Kaum sichtbar, aber riesig: Unter dem Hauptbahnhof entsteht ein neues Fahrradparkhaus

Am Heidelberger Hauptbahnhof entsteht ein unterirdisches Fahrradparkhaus, die Baustelle liegt zum großen Teil unter der Erde. | Foto: Philipp Rothe
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Heidelberg. Direkt am Hauptbahnhof entsteht an der Kurfürsten-Anlage ein neues, unterirdisches Fahrradparkhaus mit 730 Stellplätzen. Wer täglich mit Bahn oder Rad unterwegs ist, bekommt von der Baustelle oft wenig mit, weil ein großer Teil des Bauwerks unter der Erde liegt.

Seit dem Sommer 2025 baut das Hochbauamt der Stadt Heidelberg am HBF-Eingang an der Kurfürsten-Anlage. Das Baufeld liegt zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem InterCity-Hotel. Die Stadt plant die Eröffnung für Anfang 2027.

Was das Projekt für Radverkehr und Bahnhofsvorplatz ändern soll

Das Fahrradparkhaus soll den Bahnhofsvorplatz vom Radverkehr entlasten und den Bereich rund um den Hauptbahnhof neu ordnen. Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck besuchte die Baustelle am Mittwoch, 20. August.

Künftig erreichen Radfahrende das Parkhaus über eine spiralförmige Rampe. Es gibt einen direkten Zugang zum Gleis 1. Neben der Rampe führt eine gewendelte Treppe nach oben für alle, die ihr Rad abholen.

Unterirdisch plant die Stadt verschiedene Abstellmöglichkeiten. Dazu zählen 638 Doppelstockparker, 51 Abstellbügel, davon 24 mit Lademöglichkeit, 27 Lastenradplätze, 12 Doppelstockboxen sowie drei spezielle Handbike-Stellplätze direkt am Eingang auf der Platzfläche. Die Stadt führt nach eigenen Angaben Gespräche mit dem künftigen Betreiber.

Seit Januar arbeitet das Team auf dem rund 40 mal 55 Meter großen Baufeld. Zuerst brachten die Bauleute mit einem 65 Tonnen schweren Bohrgerät Bohrpfähle in den Boden. Danach hob das Team die Baugrube aus. Dabei transportierten Lastwagen rund 4.600 Kubikmeter Erde ab, das entspricht laut Stadt rund 380 beladenen Lastwagen.

Ab August entsteht in der rund neun Meter tiefen Baugrube das eigentliche Parkhaus. Zunächst baut das Team Fundamente und die rund 1.200 Quadratmeter große Bodenplatte. Danach folgen Außen- und Innenwände. Der Rohbau soll im Dezember fertig sein.

Im Anschluss startet der Innenausbau. Dann baut das Team unter anderem Fahrradparksysteme, Beleuchtung und technische Ausstattung ein. Die runden Stützen und die markante Fahrradrampe fertigt die Baustelle vor Ort aus Beton. Zur Bahnsteigseite erhält das Gebäude später eine Klinkerfassade, die gestalterisch an die benachbarten Hotels InterCity und Adagio anknüpft.

Hintergrund ist auch der stark genutzte Abstellplatz direkt vor dem Bahnhofsgebäude. Dort erreichten die rund 1.400 Abstellflächen laut Stadt bereits die volle Auslastung. Mit dem Neubau will die Stadt die Vielzahl an Fahrrädern am zentralen Bahnhofsvorplatz geordneter bündeln. Gleichzeitig schafft das neue Parkhaus die Voraussetzung dafür, dass die Stadt den Bahnhofsvorplatz schrittweise umgestalten kann.

Auf der Seite zur Bahnstadt gibt es unter dem Europaplatz bereits ein Fahrradparkhaus mit rund 1.100 öffentlichen und rund 500 privaten Stellplätzen. Die Stadt nennt als Grund für den aktuell höheren Bedarf auch die HBF-Sanierung und den Wegfall von Radstellplätzen am Haupteingang. Das Fahrradparkhaus unter dem Europaplatz kann deshalb vorübergehend kostenfrei genutzt werden.

Für den Neubau erhält die Stadt 6,8 Millionen Euro vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg. Das Land trägt damit rund 75 Prozent der Baukosten in Höhe von 9,4 Millionen Euro, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

Über dem Parkhaus plant die Stadt später einen neuen Platz, den sogenannten Stadtbalkon, mit Ausblick auf die Bahngleise und den gegenüberliegenden Europaplatz. Gleichzeitig soll er die Anliefer- und Versorgungszone des neuen Bahnhofsgebäudes bilden. Die Stadt will den Platz aber erst angehen, wenn die HBF-Sanierung abgeschlossen ist. Deren Hauptarbeiten sollen im Herbst starten und im Jahr 2031 enden.

Autor:

Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen

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