Probebohrungen bei Weingarten erfolgreich / Einige Gemeinden äußern deutlich Kritik
Kommt bald weitere Erdölförderung im Oberrheingraben?

Foto: Screenshot Google Maps

Weingarten. Die Firma "Rhein Petroleum" will in Weingarten Erdöl fördern (das "Wochenblatt" berichtete). Mehrwöchige Tests zur Wirtschaftlichkeit zwischen Mai und Juli seien erfolgreich verlaufen, betont die Geschäftsführung. Das in Heidelberg ansässige Unternehmen will bis Jahresende Antragsunterlagen erstellen, eine bergrechtliche Genehmigung – durch die Bergbaubehörde in Freiburg – wird allerdings nicht vor Anfang 2021 erwartet. Gestartet werden könnte dann etwa im Herbst 2021.

Mittels eines 39 Meter hohen Bohrturms, der inzwischen wieder abgebaut ist, wurde unweit des nördlich der Gemeinde liegenden Baggersees Weingarten bis in 900 Meter Tiefe gebohrt. Dabei konnte in den Sandsteinen des Untergrunds Öl nachgewiesen werden. Bei anschließenden Tests wurden umfangreiche Daten erhoben. Dabei sei nachgewiesen worden dass „eine tägliche Fördermenge von etwa 30.000 Litern darstellbar sei“, so Carsten Reinhold, Geschäftsführer des Unternehmens "Rhein Petroleum": Das gefundene Erdöl sei „von sehr guter Qualität und geeignet als Rohstoff für die petrochemische Industrie." Sein Unternehmen habe bereits Förderzusagen für Investitionsmittel in Höhe von 20 Millionen Euro für eine Erdölförderung ab 2021. Die Kosten der im Frühsommer durchgeführten Tests bezifferte er mit „einer einstelligen Millionenhöhe“.

Kritik aus den umliegenden Gemeinden
Einzelne Gemeinden, die an das Gebiet rund um den Baggersee Weingarten angrenzen, üben derweil mehr oder weniger deutlich Kritik an dem Vorhaben. Befürchtet werden Probleme für Grundwasser und Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. „Wir sind natürlich nicht glücklich darüber, dass 'Rhein Petroleum' zu dem Ergebnis gekommen ist, in Weingarten nach Öl zu bohren“, sagt Cornelia Petzold-Schick, Oberbürgermeisterin der Nachbarstadt Bruchsal auf Anfrage. Es bestünden „grundsätzliche Zweifel, ob solche Ölbohrungen in einem so dichtbesiedelten Gebiet noch zeitgemäß sind.“ In aller Besonnenheit werde man jetzt weitere Schritte prüfen.

Ähnlich äußerte sich zuvor schon Weingartens Bürgermeister Eric Bänziger gegenüber dem "SWR". Man wolle keine Erdölförderung in Weingarten, aber sie lasse sich wohl nicht verhindern. Der Geschäftsführer von Rhein Petroleum kündigte dagegen an, bald schon mit angrenzenden Gemeinden, den Wasserwerken und den zu beteiligenden Naturschutzverbänden ins Gespräch kommen zu wollen. Ob die geplante einjährige Testbohrung ab 2021 – die der Dauerförderung vorausgeht – allerdings tatsächlich von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt zunächst offen. „Nur jede dritte Bohrung wird fündig“, weiß der Chef des 2007 gegründeten Unternehmens. Bohrungen auf der „Hochwiese“ bei Graben-Neudorf – rund 20 Kilometer nördlich von Weingarten – die 2016 starteten, waren damals nicht von Erfolg gekrönt.

Der Oberrheingraben zwischen Karlsruhe und den südlichen Ausläufern des hessischen Riedes ist schon seit den 1920er Jahren bekannt als Fundstätte für Erdöl. Bohrungen und Erdölförderung auf rechtsrheinischer Seite gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beispielsweise in den Gemeinden Forst und Ubstadt-Weiher – nur wenige Kilometer nordwestlich von Weingarten gelegen. Aktuell gefördert wird auch etwa auf Gemarkung der Stadt Speyer. Auf etwa 50 unterirdische Lagerfelder schätzen Fachleute das Vorkommen. (Stefan Jehle)

Infos: "Rhein Petroleum" mit Sitz in Heidelberg sucht und fördert Öl im Oberrheingraben und im bayerischen Voralpenland. Im hessischen Ried auf Höhe Darmstadt starteten 2016 auf dem „Schwarzbachfeld“ Voruntersuchungen und Probebohrungen, dort wird nun seit 2018 permanent gefördert. Auch der Heimatverein Ubstadt-Weiher befasst sich mit dem Thema - hier geht's zur Seite

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Autor:

Jo Wagner

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