Peter Ziepser aus Imsweiler erzählt, wie wichtig der „Air Rescue Pfalz“ ist
Knapp 60 Einsätze in 21 Tagen

Das Team der Johanniter Luftrettung setzt sich aus einem Piloten, einem Arzt und einem Flugretter zusammen. Der Helikopter selbst ist mit allem Equipment zur Notfallversorgung ausgestattet.   | Foto: ps
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  • Das Team der Johanniter Luftrettung setzt sich aus einem Piloten, einem Arzt und einem Flugretter zusammen. Der Helikopter selbst ist mit allem Equipment zur Notfallversorgung ausgestattet.
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Imsweiler/Sembach. Seit knapp drei Wochen fliegt der in Sembach stationierte Rettungshelikopter „Air Rescue Pfalz“ der Johanniter. Seitdem sind viele Diskussionen um den Einsatz des Helis ausgebrochen. Peter Ziepser ist Bürgermeister in Imsweiler und Flugretter im „Air Rescue Pfalz“. Ihn beschäftigen die vielen Diskussionen Tag und Nacht.

Claudia Bardon: Herr Ziepser, es ist ein heiß diskutiertes Thema der letzten Wochen, was den Rettungshelikopter der Johanniter betrifft. Wie kam es überhaupt dazu einen solchen Helikopter im Kreis zu stationieren?
Peter Ziepser: „Aufgrund meiner sehr langen und beruflichen Zugehörigkeit beim Rettungsdienst konnte ich in all den Jahren feststellen, dass speziell in manchen Gebieten - wie hier im Donnersbergkreis oder im Landkreis Kusel - lange Anfahrtswege für die Rettungsdienste selbst bestehen.
Bevor die Rettungswagen in Alsenz und Winnweiler zur Verfügung standen, habe ich relativ oft und auch mit viel Wehmut darauf bestanden, den Rettungsdienst im westlichen Donnersbergkreis, Rockenhausen bis Alsenz/Obermoschel, auszubauen.
Mit einem Patienten nach Kaiserslautern oder Mainz zu fahren, hat einfach zu viel Zeit gekostet. Deshalb habe ich oft darüber berichtet, dass die Luftrettung in unserem Gebiet ausgebaut werden muss.
Ich habe die Ausbildung der Luftrettung, war im Bereich Ludwigshafen eingesetzt und habe dort festgestellt, wie sich die Luftwege verhalten: lange Anflugwege in den Pfälzerwald und Landkreis Kusel. Ich habe nach einigen Jahren viele Mitstreiter gefunden, die das Gleiche erleben, dass Patienten einfach zu lange unterwegs sind. Dadurch hat sich dann unsere Bürgerinitiative gegründet. Nach der Weltmeisterschaft haben wir uns gefunden, getroffen und sind unseren Plänen nachgegangen.“

Claudia Bardon: Welche Pläne sind das?
Peter Ziepser: „Man muss eine Verbesserung in der Notfallversorgung herbeiführen, da überall immer mehr Zentren ihre Notarztstandorte abmelden. Ich habe über all die Jahre gekämpft, um das zu verbessern. Es sind mehrere Standorte, wie Meisenheim, Kusel oder Kirchheimbolanden, an mehreren Tagen nicht mit einem Notarzt besetzt. Das heißt, dass kein Arzt zu Verfügung steht. Entweder man fliegt ihn ein oder er kommt von Nachbarbereichen. Das heißt, dass die Notärzte für ihre Bereiche nicht mehr vorhanden sind. Das Gleiche gilt für die Krankenwagen, ist er woanders im Einsatz, wird der nächstgelegene angefordert. Das ist ein Spießrutenlauf.
So ist das auch bei den Hubschraubern. Rufe ich einen aus Ludwigshafen hierher in die Westpfalz, dann steht er in der Süd- und Vorderpfalz nicht zur Verfügung. Fällt dort zum gleichen Zeitpunkt etwas an, muss ein anderer Heli einspringen, der weiter weg ist. Das sind alles Dinge, die man berücksichtigen muss, da dann auch die Anflugwege weiter und vor allem auch teurer sind, Das ist auch der Punkt, für den ich immer wieder plädiert habe, dass die Kassen durchrechnen müssen, was auf die Jahre günstiger ist. Ob ich einen Helikopter von weither anfliegen lasse oder ob ich einen in Kaiserslautern positioniere, der kürzere Anflugwege hat und der vor allem für Patienten schneller verfügbar ist und somit auch die Kosten reduziert. “

Claudia Bardon: Gibt es Erfahrungswerte?
Peter Ziepser: „Ich musste schon öfter einen Rettungshubschauer anfordern und habe festgestellt, dass das Wetter im Bereich Donnersberg oder der Westpfalz gut ist. Hubschrauber aus der Rheinebene konnten dieses Gebiet oft aufgrund der Wetterlagen an ihrem Standort nicht anfliegen. Auf einer Strecke von 50 Kilometern Luftlinie können unterschiedliche Wetterlagen auftreten. Ich habe das immer wieder angesprochen: Wir brauchen hier einen Hubschrauber, der nicht wetterabhängig ist und regional steht sowie im Umkreis von zehn bis 20 Kilometern fliegen kann. Man kennt das Gebiet und auch das Wetter. Regional ist es immer anders als überregional.
Tatsache ist, dass Krankenhäuser manchmal an ihre Kapazitätsgrenzen kommen und man den Patienten weitertransportieren muss. Dann muss es schnell gehen, da kann ich nicht noch zehn oder 15 Minuten warten bis der nächste Helikopter kommt. Ein Hubschrauber sollte nicht länger als acht Minuten zum Anflug benötigen und das ist genau die Distanz, die wir mit unserem Heli haben, um das komplette Gebiet Donnersbergkreis und Westpfalz abzudecken.“

Claudia Bardon: Was spricht für den „Air Rescue Pfalz“ im Speziellen? Was hat er, was die anderen Helikopter nicht haben?
Peter Ziepser: „Er ist klar im Vorteil, schnell einen Arzt einzufliegen, wenn das notarztbesetzte Rettungsmittel am Boden nicht verfügbar ist. Ich halte bei schweren Traumata oder Herzinfarkten sowie Schlaganfall-Patienten das Rettungsmittel sobald der Hubschrauber dazu kommt wieder frei für den nächsten Notfall, wenn der Rettungswagen den Patienten zum Hubschrauberlandeplatz transportiert hat und somit wieder für den nächsten Einsatz frei ist.
Das ist auch ein Aspekt, den ich immer wieder kritisiert habe, wenn ich den Rettungswagen aus Rockenhausen abziehe, der über zwei Stunden gebunden ist einen Patienten von Alsenz/Obermoschel oder dem Appeltal zu versorgen und mit dem Patienten dann nach Bad Kreuznach zu fahren. Das dauerte teilweise bis zu 45 Minuten. Mit unserer zusätzlichen Luftrettung würde der Rettungswagen verfügbar bleiben, wenn wir in der Luft einen Transport übernehmen. Mit kurzen Anflugwegen kommt der Patient schneller zu der Klinik, die er braucht.“

Claudia Bardon: Wie viele Einsätze wurden in den letzten drei Wochen geflogen? Wie groß ist der Bedarf?
Peter Ziepser: „Seit 22. Oktober sind wir in 21 Tagen 56 Einsätze geflogen und das ist sehr viel. Es zeigt deutlich, dass der Heli gebraucht wird und ich verstehe nicht, dass man dann noch eine Bedarfsanalyse machen will. Das ist das große Thema, das mich verärgert. Damals sagte man schon, alles sei gut, man brauche keinen Heli, es seien genügend Rettungsmittel vorhanden, ausreichend Hubschrauberstandorte vorhanden. Dann werden plötzlich drei Rettungswachen in der Westpfalz errichtet, um die Notfallsituation zu verbessern und auf dem Nürburgring ein Rettungshubschrauber stationiert, der täglich bis zu fünf Einsätze fliegt und auch einer bei uns, der ebenso viel fliegt. Da frage ich mich, wo letztendlich das nichtgebrauchte Rettungsmittel ist? Es wird gebraucht und dafür habe ich gekämpft.
Der Bürger in der ländlichen Fläche verdient einen schnellen und sicheren Transport in eine Klinik, egal ob am Boden oder in der Luft. Und diese Situation ist verbessert worden in den letzten Jahren. Wenn der Flieger hier in Sembach stationiert bleibt oder sogar nach Imsweiler verlegt wird, dann ist die Notfallversorgung auch hier vollendet, verbessert und optimiert. Darauf kann das Ministerium stolz sein, wenn sie es ermöglichen.“

Claudia Bardon: Was hat der „Air Rescue Pfalz“, was andere Helikopter nicht haben?
Peter Ziepser: „Ich muss einen Patienten während eines Fluges behandeln können, egal ob dieser schwergewichtig ist oder nicht. Ich muss eine Reanimation durchführen sowie einen Inkubationstransport leisten können. Ebenfalls muss ich eine Maschine, die ein ausfallendes Herz ersetzen kann, transportieren können. Das alles geht nur in großen Maschinen, wie sie die Johanniter haben. Die Maschinen in Saarbrücken, Wittlich, Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen können diese Leistung nicht stemmen. Lediglich der Mainzer Helikopter wäre dazu in der Lage, wird aber in seinem Einsatzgebiet sehr oft selbst eingesetzt.“

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C B aus Wochenblatt Kirchheimbolanden

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