Austausch von Talenten und Mitmenschlichkeit beim Regiotauschtreff in Bad Bergzabern
Gegenseitiges Geben und Nehmen

Ein fröhliches Miteinander und Füreinander beim Regiotauschtreff.
  • Ein fröhliches Miteinander und Füreinander beim Regiotauschtreff.
  • Foto: B.Bender
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Bad Bergzabern. Jeden zweiten Monat ist im Haus der Familie der Treffpunkt für mehr Nachhaltigkeit, für mehr Mitmenschlichkeit und gegen den Konsumwahn. Die Rede ist vom Treffen des Regiotauschnetzes.
So fanden sich auch am vergangenen Mittwoch einige Mitglieder und zwei Neulinge ein.
Am reich gedeckten Tisch war ein kurzweiliger und interessanter Abend zu erwarten.
Für das Bereitstellen der Speisen hat sich dieses mal Matthias Brock, zweiter Vorsitzender des Vereins, bereit erklärt. Er bekommt dafür 20 Talente gutgeschrieben. Ein Talent, das ist die Währung vom Regiotauschnetz. Mit Beitritt zum Verein eröffnet man ein Konto, auf dem die Einnahmen und Ausgaben verbucht werden, wie auf einem ganz „normalen“ Konto auch, mit dem Unterschied, dass keine Schulden gemacht werden dürfen. So muss jeder, der dem Verein beitritt erst einmal in Vorleistung gehen, also eine Dienstleistung erbringen oder einen Sachwert von einem anderen Mitglied erwerben. Als Richtwert gilt: 10 Talente pro Stunde beziehungsweise ein Talent wird mit einem Euro gleichgesetzt.
Die Angebote und Nachfragen der Mitglieder werden auf www.regiotauschnetz.de in einer Marktliste veröffentlicht und ständig aktualisiert, die auch für Nicht-Mitglieder einsehbar ist. Netzwerkler haben selbstverständlich zusätzlich Zugang zu einem passwortgeschützten Bereich, dort sind die Konten der anderen aufgeführt, um gegenseitig Kontakt aufnehmen zu können. So ist ein Tauschen jederzeit möglich.
Das persönliche Treffen bietet die Gelegenheit, sich real auszutauschen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Jeder kommt zu Wort und kann seine Angebote und Bedarfe äußern.
Matthias Brock zum Beispiel kann Hilfe bei Behördengängen und bei Renovierungs- oder Gartenarbeiten anbieten.
Elisabeth ist Näherin und hat eine kosmetische Ausbildung, sie ist schamanische Heilerin, kann Vorträge anbieten, Haushaltshilfe leisten.
Daniel und seine Frau Ulrike sind zum ersten mal beim Regiotauschtreffen. Er ist begeistert von der Idee, dass Menschen hier die Gelegenheit bekommen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und auch Verantwortung seinen Mitmenschen gegenüber. „Schließlich sind wir auf der Welt, um uns gegenseitig zu helfen“.
Daniel hat Erfahrung im Gartenbau und rund ums Baugewerbe, er ist im Besitz von Maschinen die er verleihen kann, er ist Architekt und Profi im Photovoltaik-Gewerbe, was einen regen Austausch über erneuerbare Energie entfachte, gespickt mit fundiertem Wissen.
Daniels Ehefrau Ulrike ist auch interessiert am unentgeltlichen Tauschgeschäft und hat Kuchen backen im Angebot, sie strickt leidenschaftlich gerne Socken und könnte sich vorstellen Nachhilfestunden oder Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler anzubieten, hier kann sie die Erfahrung ihrer Arbeit an einer Grundschule in der Verbandsgemeinde Annweiler einbringen. Ein intensiver und interessanter Dialog über Integration und Förderbedarf innerhalb von Regelschulen oder alternativ an Förderschulen wurde entfacht.
Ulrike ist sich sicher, dass dieses Treffen auch als Ideen-Pool dienen kann, um selbst noch mehr Interessen und Möglichkeiten bei sich zu entdecken.
Das ist ohnehin die Überzeugung von Sonja Seibel, der ersten Vorsitzenden des Vereins: „jeder hat Talente, die er einbringen kann“.
Das Talent von Hans aus Billigheim ist seine Gartenarbeit. Verschiedene historische Tomaten- und Gurkensorten hat er im Angebot. Er verarbeitet seine Ernte, indem er sie fermentiert. Seine über 50 Jahre währende Erfahrung löst ein anregendes Gespräch über Tomatensorten, klimatische Vorlieben für dieses Gewächs und somit den Ernteerfolg aus.
Ludwig, ebenfalls aus Billigheim, ist auch ein Gartenfreak, Nüsse aus dem eigenen Garten hat er anzubieten. Er selbst bezeichnet sich als Allrounder und ist stets zur Stelle, wenn Not am Mann ist.
Hans-Dieter aus Rohrbach bietet Hilfe im Garten und bei Schlosserarbeiten an. Er verfügt über einen Anhänger und ist bereit Fahrdienste zu übernehmen.
Diese Dienste kann auch Margot übernehmen. Sie von Anfang an dabei und eher in Kandel und Wörth bei den Treffen anwesend. Ausnahmsweise erscheint sie auch hier in Bad Bergzabern. Sie bietet gegen Talente ihre Fremdenzimmer an sowie ihre Unterstützung bei Umzugsarbeiten und Büroarbeiten.
Sonja aus Kapellen-Drusweiler, ist seit 2007 dabei und hat 2016 den ersten Vorsitz übernommen. Diese Tätigkeit ist komplett ehrenamtlich und wird auch nicht in Talenten aufgewogen.
Wie jedes andere Mitglied bietet sie auch ihre Dienstleistungen an, die da wären: Erträge aus dem eigenen Garten, Kuchen backen, Nähen, Kinderbetreuung, Hilfe bei Behördengängen.
Ihr Lebenspartner ist fit am Computer und kann Hilfestellung geben. Er ist Fotograf und kann seine Talente in Form von Fotos anbieten.
Derzeit ist Sonja auf der Suche nach jemandem, der sie bei Pflasterarbeiten unterstützen könnte und der sie über mögliche Sanierungsarbeiten informieren könnte.
Rolf aus Bad Bergzabern kann Hintergrundinfos zu Wirtschaftszusammenhängen liefern, gerne in Form eines Vortrages.
Ein reger Austausch im wahrsten Sinne des Wortes und auf vielfältige, mitmenschliche Art, fand bei diesem Treffen statt. Im Prinzip handelt es sich beim Regiotauschnetz um eine erweiterte Form der Nachbarschaftshilfe.
Diese kann, so im Verlauf der unerwartet entstandenen Gespräche, vor allem auch für ältere Menschen von Bedeutung sein. Viele Seniorinnen und Senioren sind einsam, auf Hilfe angewiesen oder würden sich ganz einfach freuen, wenn jemand mit ihnen spazieren ginge, ein offenes Ohr für sie hätte. Auch für diese Altersgruppe kann dieses Regiotauschnetz eine Lebens-Bereicherung sein.
Auch die betagten Menschen haben Talente. Sie haben einen großen Wissenschatz, geheime Kochrezepte von anno dazumal anzubieten oder sind im Handarbeiten fit.
Beim Regiotauschtreff ist jeder herzlich willkommen. Hier spielt weder der Berufsstand noch die Höhe des Einkommens eine Rolle. Wichtig ist allein das gegenseitige Geben und Nehmen.
In Bad Bergzabern findet das nächste Treffen erst wieder im neuen Jahr statt, am dritten Mittwoch im Januar. Erreichbar ist der Eingang zu den Räumlichkeiten über den Weg links vom Gebäude, ein Bewegungsmelder sorgt für die nötige Beleuchtung. Wer nicht so lange warten möchte, ist eingeladen am 4. Dezember, um 18.30 Uhr, in Kandel im VFR Clubhaus am Bienwaldstadion. Die Tauschgruppe Kandel trifft sich im monatlichen Wechsel in Wörth im Mehrgenerationenhaus. In Bad Bergzabern findet man sich jeden zweiten Monat im Haus der Familie ein. beb

Weitere Informationen
www.regiotauschnetz.de
Sonja Seibel
Telefon 06343 3890
sonja.seibel@regiotauschnetz.de

Autor:

Britta Bender aus Bad Bergzabern

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