Ungeheuerliche Naturbegegnung bei Forst
Vulkansee mitten im Pfälzerwald

Der zweiter Basaltsee bei Forst. | Foto: Markus Pacher
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Wandertipp. War das alles nur ein Traum? Es gibt so Naturerlebnisse, wo man sich hinterher verwundert die Augen reibt. Ein Vulkansee nur wenige hundert Meter vom Haardtrand entfernt? Der Pfälzerwald birgt so manche Geheimnisse. Der Basaltsee bei Forst gehört dazu.

Von Markus Pacher

Moment mal: In der Wanderliteratur ist immer von einem Basaltsee die Rede. Aber es gibt noch einen zweiten. Und der ist weitaus spektakulärer. Aber der Reihe nach. Ein kleiner geologischer Exkurs löst das Rätsel um die beiden Seen auf. Uralt ist der Rheingraben. 35 Millionen Jahre und mehr hat er auf dem Buckel. Einer der Buckel heißt Pechsteinkopf und ist der einzige Vulkan im Rheingraben. Pechstein ist vereinfacht gesagt eine andere Bezeichnung für Basalt. Fast in allen Bereichen des Rheingrabens schlummerte die Landschaft viele Millionen Jahre lang sanft vor sich. Tektonisch gesehen passierte da kaum was.

In Forst spuckt das Ungeheuer ungeheuer

Nur in Forst spuckte das Forster Ungeheuer ungeheuer. Womit gleichzeitig das bekannt feurige Temperament seiner Einwohner als auch die Bedeutung der weltberühmten Riesling-Weinlage erklärt wäre. Bis in die 80er-Jahre wurde das als „Naturschutzgebiet Haardtrand“ ausgewiesene Gelände um den Pechsteinkopf als Basaltsteinbruch genutzt. Mittels einer zwei Kilometer langen Luftseilbahn wurde das Gestein zu einer an der Bahnlinie gelegenen Verladestation geschafft. Um die Bewohner von Forst vor Lärm und Staub zu bewahren, wurde später ein neues Mahlwerk im Südwesten des Pechsteinkopfs errichtet. Als schließlich der Basaltabbau komplett eingestellt wurde, sperrte man die Trichterränder der Steinbrüche gegen Begehungen ab. Das vorher regelmäßig beim Abbau ausgetretene Wasser wurde nicht mehr abgepumpt und es entstanden unsere beiden wunderschönen Kraterseen. Nur wenige Meter unterhalb des vergleichsweise häufig besuchten ersten Sees liegt unser geheimnisvoller zweiter See, dessen türkisfarbene Auge uns beim Rückweg nach Forst durch das Margaretental völlig unverhofft entgegen leuchtet.

Visionäre Begegnung mitten im Pfälzerwald

Es ist eine visionäre Begegnung, die uns im tiefsten Innern berührt. Mit Tränen in den Augen stehen wir am Rand des ungleich größeren Steinbruchs und blicken in ein tiefes, von steilen, gigantisch hohen Felswänden umkränztes Kraterloch. Hinabsteigen können und dürfen wir nicht. Gefahren- und Verbotsschilder sowie ein Zaun verweisen auf die gefährlich steilen Abgründe.
Ein Badeverbotsschild befindet sich auch am ersten See, dessen vergleichsweise sanfte Böschungen zum gemütlichen Verweilen einladen. Nicht ganz so romantisch geht es an einem heißen Frühsommertag zu, als wir unsere Picknickdecke zwischen zahlreichen Nudisten, Schwimmern, Kletterern und Felsenspringern ausbreiten.

Mitten im tropischen Urwald

Das hat zwar großen Unterhaltungswert, steht aber in einem seltsamen Kontrast zur Naturidylle mit ihrer einmalige Flora und Fauna, die an einen tropischen Urwald erinnert.
Kürzester Zustieg (etwa 1,5 Kilometer) zu den beiden Seen ist vom Wanderparkplatz am Waldrand von Forst durch das Margaretental, wo sich unweit das mit herrlichen Freisitzmöglichkeiten ausgestattete Ausflugslokal „Thomas Waldweinstube“ befindet. Hin und zurück macht das lediglich eine knappe Wanderstunde, womit sich der Ausflug auch als ideales Ziel für Familien mit Kinderwagen empfiehlt. Wir aber verbinden die Highlights des zwischen Wachenheim und Forst gelegenen Wanderreviers mit einer 7 Kilometer langen Rundtour und starten bei der Wachtenburg, die über die steile Treppenanlage vom Wachenheimer Ortskern in wenigen Minuten erreicht wird. Durch das Odinstal führt ein zunächst mit dem Pfälzer Weinsteig-Symbol markierter breiter Forstweg, der in einen Waldpfad mündet und zu einer grünen Bank führt. Hier biegen wir scharf links ab auf einen breiten geschotterten Weg, der nach etwa 300 Metern auf eine Abzweigung nach rechts stößt, die uns direkt zu den Ufern des Basaltsees geleitet. Von dort ist der Rückweg durchs Margaretental, vorbei an den linker Hand hinter dichtem Buschwerke verborgenen zweiten Basaltsee zu „Thomas Waldweinstube“ nicht mehr weit. Durch die Weinberge, begleitet von herrlichen Aussichten in die Rheinebene und Hinweisschildern, die über die weltberühmten Forster Rieslingweinlagen (darunter Forster Pechstein und Forster Ungeheuer) informieren, geht es zurück zu unserem Ausgangspunkt in Wachenheim.

Eckdaten

7 Kilometer, 2 Stunden, ca. 200 Höhenmeter

Wanderroute

Wachenheim – Wachtenburg – Odinstal – Wegspinne Grüne Bank – 1. Kratersee – Margaretental – 2. Kratersee – Wanderparkplatz am Eingang des Margaretentales - Thomas Waldweinstube – Wachenheim

Einkehrmöglichkeiten

Thomas Waldweinstube

Inh. Thomas Papadinas
Im Kleinen Tal bei Forst
67147 Forst
Telefon 0151 54686976

Burgschänke Wachtenburg
Familie Schaffner
Waldstraße
67157 Wachenheim an der Weinstraße
06322 64656

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Autor:

Markus Pacher aus Neustadt/Weinstraße

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