Interessantes von und mit Volker Schläfer
Krieg verhindert Notariatsübernahme in Mutterstadt

  • Foto: Gemeindeverwaltung Mutterstadt / Michael Hemberger
  • hochgeladen von Michael Hemberger

Vor einigen Wochen erhielt das Gemeindearchiv Mutterstadt Unterlagen aus dem Nachlass des Notars Max Königer (1910 – 1945), der 1942 zum Notar in Mutterstadt ernannt wurde, diese Stelle aber wegen der Kriegsereignisse nicht antreten konnte.

Nach Auswertung der Briefe und Dokumente zeigt sich wieder mal deutlich, wie sehr der 2. Weltkrieg Lebensläufe und Berufswünsche brutal zerstört hat und Zukunftspläne, hier der Familie Königer, zu Nichte machte.

Der seinerzeit in Dachau tätige Notariatsassessor Max Königer war seit Dezember 1939 Soldat und im Frankreich-Feldzug in Versailles in der Telefonzentrale eingesetzt, wo ihm im Oktober 1942 mitgeteilt wurde, dass er zum Notar in Mutterstadt ernannt worden sei. Als Königer, ein Freund der Sprache und der Literatur Frankreichs, 1943 über seine Telefonzentrale Kenntnis von einer geplanten Verhaftungsaktion der Gestapo erfuhr, warnte er eine Frau und ein Mann, die er kannte und von denen er wusste, dass sie der damaligen Résistanc-Gruppe angehörten. Die beiden überlebten den Krieg. Max Königer kam, nach einem weiteren Einsatz an der Ostfront und dann wieder in der Normandie, bei Kriegsende in ein Lager in Württemberg, wo er an Unterernährung und Typus im Juni 1945 starb. Aus dem erhaltenen Briefwechsel Königers mit seiner Frau Lieselotte über seine Bestellung, die Erwartungen an das neue Amt, die damit verbundenen Arbeiten und anfallenden Kosten, sind einige doch recht interessante Details zu der Notariatsstelle Mutterstadt zu lesen.

So schreibt der bayerische Notar u.a.
„ … Die Bewerbung um Mutterstadt liegt ja schon so weit zurück, dass ich gleich gar nicht mehr wusste, wo das Nest liegt. … „. „...Aber ich glaube, dass es finanziell eines der besten ist, um die ich mich beworben habe. Ein Pfälzer Kamerad erzählt mir eben, dass es nahe Ludwigshafen liegt, mit guten Verkehrsverhältnissen, und als Vorort anzusehen ist.…“. „...Amt und Wohnung sind in einem Neubau. Hausbesitzer ist der Kreiswohnungsverband. Das Haus ist ein Einfamilienhaus mit kleinem Garten, das nach den Angaben des früheren Notars gebaut wurde...“. (Anmerkung des Verfassers: Das Haus in der damaligen Adolf-Hitler Str. 3, heute Friedrich-Ebert-Str., wurde, zusammen mit dem gegenüberliegenden Haus, in dem die Gendarmeriestation untergebracht war, vom damaligen Bezirkswohnungsverband -heute Kreiswohnungsverband-, Mitte der 1920er-Jahre gebaut und bis 1972 als Notariatsgebäude genutzt). Weiter schreibt er „… Soweit ich weiß, war das Einkommen von Mutterstadt sehr gut. Wie mir erzählt wird, soll der Ort recht ordentlich sein, vor allem ganz nahe der Weinstraße (Dürkheim, Deidesheim)…“ „...Für die Nachkriegszeit ergeben sich ja allerhand Aussichten…“. Nach Aufstellung der Notarkasse München beliefen sich die Einkommen der Notarstelle Mutterstadt u.a. im Jahr 1937 auf 15.354 Reichsmark (RM), 1939 auf 17.554 RM und 1941 auf 17.399 RM. In der Chronologie der Amtsinhaber in Mutterstadt in der Festschrift „200 Jahre Notarkammer Pfalz“ von 2003 ist Notar Max Königer nicht aufgeführt.

Das eigenständige Notariat Mutterstadt wurde von 1941 bis 1962 von Ludwigshafen aus versorgt. Bemerkenswert, dass die beiden ehemaligen Résistance-Mitglieder ihren „Retter“ nicht vergessen hatten und so wurde die Witwe von Max Königer später, stellvertretend für ihren Mann, nach Versailles eingeladen und erhielt dort posthum für ihn eine goldene Stadt-Medaille.

Text: Volker Schläfer
Quellen: Gemeindearchiv und Unterlagen der Familie Königer

Autor:

Michael Hemberger aus Mutterstadt

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