungstruppen die Verwaltung des Ortes. Die von der Militärregierung beschlagnahmte Firmenvilla Walter diente sogar als Wohnsitz des kommandierenden Generals von Speyer. Die Beziehungen zwischen den französischen Soldaten und der einheimischen Bevölkerung waren jedoch angespannt, da es zu Diebstählen, Plünderungen und Beschlagnahmen kam. Razzien nach ehemaligen NSDAP-Mitgliedern, mehrere Verhaftungen und die tragische Erschießung einer 72jährigen Frau in der St.-Klara-Straße während einer Ausganssperre markieren mitunter die Höhepunkte der bestehenden Konflikte in jenen Tagen.
 
Umbruch und Schicksal der „Rückgeführten“
In Dudenhofen endete der Krieg am 24. März 1945, doch für viele Menschen begann an diesem Tag zugleich auch ein anderes Kapitel in der Nachkriegsgeschichte - gar eine Odyssee, die neue Ungewissheiten mit sich brachte. Gestrandete, Vertriebene, Fremd- und Zwangsarbeiter, die in der Landwirtschaft, in Privathaushalten oder im Rüstungsbetrieb der Firma Walter seit 1942 eingesetzt waren, wurden nun zu "displaced Persons", also Personen, die nicht an diesem Ort beheimatet waren. Sie sehnten sich entweder nach ihrer alten Heimat oder wollten sich eine neue Heimat aufbauen. Berichten zufolge hielten sich in Dudenhofen zu jeder Zeit weit über 500 Personen auf, die in der Turnhalle oder dem dort angrenzenden Barackenlager, dem Mädchen- und Knabenschulhaus, dem Schwesterhaus und in Privathaushalten untergebracht und verpflegt wurden. Sie warteten auf ihre Rückführung und einen Neuanfang. Einige von ihnen blieben dauerhaft im Ort, während das Schicksal vieler anderer im Unklaren blieb und sich ihr weiterer Lebensweg verlor.
 
Erinnern und Gedenken
Heute erinnern in Dudenhofen mehrere Mahn- und Ehrenmale an die damalige Zeit:
- das 1964 neu gestaltete Ehrenmal für die in den Weltkriegen gefallenen Soldaten auf dem Ortsfriedhof,
- eine Gedenktafel für die Toten und Vermissten, die 1967 in der Pfarrkirche St. Gangolf angebracht wurde,
- zwei Gedenksteine der Heimatvertriebenen, Flüchtlingen und Spätaussiedler von 1951 (Friedhofskapelle), bzw. 1964 (Radrennbahn/Müller-Guttenbrunn-Straße), und
- das Mahnmal des Friedens, das 1999 insbesondere der deutsch-französischen / deutsch-polnischen Aussöhnung und dem friedlichen Zusammenleben aller Völker in Europa gewidmet ist und vom VdK-Ortsverband an der Woogbachbrücke errichtet wurde - genau dort, wo vor 80 Jahren am 23. März 1945 die amerikanischen Soldaten in den Ort einmarschierten.
  
Diskutiert wird derzeit, ob es im Rahmen eines im Jahre 2024 initiierten Aufarbeitungsprozesses künftig auch eine sichtbare Erinnerung an die während des Krieges in Dudenhofen über mehrere Jahre eingesetzten osteuropäischen Zwangsarbeiter*innen geben wird.
 
Info:
Das Buch „Kriegsende 1945 - Dudenhofener erinnern sich …“, das bereits 1995 vom Verein für Heimatgeschichte und -kultur e.V. herausgegeben wurde, bietet umfassende Einblicke in die Ereignisse jener Zeit und präsentiert zugleich eine bewegende Sammlung von Erinnerungen von 50 Zeitzeugen über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Dudenhofen. Die Erzählungen sind ergänzt durch Dokumente aus dem Pfarrgedenkbuch und andere historische Aufzeichnungen, was eine äußerst umfassende Sicht auf die damaligen Ereignisse bietet.
    
Das Buch ist leider vergriffen, ist jedoch in der ortsgeschichtlichen Präsenzbibliothek des Vereins in der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Dudenhofen für eine Einsichtnahme verfügbar.

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Autor:

Clemens Keller aus Römerberg-Dudenhofen

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