Sport für Menschen mit Behinderung
„Ich wusste gar nicht, wie das geht“

Der Sport für Menschen mit Behinderung verlangt auch den Betreuern viel ab  Foto: Rileit
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Maxdorf/Ludwigshafen.Die TSG Maxdorf kann stolz sein, vor einigen Jahren die richtige Entscheidung getroffen zu haben: Der Vorstand fragte die pensionierte Sportlehrerin, ob sie sich ein Sportangebot für Menschen mit Behinderung vorstellen könne. Doch zunächst war sie von der Idee verunsichert. Denn sie hatte zuvor noch keine Sportgruppe dieser Art geleitet.

Von Kim Rileit

Die Sportstunde startete mit einer Erzählung von Sohns Mutter: „Sie hat früher die Wäsche immer mit der Hand gewaschen“, erklärte Sohns, während sie die mit den Händen die Bewegung bei der Nutzung eines Waschbrettes nachahmt. Um sie herum saßen sieben Menschen mit schwerer geistiger oder mehrfacher Behinderung - alle waren mit vollem Einsatz bei der Sache und hatten sichtlich Spaß. Im Sitzen wurden verschiedene Bewegungen nachgeahmt: Äpfel gepflückt, Kuchen gebacken und auch geputzt. „So hat es meine Oma auch immer gemacht“, wusste eine Bewohnerin. Sie und ihre Sportskameraden waren mit viel Freude bei der Sache. Gabriele Sohns nutzte neben der Erzählung auch Musik, Bälle und Ringe, um das Fitnessprogramm abzurunden.

Die Teilnehmer wohnen im Wilhelm-Hiemenz-Haus der Lebenshilfe Ludwigshafen. Dort organisiert Sohns jeden Dienstag ein Fitnessprogramm für die Bewohner. Sie ist seit zwei Jahren dabei, zuvor unterrichtete sie Sport. Als der Verein nach ihrer Pensionierung auf sie zukam, war sie unsicher. „Ich wusste am Anfang gar nicht, wie das geht“, so Sohns. Ihr Vorwissen und der Wille, helfen zu wollen, überwanden dieses Hindernis. Sohns brachte sich durch zahlreiche Lektüren auf den akutellen Stand und beschäftigte sich mit den Besonderheiten des Sports mit Behinderungen verschiedenster Art. So gebe es viele Unterschiede im Umgang mit den Personen aber auch mit der Auswahl der Übungen. Das Sportangebot, welches der Verein auf eigene Kosten ausrichtet, feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Für jede Stunde benötige ich mindestens eine Person zur Unterstützung.

Ein Stück Lebensqualität

„Die Coronapandemie und die Schließung der Einrichtungen hat uns alle, aber vor allem die Einwohner hart getroffen. Uns fehlte das ehrenamtliche Engagement und damit ein Stück Lebensqualität für unsere Bewohner“, berichtete Silke Methe, Geschäftsführerin des Hauses. Denn während des Lockdowns durften keine Außenstehenden die Einrichtung betreten. Sohns hat binnen kurzer Zeit einen sehr guten Draht zu den Bewohnern aufgebaut: „Es kanna auch mal vorkommen, dass ich einfach zur Begrüßung umarmt werde“, so Sohns.

Fehlende Weiterbildung

Wie üblich im Ehrenamt haben auch die Maxdorfer mit dem Nachwuchs zu kämpfen. So kann Sohns nur auf wenige unterstützende Personen zugreifen. Ein ausschlaggebender Punkt seien die Fortbildungen: „Weiterbildungen für den Sportbereich für Menschen mit Behinderung sind im Programm des Sportbundes schwer zu finden“, bemängelte Siegfried Kästle, zweiter Vorsitzender der TSG Maxdorf. Das Angebot des Vereins für Menschen mit Behinderung sei im Bereich „Soziale Fitness“ eine der Säulen des Vereins.

Anerkennung von Malu Dreyer

Die gute Arbeit blieb auch bei der Landesregierung nicht unbemerkt: Ministerpräsidentin Malu Dreyer stattete der Sportstunde im Rahmen der „im Land daheim-Tour“ einen Besuch ab: „Inklusion funktioniert genau so, wie ich sie hier erlebe“, lobte die Dreyer die ehrenamtliche Arbeit der TSG Maxdorf. kim

Der Sport für Menschen mit Behinderung verlangt auch den Betreuern viel ab  Foto: Rileit
Gabriele Sohns  Foto: Rileit
Autor:

Kim Rileit aus Ludwigshafen

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