Zweibrücken: So helfen Beratungsstellen Geflüchteten beim Neustart
- Beratungsstellen unterstützen Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte in Zweibrücken.
- Foto: Caritas-Zentrum Pirmasens - Björn Heinrich
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Zweibrücken. Seit zehn Jahren helfen Beratungsstellen in Zweibrücken Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte bei ganz konkreten Fragen. Das Angebot reicht von Asylverfahren und Sprache bis zu Schule, Ausbildung, Arbeit, Wohnen und dem Ankommen im Alltag. Das Deutsche Rote Kreuz richtete vor zehn Jahren auf dem Flughafen Zweibrücken eine Notunterkunft ein. Nach deren Auflösung eröffnete das DRK im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ein Beratungsbüro in der Schwalbenstraße, das bis vor drei Jahren bestand. Als der Krieg in der Ukraine begann, organisierte das DRK gemeinsam mit der GeWoBau innerhalb von zwei Tagen eine Notunterkunft in der Canada-Siedlung. Dort versorgte das DRK insgesamt 140 Menschen und unterstützte sie anschließend bei der Suche nach eigenen Wohnungen. Mit Partnern vor Ort organisierte das DRK außerdem Sprachkurse.
Beratung begleitet Menschen über längere Zeit
Heute konzentriert sich das DRK auch auf unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Die Jugendlichen erhalten feste Ansprechpartner. Das DRK unterstützt sie bei der Suche nach Schulen und Ausbildungsplätzen und hilft ihnen auf dem Weg in ein selbstständiges Leben. Die bislang betreuten jungen Menschen fanden Plätze in Schulen und Ausbildungsbetrieben. Die Caritas berät Menschen mit Migrationsgeschichte zu Bildung, Beruf, Sprache und Behördenangelegenheiten. Der Fachbereich Migration und Integration des Caritas-Zentrums Pirmasens, Zweibrücken und Landkreis Südwestpfalz vermittelt Ratsuchende bei Bedarf an weitere Fachstellen. „Was unsere Arbeit besonders macht, ist die Nähe zu den Menschen“, sagt Björn Heinrich, Leiter des Caritas-Zentrums Pirmasens.
Mit der mobilen Migrationsberatung in Waldfischbach-Burgalben und Dahn erreicht die Caritas auch Menschen im ländlichen Raum. Ein Beispiel für die Entwicklungsmöglichkeiten durch Beratung ist Rahim Sarchashmayee. Der 44-Jährige kam aus Afghanistan nach Deutschland, nahm zunächst selbst Beratung bei der Caritas in Anspruch und arbeitet heute als Migrationsberater. Auch die Vernetzung gehört zur Arbeit der Caritas. Im Netzwerk Migration & Integration tauschen sich Kommunen, Behörden, Schulen, Ehrenamtliche und Fachstellen regelmäßig aus. So klären sie Zuständigkeiten und vermitteln Ratsuchende möglichst direkt an die passende Stelle. Der Migrationsfachdienst der Diakonie im Haus der Diakonie in der Wallstraße berät vor allem Menschen im Asylverfahren. Sozialarbeiter Stefan Karn erklärt Rechte und Pflichten, hilft bei Behördenentscheidungen und begleitet die nächsten Schritte. Bei einer Bleibeperspektive unterstützt der Dienst den Zugang zu Sprache, Bildung und Arbeit. Auch bei einer freiwilligen Rückkehr hilft die Diakonie.
Jugendmigrationsdienst hilft bei Schule und Ausbildung
Der Jugendmigrationsdienst Pirmasens in Trägerschaft der IB Südwest gGmbH richtet sich an junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren. In Pirmasens, Zweibrücken und dem Landkreis Südwestpfalz hilft der Dienst bei Fragen zu Schule, Ausbildung, Beruf und gesellschaftlicher Teilhabe. Zum Angebot gehören sozialpädagogische Beratung und ein längerfristiges Case Management. Der Jugendmigrationsdienst entwickelt gemeinsam mit den Jugendlichen Ziele und Integrationsförderpläne. Außerdem hilft er bei Behördenangelegenheiten, der Wohnungssuche und familiären Problemen.
Sprach- und Kommunikationstrainings bilden einen weiteren Schwerpunkt. Die Jugendlichen üben Deutsch in Gesprächen, beim gemeinsamen Lernen und bei Spielen. Workshops und Bewerbungstrainings ergänzen das Angebot. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration, aber genauso wichtig sind Vertrauen, Perspektiven und soziale Zugehörigkeit“, betont das Team. Die Beratungsstellen stehen weiterhin vor großen Aufgaben. Fehlender Wohnraum, der Zugang zu Ausbildung und Arbeit, der Fachkräftemangel sowie psychische Belastungen durch Krieg und Flucht prägen ihre Arbeit. Die Dienste helfen bei konkreten Problemen, vermitteln an andere Stellen und begleiten Menschen dabei, ihre eigenen Möglichkeiten zu nutzen. Viele Menschen lernten in den vergangenen zehn Jahren Deutsch, holten Schulabschlüsse nach, fanden Ausbildungsplätze und Arbeit oder übernahmen später selbst Aufgaben in der Beratung. Die beteiligten Dienste wollen Menschen ihren Weg nicht abnehmen. Sie geben ihnen Unterstützung, Orientierung und Chancen, damit sie diesen Weg selbst gehen können. red/est
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |