BriMel unterwegs
Der Dreiakter „Drei Schorle für ein Halleluja“
- "Drei Schorle für ein Halleluja" brachten die Stadthalle zum Beben
- Foto: Brigitte Melder
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Deidesheim. Eher spontan war mein Besuch bei der ausverkauften Zusatzshow „Drei Schorle für ein Halleluja“ am 20. Februar des Boulevardtheaters Deidesheim in der Stadthalle. Es sollte ein unvergesslicher Abend werden bei Musik und Comedy mit den Pfälzer Bands „Woifeschdkänisch“, „Die Anonyme Giddarischde“ sowie den beiden zwerchfellerschütternden Comedians René Weintz und Götz Valter. Wegen großer Nachfrage war nicht nur der 20., sondern auch der 21. Februar in kürzester Zeit ausgebucht. All diejenige, für die es keine Karten mehr gab, möchte ich hier mitnehmen, um ein kleines Feeling von diesem Event zu bekommen.
Es war ein Stehtisch-Event in der großen Stadthalle, nur an den Wänden standen Stühle für alle mit Rücken, Knie oder sonstigen Gebrechen. Mega Stimmung bereits im Vorfeld, so richtig nach Pfälzer Lebensart. Und dann auch noch das themenentsprechende Angebot „Nimm drei Schorle, dann wird es günstiger“. Im Foyer konnte man sich ab 18 Uhr an Kassen mit Verzehrbons eindecken und vielleicht noch mit einem schicken Statement-T-Shirt an den Merchandisingständen eindecken. Auch einen VIP-Bereich gab es auf der Empore -„Do kummst mir net rein ohne Bändchen!“ Theaterleiter Boris Stijelja hatte mit der Organisation alle Hände voll zu tun und erzählte, dass 430 Personen heute hier seien.
An einem Tisch wurde ausgelassen gefeiert und da zeigte sich wieder, welche Reichweite das schnuckelige Boulevardtheater und die heutigen Acts haben. Die Gäste kamen aus Enkenbach-Alsenborn, Staudernheim und Bad Sobernheim aus dem Naheland. Zu Weihnachten seien die Frauen im kleinen Theater gewesen und haben die Plakate zum heutigen Event gesehen. Sie überzeugten ihre Männer, dass man da hinmüsse. Die wiederum haben schon etwas ganz anderes im Blickwinkel, nämlich „Wem gehört der String?“. Auch aus dem Saarland hatte man den Weg hierher gefunden. Gegen 19.30 Uhr verlagerte sich das Geschehen vor die Bühne mit Blickkontakt und Schorlekontakt zu den Protagonisten.
Die riesige Bühne bot Platz für die acht bis mitunter 12 Musiker mit ihren Instrumenten. Zuerst kam der Leadsänger Thomas „Edsel“ Merz von den „Anonymen Giddarischde“ ans Mikrofon und begrüßte das Publikum, wobei er auch die Techniker Marc und Oliver nicht zu erwähnen vergaß. Der Frontmann von Grand Malör Steffen Drayß wurde ebenfalls im Publikum begrüßt. Wir werden Zeugen von zwei Bands, die können sich nicht nur gut leiden, sondern sie lieben sich. Den Titel dieses Event hat sich der ideenreiche Boris Stijelja einfallen lassen und gleich ins Netz gestellt. „Drei Fäuste für ein Halleluja“ kenne man ja als Film mit Bud Spencer und Terence Hill, heute also in leicht abgewandelter Form mit dem Landesgetränk Schorle, dessen Meilenstein erforscht wurde. Was hat sie zu diesem Programm getrieben? In lustiger Gedichtform performte Edsel die Ode auf die Schorle. „Wer im Frühjahr einen hebt, der hat den Winter überlebt!“ Vorstellung der beiden Bands, die alle zusammen eine Einheit bildeten. Edsel hatte so manchen Joke in seiner Moderation auf Lager, so auch „Wir sind Trinker, die Musik machen und keine Musiker die trinken“. Solch eine Bühne und so ein Publikum finden sie so schnell nicht mehr. Dieses klatschte und tanzte bereits in der ersten Reihe ausgelassen zum Schorlelied. Schorle sei ein natürliches Habitat und UNESCO-Weltkulturerbe, ein Loblied darauf, auf die Pfalz und auf die Hütten. „Die Wanderer“ hieß denn auch das nächste Lied.
René Weintz und Götz Valter betraten in ihren Rollen als „Dubbes und Dabbes“ unter tosendem Beifall die Bühne. In diesem Akt kamen sie mit Weisheiten aus dem Alltag. Ihr Einstieg mit „Nowend! Simmer gud druff? Wu sinn die Pälzer?“ wurde johlend bejaht. Eine Szene beim Einkaufen in einem Discounter nach einer Kohlsuppendiät erzählte Götz Valter in allen nur erdenklichen Einzelheiten. Das Publikum beömmelte sich vor Lachen. René Weintz konterte mit Erotik und blickte auf eine 15-jährige Ehe zurück. Die Luft sei raus. Aber er habe einen Ratgeber gelesen mit dem Hinweis „Appetit holen auswärts, hungern zuhause“. BDSM bekam eine ganz neue Bedeutung, nein, nix Erotik, eher Pfälzer Gaumenschmaus. Die beiden Comedians wurden mit tosendem Applaus belohnt.
„Wo sind die Hände?“ erschallte ein Ruf aus dem Publikum, na, von wem wohl? Monji El Beji, charismatischer Frontsänger vom „Woifeschdkänisch“, hatte nun das Zepter in der Hand mit „L’amour die Palz“. Behände jumpte er auf die Bühne. „Enchanté“, was auf Deutsch bedeutet „sehr erfreut“, dass ihr hier seid. Egal, ob mitten im Publikum oder auf der Bühne, Monji ist DER Sympathieträger überhaupt und man freute sich über die Nähe. „Schuld war nur em Frank soi Oma“ umgedichtet auf „Schuld war nur der Bossa Nova“ folgte und immer wieder wollte er die hoch erhobenen Hände sehen. Auch die „Muppet-Show“ sollte mitmachen; damit meinte er die balkonartige Empore gegenüber. Es wurde gefrotzelt, dass er sich aus versicherungstechnischen Gründen doch bitte einen Gürtel zulegen sollte, denn die Hose rutschte heute mehr als einmal. Er mache gerade die Schorle-Diät. Bei „Sweet Caroline“ umgedichtet zu „Moin Pälzer Woi“ wollte Monji nicht nur die Hände, sondern auch die Schorlegläser darin sehen. „Do wu die Rewe stehn“. Was für eine Atmosphäre war das! Schalalalala! Die erste Pause war da.
Edsel von den „Anonymen Giddarischde“ ging mit seinen Gedanken zurück in die Zeit, wo sich die Band zusammengefunden hat. Ihr erstes Konzert hatten sie in Frankenthal im „Elefant“ kurz Ele, dem sie das nächste Lied widmeten. Sie waren der Überzeugung, wenn man so einen großen Zuspruch des Publikums sieht, sollte man weitermachen. „Es ist schön, wenn man unter Geistesschwestern und -brüdern ist. Und da gehört jeder dazu, der mit einem Schorleglas hier steht.“ Die Pfalz ist bekannt dafür, dass man zusammensitzt und nicht jeder an einem einzelnen Tisch wie anderswo. Man solle auch mal Fünfe gerade sein lassen! Zuspruch in Form von johlendem Applaus. „Halleluja!“ Mit dem Publikumschor sang er „Isch bin so gern vun do“. Er sprach über Bäche und Ströme und huldigte den drei durch Frankenthal fließenden Fuchsbach, Rehbach und Isenach in einem Heimatlied.
René Weintz und Götz Valter betraten abermals die Bühne mit einem Sketch über das Leben auf dem Dorf. Sie sinnierten darüber, dass sie als Kinder auf dem Dorf alles gegessen hatten und zogen als Vergleich heutige Kindergärten heran, die teilweise zuckerfrei und fleischlos seien und über Essensgewohnheiten. Sie erinnerten sich an die damaligen Kaugummiautomaten, unverpackt und direkt vom Automaten in den Mund. Zustimmender tosender Applaus! Götz Valter erzählte, dass er heute noch gerne auf den Spielplatz gehe, aber nicht um Kindern, sondern den erwachsenen Begleitpersonen zuzuschauen. René Weintz lebte in einer Kommune und war als Hippie verkleidet. Er belohnte mit einer „Fair trade Avocado“.
Der „Woifeschdkänisch“ war wieder an der Reihe und wollte gleich mal wissen, ob alle eine Schorle hätten. „Die klää Kalmit“ kam und der ganze Saal sang mit und man fühlte sich wie in einem Hexenkessel. Rufe aus dem Saal nach dem „Sohn vum Karl-Hoinz“ (Original „Sound of silence“) wurden laut. Aber klar doch, das kam als nächstes. Und danach wurde „Angel“ von Robbie Williams umgetauft zu „E handbreed Wasser zum Woi“, des Wasser kummt zum Schluss noi. Alle sollten ihre Handys anschalten und in die Höhe halten. Was für ein imposanter Anblick!
Kurz nach 22 Uhr folgte die zweite Pause bevor der dritte Akt kam. Dieser letzte Akt wurde gemeinsam von Edsel und Monji und den beiden Bands mit einem dreiteiligen Prolog eröffnet. In diesem wurde wortgewandt und stimmgewaltig die doch große Bedeutung der „Pälzer Schorle“ zum Besten gegeben. Die Bühne war voll und auch der Pälzer Türk Teyar Cira war zu Gast. Und dann kam das Lied von den „Anonymen Giddarischde“, auf das alle anscheinend gewartet hatten, „Die Lewwerworschd“. Kurz auf die Empore geschwungen bot sich ein fantastisches Bild mit den erhobenen Handys, tanzenden und mitsingenden Menschen.
Bevor René Weintz und Götz Valter nochmals die Lachmuskeln der Gäste strapazierten wurden die Gäste gebeten, sich dem Förderkreis des Boulevardtheaters anzuschließen, um der drohenden dauerhaften Schließung der Stadthalle noch etwas entgegenzusetzen. Mit dem viralen Hit „Schorlekontakt“ wurden die letzten Lieder des Abends eingeläutet und zum großen Finale standen der „Woifeschdkänisch“, die „Anonyme Giddarischde“ und die beiden Comedians nochmals gemeinsam auf der Bühne, um das „Palzlied“ zum Besten zu geben. Die Spielfreude aller Beteiligten sucht ihresgleichen und der Abend wird einem noch lange im Gedächtnis bleiben. „E Halleluja uff die Schorle, nix verschlabbert, nix verschitt“. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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