Von maßgeschneiderten Maschinen bis zur winterfesten Weltneuheit: Südpfalzwerkstatt-Mitarbeiter in den Werken Offenbach 1 und Offenbach 2 präsentieren ihren Arbeitsalltag.
Hunderte schnuppern begeistert Werkstattluft

Ungewohntes Terrain: Bei seinem Rundgang mit Geschäftsführerin Marina Hoffmann und dem Lebenshilfe-Vorsitzenden Georg Rothöhler versucht sich Offenbachs Verbandsbürgermeister Axel Wassyl in der Scheibenreiniger-Montage.
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  • Ungewohntes Terrain: Bei seinem Rundgang mit Geschäftsführerin Marina Hoffmann und dem Lebenshilfe-Vorsitzenden Georg Rothöhler versucht sich Offenbachs Verbandsbürgermeister Axel Wassyl in der Scheibenreiniger-Montage.
  • Foto: Dennis Christmann/Lebenshilfe Südliche Weinstraße
  • hochgeladen von Dennis Christmann

Schwamm. Gummilippe. Haltewinkel. Grüner Knopf. Stabschrauber. Achtung: Lichtschranke! Axel Wassyl muss sich konzentrieren. An diesem Vormittag ist der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Offenbach einer der ersten Besucher beim Tag der offenen Tür der Südpfalzwerkstatt in den Werken Offenbach 1 und Offenbach 2. Ein paar Sekunden und Handgriffe später glättet sich Wassyls Stirn. Stolz hält er seinen selbstmontierten Scheibenreiniger in Händen. „Zu dieser Jahreszeit kann ich den besonders gut gebrauchen“, sagt der Verbandsbürgermeister. „Es ist faszinierend, zu sehen, welche anspruchsvollen Arbeiten hier ausgeführt werden. Die Menschen hier können sehr stolz sein.“ Marc Odenbach lächelt zufrieden. Für den Mitarbeiter mit Behinderung ist die Scheibenreiniger-Montage längst Routine.

Nach und nach füllen sich die Gänge in den beiden Werken. Vanessa Vögeli führt ihre Eltern freudestrahlend durch das Werk 1, wo sie arbeitet. Am Ende des Rundgangs präsentiert sie ihnen an den Ständen des Vertriebs, was alles in der Südpfalzwerkstatt entsteht – von hochwertigem Autozubehör über Bewegungsbausteine bis hin zu Kleinteilemagazinen. „Unsere Mitarbeiter mit Behinderung identifizieren sich sehr stark mit der Südpfalzwerkstatt“, erläutert Martin Heger, Geschäftsbereichsleitung Arbeit. „Sie wollen wissen, wo und wie das Produkt ihrer Arbeit genutzt wird.“

Ein paar Meter weiter in der Sägerei schauen Schüler der Außenstelle der Paul-Moor-Schule den Mitarbeitern über die Schulter. Vielleicht werden einige von ihnen schon bald zu Kollegen. Die 16 bis 18 Jahre alten Jugendlichen beginnen im Februar ein Praktikum in der Südpfalzwerkstatt, wie eine Lehrerin verrät. Im Sommer werden viele hier im Berufsbildungsbereich anfangen. Andere Besucher informieren sich über das Thema Inklusion, über die Arbeit des Werkstattrates und der Frauenbeauftragten, über den Berufsbildungs- und Arbeitsförderbereich für Menschen mit Behinderung. Manche von ihnen suchen nach einer attraktiven Ausbildungsstelle, denken über ein Freiwilliges Soziales Jahr nach oder möchten sich beruflich neu orientieren.

Auch etliche Anwohner, sind der Einladung unter dem Motto „Südpfalzwerkstatt live“ gefolgt, zu der ebenfalls ein Shuttle-Service zum werkstatteigenen Logistikzentrum gehört. Viele zeigen sich überwältigt – von der schieren Größe der Werkstatt, aber auch von dem, was hier geschieht. „1986 war ich schon einmal hier. Seitdem haben sich die Räumlichkeiten stark verändert“, berichtet ein früherer Geschäftsmann, der ganz in der Nähe wohnt. „Es ist beeindruckend, was hier für Menschen mit Behinderung geleistet wird und was die Menschen mit Behinderung selbst zu leisten imstande sind.“ Im Raum, in dem sich unter anderem die Lebenshilfe-Zeitschrift „im Fokus“ präsentiert, bleiben der ältere Herr und seine Frau vor einer an die Wand projizierten Übersicht der Angebote der Lebenshilfe Südliche Weinstraße stehen. „Das alles gehört dazu?“ Die Dame staunt, als sie erfährt, dass das neben den beiden Werken, die sie gerade besichtigt hat, nicht nur für die Werke Offenbach 3, Herxheim und Wörth gilt, sondern genauso für ein breites Spektrum an differenzierten Einrichtungen und Angeboten – vom Inklusionshotel Kurpfalz bis zum CAP-Markt, vom Autismuszentrum Südpfalz über Inklusionskindergärten und den Familienentlastenden Dienst bis zum Therapeutischen Reiten und von unterschiedlichen stationären und ambulant betreuten Wohnformen bis zur Tagesbetreuung.

Doch nicht nur vielfältige Informationen gibt es an diesem Tag: An einer Reihe von Mitmach-Stationen können die Gäste die jeweiligen Tätigkeiten selbst ausprobieren. Norbert Schwehm beispielsweise nutzt die Gelegenheit, einen 2K-Eisschaber zu bedrucken. Mehr als zehn Millionen Mal ist das Produkt der erfolgreichen Eigenmarke max4car schon verkauft worden. Das Exemplar, das Schwehm an diesem Tag mit nach Hause nehmen wird, ist gleichwohl ein Unikat. „Es ist sagenhaft, was unter diesem Dach geleistet wird“, schwärmt der Besucher. Begeistert hat ihn vor allem der Vorrichtungsbau in der Betriebswerkstatt oder – wie Schwehm sie nennt – Erfinderwerkstatt. Jürgen Doll und sein Team haben allerhand zu tun, um über den Tag hinweg mehreren hundert Menschen zu zeigen, mit welchen maßgeschneiderten Hilfsmitteln sie den Mitarbeitern mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben erleichtern. Eine Etikettiermaschine für den 2K-Eisschaber ist nur eine davon. Auch die komplexen Vorrichtungen für die eingangs erwähnte Scheibenreiniger-Montage sind hier entstanden – einschließlich Lichtschranke und Sensoren. „Dafür brauchen wir absolute Profis“, unterstreicht Doll.

Als Helmut Heller das Foyer betritt, strahlen ihm bereits viele bekannte Gesichter entgegen. Der frühere Geschäftsführer der Südpfalzwerkstatt hat es sich nicht nehmen lassen, an diesem Tag dabei zu sein. Begleitet von seiner Nachfolgerin Marina Hoffmann und dem Lebenshilfe-Vorsitzenden Georg Rothöhler, verschafft er sich unter anderem einen Eindruck von einer patentierten Weltneuheit aus der Südpfalzwerkstatt: dem Ice-Breaker, der bei niedrigsten Temperaturen selbst dicken Eisschichten trotzt und gleichzeitig die Windschutzscheibe schont. Beim anschließenden Rundgang fertigt Helmut Heller einen 2K-Eisschaber. Auch Landrat Dietmar Seefeldt ist nach dem Einsatz an dieser Mitmach-Station für den Winter gewappnet.

„Es freut mich, dass heute so viele Menschen nach Offenbach gekommen sind. Das ist ein besonderes Zeichen der Wertschätzung für unsere Mitarbeiter mit Behinderung, die mit großer Leidenschaft Großartiges leisten“, betont Geschäftsführerin Marina Hoffmann. „Von Herzen bedanken möchte ich mich aber auch bei allen Mitarbeitern. Veranstaltungen wie die heutige und eine erfolgreiche Arbeit sind nur möglich mit einem kompetenten und hochmotivierten Team.“

Autor:

Dennis Christmann aus Offenbach

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