Wildkatzen breiten sich im Saarland aus: Tagung in Saarbrücken

Nur auf den ersten Blick kann man die Wildkatze mit einer Hauskatze verwechseln. Tatsächlich ist sie kräftiger - und vor allem sehr scheu. (Archivbild) | Foto: Martin Schutt/dpa
  • Nur auf den ersten Blick kann man die Wildkatze mit einer Hauskatze verwechseln. Tatsächlich ist sie kräftiger - und vor allem sehr scheu. (Archivbild)
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Saarbrücken. Die Europäische Wildkatze hat sich im Saarland stark ausgebreitet. Fachleute gehen inzwischen von mindestens 500 Tieren aus. Das kleine Bundesland gilt damit als einzige Region in Deutschland, die flächendeckend von Wildkatzen besiedelt ist.

Über die Entwicklung und den Schutz der Tiere sprechen Experten am Freitag, 27. Juni, bei einer Tagung in Saarbrücken. Eingeladen haben der SaarForst Landesbetrieb und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND. Unter dem Motto „Saarlands Wildkatzenwälder von morgen“ ist neben Vorträgen auch eine Exkursion geplant.

Wie sich Wildkatzen von Hauskatzen unterscheiden

Die Europäische Wildkatze wirkt meist kräftiger und muskulöser als eine Hauskatze. Vor allem ihr Verhalten unterscheidet sich deutlich. „Bei Hauskatzen gibt es ein breites Spektrum vom Schmusekätzchen bis zum Teufel. Bei Wildkatzen gibt es immer nur Teufel“, sagt der Biogeograph und Wildkatzenexperte Martin Lillig vom BUND Saarland. Die Tiere gelten als äußerst scheu und meiden den Menschen konsequent.

Vom seltenen Tier zur weit verbreiteten Art

Nach Einschätzung von Fachleuten war die Wildkatze im Saarland nie vollständig verschwunden. In den 1980er Jahren sei sie jedoch extrem selten gewesen. Anfang der 2000er Jahre wurde sie vor allem im Hunsrück, im Warndt und im Bliesgau nachgewiesen. Inzwischen kommt sie in nahezu allen Wäldern des Bundeslandes vor. Selbst im „Urwald vor den Toren der Stadt“ bei Saarbrücken wurden Tiere nachgewiesen.

So weisen Forscher die Tiere nach

Weil Wildkatzen nachtaktiv und sehr scheu sind, lassen sie sich kaum direkt beobachten. Für den Nachweis nutzen Forscher häufig eine spezielle Methode mit sogenannten Lockstöcken.

  • Raue Holzstöcke werden im Wald aufgestellt
  • Sie werden mit Baldriantinktur besprüht
  • Wildkatzen reiben sich daran und verlieren Haare
  • Diese Haare werden genetisch untersucht

Auf diese Weise lässt sich sicher feststellen, ob es sich um eine echte Wildkatze oder um eine verwilderte Hauskatze handelt.

Warum die Wildkatze für Wälder wichtig ist

Die Art gilt als sogenannte Leitart für naturnahe Wälder. Ihr Vorkommen zeigt, dass ein Wald ökologisch intakt und gut vernetzt ist. Außerdem erfüllt sie eine wichtige Rolle im Ökosystem. Wildkatzen jagen Mäuse, die sonst Samen und junge Bäume schädigen könnten. Für Förster gilt sie deshalb als natürlicher Verbündeter beim Aufbau stabiler Wälder.

Gefahren durch Straßen und zerschnittene Lebensräume

Trotz wachsender Bestände steht die Wildkatze in Deutschland weiterhin auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Ein großes Problem sind Straßen und Siedlungen, die Wälder zerschneiden. Viele Tiere sterben im Straßenverkehr. Fachleute kritisieren, dass es im Saarland bislang keine spezielle Wildbrücke gibt. Schon Unterführungen an wichtigen Stellen könnten die Situation verbessern.

Warum sich die Art im Saarland wohlfühlt

Als günstige Voraussetzung gilt der hohe Anteil an Laubwald von rund 75 Prozent. Zudem wird seit Jahrzehnten eine naturnahe Waldwirtschaft betrieben. Auch gesetzliche Änderungen spielen eine Rolle. Seit 2014 ist es im Saarland verboten, streunende Hunde und Katzen zu erschießen. Dadurch könnten früher auch Wildkatzen geschont worden sein.

Um Rückzugsorte zu schaffen, legt der SaarForst an manchen Stellen Kronen gefällter Bäume zu Haufen zusammen. Diese „Wildkatzenburgen“ dienen als Versteck und Aufzuchtplatz für Jungtiere.

Parallel arbeitet der BUND Saarland seit 2008 am bundesweiten Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“. Dabei entstehen Hecken und Gehölzkorridore, die einzelne Populationen wieder miteinander verbinden sollen. So kann Inzucht vermieden werden und die Tiere können sich weiter ausbreiten. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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