BriMel unterwegs
Ein unglaublich mitreißendes Konzert in der Kulturkapelle

Matthias Gerber, Claudia Fiddicke und Dimitrij Koscheew | Foto: Johann-Peter Melder
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  • Matthias Gerber, Claudia Fiddicke und Dimitrij Koscheew
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Limburgerhof. Am 20. September waren unter der Überschrift „JazzClub im Park“ in der heimeligen Kultur-Kapelle Limburgerhof zwei grandiose Gäste eingeladen worden. Claudia Fiddicke als Sängerin und Geschichtenerzählerin und Dimitrij Koscheew am Klavier. An diesem Abend ging es um alte Geschichten mit der Frage „Weißt du noch?“ – ja, die meisten in der Kulturkapelle konnten sich noch an die Baby-Boomer-Zeit in den 60er und 70er Jahren erinnern. Der Eintritt war frei, ein Benefizkonzert zugunsten des Ensembles im Park e.V.

Pressemitteilung: Damals gab es keine Handys, man hörte Kassetten und Jazz gab’s auf Vinyl-Schallplatten. Statt Instagram gab’s das „Schwarze Brett“ und Fotos machte man auf Farbfilmen. Aber wir dufteten nach Apfelshampoo und reisten mit unserem Interrail-Ticket in die große weite Welt! Die Sängerin Claudia Fiddicke und der Pianist Dimitrij Koscheew lassen die Zeit auf unterhaltsame Weise Revue passieren, mit viel Jazz und Erinnerungen an damals.

Claudia Fiddicke dürfte vielen in Limburgerhof als ehemalige Konrektorin an der Domholz-Grundschule bestens bekannt sein. Sie studierte Lehramt und Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik, Heidelberg-Mannheim, Klasse Prof. Erika Köth. Sie begann mit ersten Auftritten in verschiedenen Jazz-Ensembles in Greenwich-Village, New York. Es folgten Fernsehauftritte bei ARD und BR. Sie war auch Musiktheater-Solistin im Nationaltheater Mannheim, im Stadttheater Klagenfurt, sowie im Landestheater Coburg. Sie gab Gastspiele an den Stadttheatern Lübeck, Nürnberg und Ulm sowie am Staatstheater Karlsruhe. Sie ist Komponistin und Texterin für Kinderlieder und Kindermusicals für die Verlage Lugert und Cornelsen.

Dimitrij Koscheew, geboren in Moskau, studierte er am dortigen Staatskonservatorium P.I. Tschaikowsky. Sein Diplom bestand er mit Auszeichnung. Es folgten weitere Ausbildungen in Meisterklasse bei Prof. D. Bashkirov und Prof. S. Neuhaus. Er trat auf bei internationalen Konzerten in Brüssel, Tokio, Rotterdam, Paris, Wien und Belgrad. Er war Meisterklassen-Korrepetitor am Bolschoi-Theater. Es folgten Konzerte mit dem Aart-Gisolf-Jazz-Quintett, Rundfunk- und Fernsehproduktionen bei SWR 3, MPTV, RTL und SWR, Fernsehauftritte, u.a. bei „Stars in der Manege“.

Und jetzt nehme ich Sie mit zu einem unglaublich schönen Abend. Die Bühne war nur mit einem Tischchen, Stuhl, Lampe und einem Acrylbild mit Orca-Walen und eines mit New-York-Straßenbild bestückt. Das schwarz lackierte Klavier, das normalerweise die Bühne schmückt, stand seitlich.

Matthias Gerber begrüßte das Publikum. Man wolle hier jungen als auch erfahrenen Künstlern eine Plattform bieten und jeden Monat ein Event anbieten. Nach der Sommerpause starten sie nun also wieder durch. Er stellte die beiden Musiker vor, die seit 18 Jahren ein Paar sind, und man Claudia Fiddicke hier in Limburgerhof gut kenne. Er hatte sie bei einem Schulprojekt kennengelernt.

Dimitrij Koscheew machte den Anfang und seine Finger flogen mit einer rasenden Geschwindigkeit über die schwarz-weißen Tasten; er schien eins zu sein mit dem Klavier. „Damals war alles lockerer und spontaner, aber vielleicht liegt es daran, dass wir jünger waren“ sinnierte Claudia Fiddicke. Sie wollte diesen Abend alphabetisch mit dem A beginnen. Was gab es damals in den 60er/70er Jahren mit A Besonderes. Hier kam das Apfelshampoo ins Spiel gefolgt von dem B mit der Jugendzeitschrift „BRAVO“ und den Artikeln von Dr. Sommer. Die Caprisonne und Disco mit der wundervollen Ella Fitzgerald, von der dann natürlich eines ihrer bekanntesten Lieder aus dem Jahre 1961 gesungen wurde, begleitet von dem virtuos spielenden Pianisten. Dieser erzählte, dass er seit 1994 in Speyer lebe und Klavier unterrichte, also das macht, was er immer gemacht hat. Fiddickes Lebenslauf sei weniger spektakulär; sie sei in Berlin geboren und zog in den Südwesten Deutschlands. Von dort ging es in die Traumstadt New York, die Nächte hatte sie in Greenwich Village verbracht. Die damalige Zeit wurde aufleben gelassen mit „Wonderful“. Auch die wirtschaftliche Situation war wundervoll und es entstand eine neue Art der Unterhaltung, nämlich der Fernsehwerbung. „HB, wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ Claudia Fiddicke ging ins Publikum und fragte nach ähnlichen Werbesprüchen, was sich als sehr lustig darstellte, jeder hatte seinen Senf dazu beizutragen.

Der nächste Song handelte vom Reisen auf der Route 66 oder bei uns hier auf dem Highway A6. Der Buchstabe F mit der Fototapete, am liebsten ein Palmenstrand, das war in den 70ern auch hip. G mit der Gurtpflicht, H mit der Hippiebewegung, I wie das Interrail-Ticket und J wie Jeans, die einen trugen Lewis und die anderen Wrangler. Aber auch Jam-Sessions wurden populär, so gab es als nächsten musikalischen Beitrag ein Stück aus dem Jahr 1979. Das Klapprad war begehrt und Kanada, zu dem “Die Ballade to the East“ exzellent am Klavier gespielt wurde. „Lucky“, wo findet man das Glück? In Las Vegas beim Glücksspiel? Sie las eine kleine Geschichte darüber vor bevor es in den Naturkostladen ging. Von einem Ahorn-Blatt handelte der nächste Song aus New Orleans, das also nicht nur für das Land Kanada steht. Bevor es in die Pause ging bat Matthias Gerber um ein Zeichen der Wertschätzung als kleine Hutspende. Noch ein wundervolles Klavierstück mit dem „Armen Gigolo“ in einer ganz anderen Fassung von dem perfekten Paar performt. Es war eine Freude dem Musiker beim Klavierspiel zuzuschauen und zuzuhören.

„Der andere Mann“ und „Mean to me“ von Ella Fitzgerald gab es als nächstes. Der Buchstabe R stand für die runden Brillen, die damals u.a. von John Lennon und Janis Joplin getragen wurden. Und dann gab es ja auch noch das Sonntagsfahrverbot, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Eine Lesung über die guten alten Postkarten und dem Spruch „Wetter schön, Essen gut“ folgte, heute gehe ja alles über WhatsApp & Co. Gesanglich mit „Cry me a river“, „Tiffany“ und „Moon river“ mit meisterlicher Klavierbegleitung sah man in staunende Gesichter. „Benny’s bugle“ und auch vom Trimm-Dich-Pfad erzählte die nächste Geschichte. Der Urlaubsboom nach Italien und Malle setzte ein und da brachte fast jeder eine Liebesgeschichte mit, über die gesungen wurde. Das Wasserbett und Yoga folgten im Alphabet, denn die Verabschiedung hob man sich bis zum Schluss auf. „What a wonderful world“ von Louis Armstrong durfte nicht fehlen und sollte Mut machen: „Wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn es uns schlecht geht!“ Natürlich durfte das Paar nicht ohne Zugabe gehen. Das Publikum durfte sich zwischen Liza Minelli und Whitney Houston entscheiden – die Wahl fiel auf „I will always love you“ aus dem unvergesslichen Film „Bodyguard“. Hier zeigte sich noch einmal die krasse Bandbreite der Stimme von Claudia Fiddike, die jeder Tonlage mächtig war, zu Beginn sogar A cappella. Dann endete die Zeitreise und Matthias Gerber bedankte sich für das tolle Konzert und wies auf das kommende am 24.10. um 20 Uhr mit Isabel Eichenlaub am Cello und Dietmar Fuhr am Kontrabass hin. (mel)

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Autor:

Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim

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