BriMel unterwegs
Laufprobe für die Upcycling- Modenschau
- Simone und Kathrin, beides Powerfrauen
- Foto: Brigitte Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Neuhofen. In der protestantischen Kirche in Neuhofen soll es am 26. September eine Modenschau der besonderen Art geben. Am 16. August durfte ich den fünf Künstlerinnen, in dem Fall Designerinnen, über die Schulter schauen. Der Handarbeitskreis zeigt neben „normalen“ Kleidungsstücken auch tolle Upcycling Mode, die zum Teil auch zum Verkauf angeboten werden. Am heutigen Mittag waren Kathrin Hentzschel, Simone Bromfield, Tove Häuselmann, Elke Schönherr und Model Isabella Seybold in der Kirche, vollbepackt mit Kartons und Tüten, in denen sich die diversen Kleidungsstücke und Accessoires befanden. Und was hatten sie nicht alles dabei, was sie in ihrer Freizeit aus recyceltem Material kreiert haben! Aus dem Strick- und Häkelbereich gab es Mützen, Strickjacken, Taschen und Fingerringe, Mäntel, Röcke, Jacken, Blusen und Kleider teilweise von Dior bis zum Schottenrock. Und wiederverwertete Reliquien aus den 90er Jahren feierten ihr Comeback: Krawatten! Wer hätte das gedacht? Aus einer Tischdecke wurde kurzerhand ein Oberteil.
Man tauschte sich aus und schritt zu den Proben. Kathrin Henzschel hatte die Ehre als „Opening Model“ die Show zu starten. Was sie trug lässt einen in Gedanken die Schweißperlen von der Stirn wischen, nämlich einen Wintermantel mit Plüschkragen und das bei heutigen 35 Grad Celsius. Sie wurde für die Kleidungsstücke der besonderen Art in ihrem eigenen Kleiderschrank fündig.
Die Outfits waren teilweise mit Krawatten, Hose, Hemd und Schal variiert worden. Dehnbare Röcke praktisch für jede Größe waren dabei. Die Seidenkrawatten, die besonders schön als Rock fallen, waren ein Eyechatcher. Also her mit Euren Krawatten, die Simone Bromfield dann umstylt. Sie hatte einen Aufruf im Ort gemacht und etliche Krawatten wurden gespendet, da diese aber nicht reichten, kaufte sie selbst noch welche gebrauchten im Internet hinzu. Sie sammelt weiterhin und man kann diese abgeben, wenn zum Beispiel Gottesdienst, Dorfcafé oder Bürozeiten in der Protestantischen Kirchengemeinde sind. Auf die Idee kam man letztes Jahr durch Kathrin Hentzschels Traum, den Trove Häuselmann dann aussprach. Altes aufmotzen und in die Planung gehen! Alle Frauen kennen sich aus dem Handarbeitskreis und sind befreundet. Gemeinsam wollen sie ihren Traum verwirklichen und dafür ist noch viel vorzubereiten bis die Premiere am 26. September stattfindet. Die Kreativität kennt keine Grenzen! Simone Bromfield hatte für ihre Vorbereitungen eine Hilfe gebraucht, die ihr Maike Schall beim nähen gewährte. Sie wollten es stundenfüllend machen und brauchten mehr Models und auch die Nähunterstützung, sonst hätten sie das Projekt nicht stemmen können. Die eine Nähmaschine von Simone Bromfield war ständig in Aktion und insgesamt wurde mit drei Nähmaschinen genäht. Aber auch andere, die nicht nähen konnten, haben geholfen. Kathrin Hentzschel hat selbst die Musik zusammengestellt und auch selbst ein eigenes Stück dazu komponiert. Es muss ja Musik sein, auf die man gut laufen kann und darf nicht zu schnell sein, damit es nicht in einem Galopp ausartet.
Und dann startete die „Laufprobe“ mit Kathrin Hentzschel im „Zarinnenmantel“, die ihr eigenen Sachen vorführte. Dieser Mantel hatte einmal in Polen „gelebt“ und wurde mit aufgenähten Blüten aufgehübscht. Gudrun schneidert alle ihre Kleider selber, Kathrin lief mit Persianermantelresten aus den 70er Jahren von der Oma am Kragen, die Oberteile haben ein Motiv „Hasen“, denn sie liebt die Fellnasen und hat selbst welche im Garten. Retro-Spitzenhäkeldeckchen einmal anders sozusagen als Knieschoner, das hat was! Mit Knöpfen aufgepeppte Pullis und Mottenlöcher und Ölflecken kaschiert mit Stoffresten, darauf muss man erst einmal kommen bevor man die Sachen wegwirft. Jeans mit Camouflage-Applikationen sind besonders beliebt. Ein „Anorock“ olive aus Stepp hält im Winter besonders warm, auch wenn es ein Minirock ist. Isabella Seybold kann mir ihrer tollen Figur alles tragen und führte die Mode schon mit dem gewissen Etwas vor. Kathrin hatte ehemals weiße Kleidung grün eingefärbt und schon war es nicht mehr so langweilig. Kleine Tanzeinlage zu guter Mucke und schon ging es weiter; die 2 Stunden Probe gingen ruck-zuck herum. Angedacht sind noch sechs „Trainingseinheiten“ bevor das Publikum hinzustößt und hoffentlich begeistert ist.
Nachhaltigkeit ist das Zauberwort und wenn es nach der Modebranche ginge müssten wir zweimal im Jahr den Inhalt der Kleiderschränke austauschen. Die Kreationen zeigen Individualität und Persönlichkeit der Trägerinnen und sind ein Gesamtkunstwerk. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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