Job-Warnung für Stahl im Saarland: Streit um grünen Umbau

Die Stahlbranche in Deutschland steckt tief in der Krise (Archivbild) | Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Frankfurt. Für Tausende Industriearbeitsplätze steht viel auf dem Spiel. Die IG Metall warnt vor Rückschritten beim Umbau der Stahlindustrie zu klimafreundlicher Produktion.

Der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jürgen Kerner, forderte ein klares politisches Signal für das Geschäftsmodell „grüner Stahl“. Wenn Klimaregeln in Europa aufgeweicht würden, träfe das ausgerechnet Unternehmen, die bereits Milliarden in neue Technik investierten. Betroffen seien unter anderem Werke wie Salzgitter oder Saarstahl.

Nach Angaben der IG Metall hat die Politik rund acht Milliarden Euro Fördermittel für die Transformation der Branche zugesagt. Diese Investitionen bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen. Sollte die Politik Klimavorgaben wieder zurücknehmen, gehe es nicht nur um Steuergeld. Auch Arbeitsplätze bei Vorreiterunternehmen stünden auf dem Spiel. Kerner sprach von rund 20.000 Jobs.

Debatte über Emissionshandel

Hintergrund ist eine geplante Reform des europäischen Emissionshandels. Die EU-Kommission will im Juli neue Vorschläge vorlegen. Teile der Industrie und Politik fordern Erleichterungen, weil der Handel mit CO2-Zertifikaten Kosten für Unternehmen erhöht.

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger warnte bereits vor einer „Rolle rückwärts“. In einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz mahnte sie, der Umbau der Stahlindustrie dürfe nicht gefährdet werden.

Proteste in Berlin und Völklingen

Die IG Metall will den Druck auf die Bundesregierung erhöhen. Für Freitag, 12. Juni, sind Kundgebungen geplant. In Berlin werden Teilnehmer aus etwa 30 Stahlbetrieben erwartet. Parallel ist auch im saarländischen Völklingen eine größere Demonstration angekündigt.

Die deutsche Stahlindustrie steckt seit Jahren in einer schwierigen Lage. Wirtschaftsflaute, hohe US-Zölle und günstige Importe aus Asien setzen den Herstellern zu. 2025 sank die Produktion auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl. Das war der niedrigste Wert seit der Finanzkrise 2009.

Zusätzlich kritisierte Kerner, dass weiterhin mehr als drei Millionen Tonnen Stahl aus Russland nach Europa importiert würden. Diese Mengen müssten durch EU-Sanktionen gestoppt werden.

Auch Stahlverarbeiter sehen sich unter Druck. Der Wirtschaftsverband Stahl und Metallverarbeitung weist darauf hin, dass die Branche fast eine halbe Million Arbeitsplätze stellt. Vor allem mittelständische Betriebe litten unter Konkurrenz aus Asien und hohen Arbeitskosten in Deutschland. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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