Debattenkultur und Philosophie: „Was bedeutet: heiliger Zorn?“
- Am Sonntag, 28. September, lädt die Volkshochschule wieder zu „Sonntags bei Anton“ mit dem Philosophen Anton Schmitt in die KulturScheune ein.
- Foto: Anton Schmitt
- hochgeladen von Charlotte Basaric-Steinhübl
Viernheim. Nach der Sommerpause findet am Sonntag, 28. September 2025, wieder die kostenfreie Veranstaltung „Sonntags bei Anton“ statt. Beim monatlichen philosophischen Austausch treffen sich Interessierte von 11 bis 13 Uhr in der KulturScheune, Satonévri-Platz 1, zu einem „öffentlichen Forum für freie Meinungsäußerung und kritisches Denken“ über verschiedene, gemeinsam beschlossene Themen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Das Thema für den bevorstehenden Termin lautet: „Was bedeutet: heiliger Zorn?“
Anton Schmitt: „‚Heiliger Zorn‘ ist eine Sonderform des Zorns. ‚Zorn‘ gehört in die Gruppe der ‚aggressiven‘ Affekte wie zum Beispiel ‚Wut‘, ‚Hass‘, ‚Ärger‘, ‚Aggression‘ – alles Affekte, zu denen der Mensch von Natur aus fähig ist. Schon in den Mythen, in der Bibel und in den großen Epen der Antike erscheint Zorn als Ursprung von Kampf, Widerstand – und manchmal auch von Erneuerung. Ist Zorn immer zerstörerisch, oder kann er – im Gegenteil – eine produktive Kraft sein, die auf Missstände hinweist und den Mut zur Veränderung freisetzt? Besonders spannend wird es, wenn vom ‚heiligen Zorn‘ die Rede ist: jener Form von Empörung, die sich nicht nur aus persönlicher Kränkung speist, sondern aus dem Gefühl einer höheren Gerechtigkeit. Propheten, Reformatoren, Freiheitskämpfer, Künstler und Aktivisten haben ihn verkörpert – mal als moralische Empörung, mal als Aufruf zur Befreiung. Hier zeigt sich, dass der Mensch immer auch schon vor der Wahl steht, wie er sich zu diesen aufkeimenden Energien verhalten soll – und kann. Im ‚heiligen Zorn‘ bedeutet dies, die vorhandene Energie der Aggression bewusst aufkeimen zu lassen, damit sie Taten wie Empörung oder Zivilcourage im Dienst des moralisch Guten ermöglicht. Es sind jedoch Affekte, denen gegenüber sich der Mensch grundsätzlich frei verhalten kann. Im Unterschied zu Ärger, Wut oder Hass – die stets ‚gegen etwas‘ gerichtet sind – beansprucht heiliger Zorn, ‚für‘ etwas zu sein: für eine moralische Dimension. Er erhebt sich im Namen von Recht, Gerechtigkeit, Würde. Unsere Gegenwart ist von Krisen durchzogen: Klimawandel, soziale Ungleichheit, Krieg, autoritäre Tendenzen, Flucht und Vertreibung. Angesichts dieser Herausforderungen reicht bloße Resignation nicht. Auch stille Trauer oder privater Ärger genügen nicht. Dagegen kann heiliger Zorn verstanden werden als konstruktive Empörung, die nicht in Hass umschlägt, sondern in Engagement, Zivilcourage und solidarisches Handeln.“
Diesen – und weiteren Fragen und Aspekten – wollen sich die Teilnehmenden von ihren eigenen Erfahrungen her nähern. Zur Anregung und Vertiefung der gemeinsamen Diskussion stellt der Dozent zu Beginn ein kostenfreies Thesenpapier zur Verfügung. Die gemeinsame Aussprache und Verständigung über die persönlich vorhandenen Überzeugungen und Einschätzungen stehen im Vordergrund. Deshalb braucht es keinerlei Voraussetzungen, um sich in der Diskussionsrunde einzubringen. Es wird Wert auf eine lockere, lebhafte, humorvolle und allgemeinverständliche Gesprächsatmosphäre gelegt, die es auch erlaubt, einfach zuzuhören, ohne selbst etwas beizutragen.
Für Informationen stehen Horst Stephan von der Volkshochschule Viernheim (Telefon 06204 988-401 oder E-Mail Horst.Stephan@Viernheim.de) oder der Dozent Anton Schmitt (E-Mail Anton.Philosophie@gmail.com oder www.collegium-philosophicum.de) gerne zur Verfügung. red/bas
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.