Neues von Mutterstadter Vereinen
Gesangverein „Liederkranz Mutterstadt“ - erste Vereinsgründung nach 1945

Foto: Volker Schläfer
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Ein Brief der französischen Militärregierung vom 05. Februar 1946 an „Monsieur Emil Weber, Mutterstadt“, mit Durchschlag an „de M. Le Maire de Mutterstadt“ ist sozusagen die Geburtsstunde des Mutterstadter Gesangvereins „Liederkranz“ vor jetzt 80 Jahren. Der Brief beginnt mit dem Satz „Je vous informe que j`autorise définitivement votre association chorale „Liederkranz“ Mutterstadt à
reprende son activité“ – übersetzt „Ich benachrichtige Sie, daß ich Ihrer Chorvereinigung „Liederkranz“ Mutterstadt genehmige, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen“.
Dieses ortsgeschichtliche Datum nahm Orts-Chronist Volker Schläfer jetzt zum Anlass, im Gemeindearchiv und im Vereinsarchiv die vorhandenen Unterlagen zu sichten. Mit dem Gesangverein „Liederkranz“ fand 1946 der frühere Arbeitergesangverein einen Nachfolgeverein, mit neuem Namen, aber mit dem gleichen Ziel, nämlich der Pflege eines der ältesten Kulturgüter der Menschen, der Pflege des Gesangs.
Rückblick: Ende des 19. Jahrhunderts engagierten sich Arbeiter, einfache Angestellte und Klein-Handwerker auch in Mutterstadt nicht nur politisch, sondern auch in Freizeit-, Sport- und Kulturaktivitäten. So wurde 1898 auch hier ein Arbeiter-Gesangverein gegründet. Nach dem 1. Weltkrieg schlossen sich diese Vereine zum „Kartell der Freien Arbeitervereine Mutterstadt“ zusammen; Vorsitzender dieses Ortskartells war zuletzt Emil Weber. 1924 stellte das Ortskartell an der Turnhallenstraße, auf dem heutigen Messplatz, eine hölzerne Halle auf, in der u.a. auch Konzerte des Gesangvereins stattfanden. 1933 kam dann das Aus für alle sogenannten „marxistischen Vereinigungen“; sie wurden von den Nazis verboten, aufgelöst und das Vereinsvermögen eingezogen.
Nach Kriegsende trafen sich im Januar 1946 einige Mutterstadter Sänger aus drei Vereinen, um über die Gründung eines gemeinsamen Gesangvereins zu beraten. Nachdem dieser Plan keine Zustimmung fand, beantragten fünf Sänger des ehemaligen Arbeitergesangvereins bei der französischen Militärregierung die Genehmigung für einen neuen Gesangverein.
Am 31. März 1946 war es dann soweit: Im Gasthaus „Zum Ochsen“ gründeten zwanzig Sangesfreunde den Männergesangverein „Liederkranz“; zum Vorsitzenden wurde Emil Weber gewählt, der auch der letzte Vorsitzende des früheren Arbeitergesangvereins gewesen war. Den Dirigentenstab übernahm Oswald Kaiser. Beide konnten dann am 02. November zur ersten Singstunde 28 Sänger begrüßen und ihr erstes gemeinsames Lied war „Verlassen, verlassen, verlassen bin ich“.
Am 18. April 1948 richtete der „Liederkranz“ sein erstes Konzert aus, dem in der Folgezeit noch viele folgen sollten. 1950 genehmigte das Forstamt Speyer dem Verein die Abhaltung seines ersten Waldfestes, das am 4. Juni stattfand und im Mai 1952 erfolgte dann die Fahnenweihe mit einem Festumzug durch den Ort. Die „Liederkränzler“ waren aber auch aktiv bei den Sängerfesten anderer Vereine, bei Bundessängerfesten, Sängerfahrten, Liederabenden, Vereinsbällen, Tages- und Mehrtagesausflügen, Radtouren, Schlachtfesten, Närrischen Singstunden und Teilnahme am Fastnachtsumzug, richteten Waldfeste aus und traten mit den anderen örtlichen Gesangvereinen beim „Tag des Liedes“ und bei der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf. Vereinsintern wurden viele Jubiläums- und Geburtstagsständchen dargebracht.
1971 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen mit einem Jubiläums-Waldfest zusammen mit siebzehn Musik- und Gesangvereinen aus Mutterstadt und aus der Vorderpfalz. Etwas Besonderes bot der „Liederkranz“ im August 1984, als der „Rheinische Sängerbund New York“ bei seiner Tour durch „Old Germany“ auch Mutterstadt besuchte und in der Walderholungsstätte ein „deutsch-amerikanischer Sängertreff“ stattfand. Dabei war auch der ehemalige Mutterstadter Peter Mohr, früher Sänger beim „Liederkranz“, der Mitte der 1960-iger Jahre in die USA ausgewandert war und dieses Treffen vermittelt hatte. 1985 fand im Rathaus-Foyer die Ausstellung „Dokumente zur Zeitgeschichte“ statt, die erste ihrer Art, in der die Vereinsgeschichte von ihrem Mitglied Kurt Müller in Wort und Bild gezeigt wurde. Dass die Geschichte des „Liederkranz“ zurück bis zum ehemaligen Arbeitergesangverein führt, zeigte sich 1986, als bei der 40-Jahrfeier auch Jubilare für 50- und 60jährige Mitgliedschaft (die Zeiten im Arbeitergesangverein mitgezählt) geehrt wurden. Mit 27 aktiven und 136 passiven Mitgliedern wurde 1996 das 50-jährige Vereinsbestehen mit Festabend, Jubiläums-Waldfest über die Pfingstfeiertage, Lieder-Abend und Jubiläumsball gefeiert.
In den nun 80 Jahren „Liederkranz“ hat der Verein das kulturelle Leben im Ort mit bereichert und viele engagierte Männer haben den Gesangverein ehrenamtlich geführt; stellvertretend stehen dafür die langjährigen ehemaligen Vorsitzenden Emil Weber, Walter Bonefas und Erhard Köhn sowie die Dirigenten Oswald Kaiser und Gerhard Zahneisen. Seit 2017 ist Peter Dumrese Vorsitzender und Angelika Gehrlein seit 2006 Dirigentin. Früher allgemein Männergesangverein genannt, firmiert der „Liederkranz“ seit 2006 als Gesangverein, nachdem nach 2002 auch Sängerinnen in den Chor aufgenommen wurden. Die offizielle Vereinstätigkeit mit Singstunden und öffentlichen Auftritten wurde seit 2005 ständig reduziert, nachdem immer mehr Ältere aufhörten und keine neuen Aktive dazu kamen; ein Trend den (leider) alle Musik- und Gesangvereine betrifft. Aktuell hat der Verein 48 Mitglieder und die 17 noch aktiven Sänger:Innen treffen sich einmal in der Woche im Haus der Vereine; Gäste zum Zuhören oder Mitsingen sind immer willkommen. Aus Anlass des Jubiläums „80 Jahre Liederkranz“ und in Erinnerung an die Vereinsgründung, pflanzte der Verein Mitte März auf der Grünanlage vor dem Historischen Rathaus einen Baum.

Text: Volker Schläfer

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Autor:

Michael Hemberger aus Mutterstadt

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