BriMel unterwegs
„Poems on the rocks“ im Reginozentrum
- Spielfreude bei der Band
- Foto: Johann-Peter Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Altrip. Für den 7. März hatte das Kulturforum Altrip e.V. ein ganz besonderes Konzert ins Reginozentrum eingeladen, worüber ich gerne berichten möchte. Im gut besuchten Saal sollte es laut und lyrisch werden, wenn auf der riesigen Bühne „Poems on the rocks“ ihre Performance ablieferten.
Pressetext: „POEMS ON THE ROCKS“ ist eine süddeutsche Band aus der Stuttgarter Musikszene und eine der ersten Bands, die seit 2003 übersetzte deutsche Lyrics und Rock auf die Bühne bringen. Mit Musik und Texten von Pink Floyd, David Bowie, Sting, Bob Dylan und vieler anderer nimmt die Band das Publikum mit auf eine poetische Zeitreise durch die Rockgeschichte.
Das Besondere: Lyrisch deutsche Übersetzungen inmitten der Rockklassiker durch Schauspieler Jo Jung, bekannt vieler Produktionen von SWR und ARTE.
Die deutsche Rockband, die Rockklassiker mit deutschen Übersetzungen und Rezitationen verbindet, setzt sich zusammen aus den versierten Kernmitgliedern Jörg Krauss (Gesang), Jo Jung (Sprache/Texte), Christoph Berner (Gitarre), Andy Kemmer (Bass/Gesang), Helmut Kipp (Schlagzeug) und Edgar Müller (Keyboards/Gesang).
Die Rocksongs wurden alle in Englisch gesungen und Schauspieler Jo Jung übersetzte mit seiner ausgebildeten tiefen Stimme, akzentuierten Mimik und Gestik in lyrischer Form den Inhalt. Und obwohl man die Rocksongs fast durchweg kannte, war man überrascht, welchen Tiefgang sie haben.
Eckhard Bachert, nicht nur Eigentümer vom ältesten historischen Haus (Baujahr 1660) in Altrip, sondern auch engagiertes Mitglied im Kulturforum Altrip e.V., begrüßte das Publikum und die Band nach einem Jahr Pause hier im Reginozentrum. Das Intro „Man in the mirror“ von Michael Jackson machte den Einstieg in den Abend. Jo Jung zog mit seiner Sprechstimme und seinem Habitus sofort das Publikum in seinen Bann. Er forderte auf „Schaut mal in den Spiegel rein!“ Der Refrain besagt „Ich beginne mit dem Mann, den ich im Spiegel sehe. Ich sage ihm, dass er sich ändern soll. Wenn du die Welt besser machen willst, dann schau dich selbst an und ändere was – Make that change!“ Die Musik gefiel dem Publikum und es wippte bereits mit den Füßen mit. „Everybody wants to rule the world“ von Tears for Fears folgte. Jo Jung meinte mit wechselnden Sprecherrollen „Zeigt der Natur entspannt den Hintern! Jeder wäre gerne einmal König dieser Welt. Jeder will die Welt regieren, wohin soll das denn führen?“ Er zitierte Michael Jackson und die Werte bis hin zum Respekt. Was hat Georg Harrison von The Beatles dazu bewogen, den Song „While my guitar gently weeps“ zu schreiben? Er wurde inspiriert vom chinesischen I Ging. Das Lied drückt seine Bestürzung über das ungenutzte Potenzial der Welt für universelle Liebe aus, die er als „die schlafende Liebe“ bezeichnet. Jo Jung stellte fest, dass ihn endlose Liebe umgibt, aber auch Dunkelheit, weil er vertrieben werden soll. „Across the Universe von The Beatles und ein knallharter Bruch zu Peter Gabriel’s „Diggin in the dirt“ folgte. Jo Jung meinte „Du gehst zu weit, nur bitte geh nicht weg!“ Ein atemberaubendes Gitarrensolo von Christoph Berner nahm das Publikum in seinen Bann und Andy Kemmer loggte sich in das Spiel mit ein. Bei „Driven to tears“ von The Police konnte Edgar Müller am Keyboard zeigen, was in ihm steckt und Jo Jung war bei der Lyrik „zu Tränen gerührt“. Ozzy Osbourne hatte den gefühlvollen Welthit „Dreamer“ geschrieben, der uns die Welt zu Füßen legt. Jo Jung meinte „Die Geschichte wiederholt sich doch; sie war immer auf der Suche nach einer besseren Welt.“ Von Neil Young erklang „Rockin‘ in the free World“ und auch eine kleine politische Anmerkung von Jo Jung zum Realitätsverlust in den USA. Eine Pause war danach angesagt.
Es ging rockig mit „Wouldn’t it be good“ von Nik Kershaw weiter und auf der frisch eingeweihten Tanzfläche tummelten sich ca. 10 Tänzerinnen und Tänzer. „Running up that hill“ von Kate Bush „Überlege Dir gut, was du dir wünschst“ meinte Jo Jung. Es ging um einen Rollentausch zwischen Mann und Frau. Bei „Dani California“ von den Red Hot Chili Peppers wurde es intensiver und lauter. Die Band ist ein langjähriges eingespieltes Team und das merkte man. Jo Jung stellte den Gitarristen Christoph Berner vor, der gerade wieder einen Solo-Part hingelegt hatte. „Space Oggitty“ von David Bowie mit der Frage „Can you hear me, Major Tom?“ wurde von Jo Jung wieder mit einem wundervollen lyrischen Text umrahmt. Genesis hatte „Land of confusion“ als politischen Popsong gesungen, der die Ängste des Kalten Krieges, nukleare Bedrohung und Verwirrung thematisiert. Jo Jung meinte, es sei eine Welt von Erinnerungen, in der wir und drehen. Alles soll besser werden auf dem Planeten. Dafür bräuchte man „Superman“. „Superman, wo bist du?“ Jetzt hatte auf der Schlagzeuger Helmut Kipp seinen fulminanten Höhepunkt beim Solo-Part, wo alle Bandmitglieder einfach nur fasziniert dastanden und lauschten; das Publikum bedachte es mit einem frenetischen Applaus. „Teach your children“ von Crosby, Stills, Nash & Young folgte, in dem man ein wenig Country-Feeling bekam. Das traditionelle irische Volkslied „Whiskey in the jar“ von Thin Lizzy hat seinen Ursprung im 17. Jahrhundert. Jo Jung erwähnte Capitain Sparrow und die tolle Legende. Seit 22 Jahren proben sie in dieser Formation erzählte Jo Jung. Er und der Sänger Jörg Krauss seien „Mundwerker“ und betonte die Freundschaft zwischen ihnen, denn ohne Freunde geht es nicht. Freunde sind mit das Wichtigste im Leben. Ein Hoch auf die Freunde! Und dann sollte das letzte Lied „With a little help from my friends“ von The Beatles kommen. Er stellte seine Bandkollegen vor und alle bekamen Adjektive und Besonderheiten zugeordnet. Jörg Krauss wurde als „Goldkehlchen“ bezeichnet. Dankesworte an den Techniker, den Übersetzer und das Kulturforum, deren ehrenamtliche Helfer hier tätig waren. Aber sie hatten die Rechnung ohne das stehende Publikum gemacht, das unbedingt eine Zugabe wollte. Bei standing ovations sagt doch niemand NEIN. Also Pink Floyd mit „Time“ aus dem Jahre 1973 und „Fragile“ von Sting bildeten den krönenden Abschluss. „Immer wieder wird der Regen sagen, wie zerbrechlich wir Menschlein sind.“ (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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