Polizeischüsse in Saarbrücken: 22-Jähriger stirbt nach Verfolgung
- Die Spurensicherung war am Sonntag noch vor Ort.
- Foto: Kevin Schößler/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Saarbrücken. Nach einer Verfolgungsfahrt und Polizeischüssen ist in Saarbrücken ein 22 Jahre alter Mann gestorben. Der Vorfall in der Nacht auf Sonntag, 5. April, wirft viele offene Fragen auf. Die Ermittlungen der Behörden dauern an.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft entzog sich ein Auto gegen 1 Uhr in den Bereichen Dudweiler und Herrensohr einer Polizeikontrolle. Einsatzkräfte nahmen daraufhin die Verfolgung auf.
Schüsse nach Wendemanöver in Sackgasse
Das flüchtende Fahrzeug soll in einer Sackgasse gewendet haben. Dabei wurde eine Polizeibeamtin verletzt. Anschließend gaben Polizisten Schüsse auf das erneut flüchtende Auto ab. Kurz darauf kam das Fahrzeug zum Stehen. Der 22 Jahre alte Fahrer wurde durch die Schüsse so schwer verletzt, dass er später starb. Ein 19 Jahre alter Mitfahrer auf der Rückbank wurde ebenfalls getroffen und medizinisch versorgt. Wie schwer seine Verletzungen sind, teilte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht mit. Die verletzte Polizeibeamtin kam vorübergehend in ein Krankenhaus. Sie konnte dieses am Sonntag wieder verlassen. Auch hier blieb zunächst unklar, wie genau die Verletzung entstand.
Wann Polizisten zur Schusswaffe greifen dürfen
Der Einsatz von Schusswaffen ist im Polizeigesetz streng geregelt. Nach Angaben des Kriminologen Tobias Singelnstein von der Goethe Universität Frankfurt gilt er als letztes Mittel. Erst wenn andere Maßnahmen nicht mehr ausreichen, darf eine Waffe eingesetzt werden. Grundsätzlich soll zunächst gegen Sachen und erst danach gegen Menschen geschossen werden. In der Ausbildung lernen Polizeibeamte zudem, auf größere Körperflächen zu zielen. Präzise Treffer auf Arme oder Beine sind in dynamischen Situationen meist kaum möglich.
Gewerkschaft ruft zu Zurückhaltung auf
Die Gewerkschaft der Polizei im Saarland rief nach dem tödlichen Einsatz zu Besonnenheit auf. Der Tod eines Menschen bei einem Polizeieinsatz sei immer tragisch, erklärte der saarländische GdP Vorsitzende Andreas Rinnert. Zugleich warnte er vor voreiligen Schlussfolgerungen und Vorverurteilungen.
Viele Details noch ungeklärt
Mehrere zentrale Punkte sind derzeit noch offen.
- Warum das Fahrzeug kontrolliert werden sollte
- Wie genau die Polizistin verletzt wurde
- Wie schwer der 19-Jährige verletzt ist
- Wie viele Beamte geschossen haben
- Wie viele Schüsse insgesamt fielen
Auch wer die weiteren Ermittlungen führt, teilte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht mit. Die Aufarbeitung des Einsatzes soll nun klären, wie es zu den tödlichen Schüssen kam. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |