Verbesserte Luftaufklärung soll unter anderem bei Waldbränden helfen
Drohnen für die Feuerwehren

Frank Rüttger, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hettenleidelheim, VG-Wehrleiter Markus Ittel und Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann (von links) mit der neuen Feuerwehr-Drohne.  Foto: Link
  • Frank Rüttger, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hettenleidelheim, VG-Wehrleiter Markus Ittel und Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann (von links) mit der neuen Feuerwehr-Drohne. Foto: Link
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Von Jürgen Link

Leiningerland/Landkreis Bad Dürkheim. Die Feuerwehren im Landkreis haben Verstärkung durch zwei ferngesteuerte „fliegende Augen“ bekommen, die unter anderem helfen sollen, die eigentlichen Brandherde bei Waldbränden deutlich schneller und genauer als das bislang der Fall war, zu lokalisieren. Dadurch erhofft man sich eine schnellere und effektivere Bekämpfung von Waldbränden, im Idealfall sollen die Brandherde lokalisiert und gelöscht werden können, bevor sie sich zu veritablen Großbränden entwickeln können.

Die beiden Drohnen – ferngesteuerte Kleinhubschrauber, die mit einer multifunktionalen Kamera ausgerüstet sind – wurden vor wenigen Tagen von Sven Hoffmann, dem für die Feuerwehren im Landkreis zuständigen Kreisbeigeordneten und dem stellvertretenden Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Hochdörfer den Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Leiningerland und der Verbandsgemeinde Deidesheim übergeben, wo sie beheimatet sein werden.
„Der zeitliche Vorsprung, der durch die moderne Technik gewonnen wird, kann verhindern, dass sich ein Feuer im Wald zu einem ausgedehnten Waldbrand-szenario entwickeln kann“ sagt der zuständigen Kreisbeigeordnete Sven Hoffmann. „Da die Drohnen ständig ihre aktuelle Position via Satellit ermitteln und dies an den Bediener weitergeben, haben die Wehren nun die Möglichkeit, schnell und zielgerichtet in die Brandbekämpfung einzusteigen“ so Hoffmann weiter.
Bislang wird bei einer Waldbrandmeldung ein Flugzeug vom Flugplatz Bad Dürkheim gestartet, das die grobe Aufklärung der Brandstelle übernimmt und deren Position per Funk an die Feuerwehren meldet. „Danach war die Ortskenntnis der Feuerwehrleute vor Ort gefragt, die zur Erkundung in das von der Luft aus gemeldete Gebiet vordrangen. Aufgrund der Topographie und der Tatsache, dass manche Bereiche des Pfälzerwalds nur über schmale Forstwege angefahren werden können, ist diese Vorgehensweise sehr zeitraubend“, sagt Hochdörfer und erwähnt nur andeutungsweise die Gefahren, denen sich die Feuerwehrleute auf der Suche nach dem Brandherd aussetzen können.
Durch den Einsatz der Drohnen, die im Idealfall in einem geländegängigen Fahrzeug untergebracht werden, wird die bodengebundene Suche nach den Brandherden obsolet. Die Drohnen haben eine Reichweite von rund 1,6 Kilometern und können bis zu 500 Meter hoch fliegen. Dadurch bieten sie den Einsatzkräften einen bis dahin ungeahnten Überblick über das Areal, in dem der Brandherd vermutet wird und gewährleisten eine schnelle, großflächige Suche, wogegen bodengebundene Kräfte hierfür einen weitaus größeren Zeitaufwand benötigen würden.
Bei den Drohnen handelt es sich um sogenannte Hexacopter, sie sind mit sechs Rotoren und Motoren ausgerüstet, was ruhige Flugeigenschaften gewährleisten soll. Durch die Ausstattung mit Wärmebild- und Restlichtkameras ermöglichen die Fluggeräte den Bedienern die Suche nach Brandherden und Glutnestern auch in der Nacht oder wenn die Baumkronen eine direkte Bodensicht verhindern.
„Durch die Kamera sind die Drohnen zudem multifunktional einsetzbar, nicht nur beim Aufspüren von Waldbränden sondern beispielsweise auch bei der Suche nach Personen, bei Großbränden um sich einen Überblick verschaffen zu können – und mit einer entsprechenden Ausrüstung sogar bei Schadstoff-Messungen“, betont der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur. Die Einsatzzeit einer Drohne sei mit rund 30 Minuten zwar durchaus begrenzt, allerdings gehörten zu jeder Drohne eine ganze Reihe von Akkus, die sich binnen Sekunden austauschen ließen. „Außerdem ist geplant, dass die beiden Drohnen gemeinsam eingesetzt werden sollen, sich abwechseln und dadurch eine kontinuierliche Überwachung gewährleistet ist“, so Hochdörfer weiter.
Das Bild, das von den an der Unterseite der Mini-Hubschrauber angebrachten schwenkbaren Kameras aufgezeichnet wird, lässt sich nicht nur auf einen an der Fernsteuerung des „Drohnen-Piloten“ angebrachten Monitors übertragen sondern gleichzeitig auf beliebig viele Laptops, beispielsweise in den Einsatzleitwagen oder der Einsatzleitzentrale. Dort kann durch eine spezielle Software das Bild mit einer Landkarte unterlegt werden, wodurch man einen idealen Weg ermitteln kann, über den die Feuerwehrautos an die Brandherde gelangen können.
Da das Fluggewicht der Drohnen unter zwei Kilogramm liegt, müssen die künftigen Drohnen-Piloten bei der Feuerwehr keinen besonderen Drohnenführerschein („Kenntnisnachweis nach der Drohnenverordnung“ auf Behördendeutsch) vorweisen sondern können die Fluggeräte nach entsprechender Einweisung und Training steuern. „An Piloten herrscht bei uns kein Mangel, da sich viele Wehrleute in ihrer Freizeit mit Drohnen beschäftigt haben. So haben wir erst vor Kurzem bei einem Waldbrand eine private Drohne erfolgreich zur Aufklärung genutzt“, sagt Markus Ittel, der Wehrleiter der Feuerwehren in der VG Leiningerland. Bei welcher Feuerwehreinheit in der VG die Drohne stationiert wird, konnte Ittel beim Übergabetermin nicht sagen. Sinnvoll erscheint jedoch, sie dort zu beheimaten, wo ein Einsatzleitfahrzeug vorhanden ist.
Wie Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann und der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur Jürgen Hochdörfer weiter mitteilten, gehörten die Drohnen, deren Anschaffung pro Stück rund 4500 Euro gekostet hat, zum sogenannten Modularen Waldbrandkonzept, das der Kreis derzeit umsetzt. Ein weiterer Teil des Konzeptes sei die Anschaffung von geländegängigen Motorrädern für die bodengestützte Waldbrandaufklärung, die mittelfristig umgesetzt werden soll sowie der langfristige Plan, nach und nach immer mehr geländetaugliche Feuerwehrfahrzeuge anzuschaffen.

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