GdP fordert im Saarland: Mehr Hilfe für belastete Polizisten
- Tausende Polizisten nahmen im Sommer 2025 am Trauermarsch für ihren erschossenen Kollegen teil. (Archivbild)
- Foto: Patrick von Frankenberg/dpa
- hochgeladen von dpa content
Saarbrücken. Für Polizistinnen, Polizisten und ihre Familien im Saarland sollen psychologische Hilfen künftig leichter erreichbar sein. Eine Befragung zeigt, dass viele Beschäftigte nach belastenden Einsätzen Unterstützung brauchen, sich aus Sorge vor Stigmatisierung oder beruflichen Nachteilen aber nicht offen äußern.
Rund 61 Prozent der mehr als 900 Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens ein stark belastendes Ereignis erlebt zu haben. 42 Prozent sagten, sie könnten über psychische Belastungen nicht offen sprechen. Mehr als die Hälfte befürchtet berufliche Nachteile, wenn sie Hilfe in Anspruch nimmt.
Anlass für die Untersuchung war der Tod des Polizeikommissars Simon Bohr. Er war im August 2025 nach einem Tankstellenraub im Dienst erschossen worden. Die Gewerkschaft der Polizei hatte daraufhin eine Studie zum Umgang mit psychischen Belastungen und traumatischen Ereignissen gefordert.
Scham und Angst vor Stigmatisierung
Auch Scham hält nach den Ergebnissen viele Betroffene davon ab, Unterstützung zu suchen. Für 27 Prozent ist die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe damit verbunden. Innenminister Reinhold Jost (SPD) räumte ein, dass das Land nicht alles richtig gemacht habe. Es habe die Annahme gegeben, Beschäftigte würden sich bei Problemen selbst melden oder einen Dienstunfall beantragen. Nach traumatischen Erlebnissen seien Betroffene dazu aber häufig nicht in der Lage.
62 Prozent fühlen sich im Einsatztraining schlecht oder sehr schlecht aus- und fortgebildet. Als Gründe nannten sie vor allem das Tagesgeschäft und Personalmangel. Außerdem sehen Befragte Lücken bei Angeboten zur Stress- und Konfliktbewältigung.
GdP fordert 15 konkrete Schritte
Die GdP fordert in einem Positionspapier unter anderem diese Maßnahmen:
- mehr und niedrigschwellige psychologische Hilfsangebote
- zentrale Ansprechpersonen und Ersthelfer
- mehr Fortbildungen zum Umgang mit psychischen Belastungen
- die Anerkennung posttraumatischer Belastungsstörungen als Dienstunfall
- proaktive Unterstützung nach besonders belastenden Einsätzen
GdP-Landeschef Andreas Rinnert betonte, es reiche nicht aus, Psychologen, Seelsorger oder externe Beratungsstellen nur organisatorisch vorzuhalten. Hilfsangebote müssten Betroffenen aktiv und ohne den Eindruck persönlicher Schwäche vermittelt werden.
Familien sollen einbezogen werden
Die Gewerkschaft verlangt außerdem, die Fürsorge auf Partner und Familienangehörige auszuweiten. Angehörige seien durch traumatische Einsätze oft ebenfalls belastet und entwickelten nicht selten psychische oder psychosomatische Symptome. Vorgesehen ist unter anderem ein direkter Kontakt zu zentralen Ansprechpartnern.
Laut Jost wurden bereits Angebote beim Schießtraining erweitert sowie Schulungen zur Primärprävention und Fortbildungen zum Umgang mit psychischen Belastungen vorbereitet. Vorgesetzte sollten zudem empathischer und proaktiver auf Beschäftigte zugehen.
Zur Befragung waren knapp 3.400 Polizeibeamtinnen, Polizeibeamte und Studierende eingeladen worden. 921 von ihnen beteiligten sich. Neben der Kritik zeigte die Umfrage auch eine hohe Verbundenheit mit der Polizei: Mehr als 90 Prozent lobten das kollegiale Klima und die Zusammenarbeit. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |