Neues Hilfsangebot in Rheinhessen: Seelsorge für Winzer
- Der pensionierte Pfarrer Tobias Kraft kennt sich mit Rheinhessen und Wein aus.
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Rheinhessen. Winzer in wirtschaftlichen und familiären Krisen bekommen in Rheinhessen eine neue vertrauliche Anlaufstelle. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat dafür ein auf zunächst ein Jahr befristetes Angebot der Winzerseelsorge gestartet.
Übernommen haben es der pensionierte Pfarrer Tobias Kraft und die ebenfalls pensionierte Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator aus Oppenheim. Beide sprechen mit Betroffenen vertraulich und vermitteln bei Bedarf weitere Hilfe. Erster Kontakt ist per Telefon unter +49 151 1113 4401 und +49 170 241 6441 oder per Mail an winzerseelsorge@ekhn.de möglich.
Warum das Angebot jetzt startet
Viele Weinbaubetriebe stehen seit Jahren unter starkem Druck. Genannt werden sinkende Erlöse, deutlich gestiegene Kosten, ein rückläufiger Weinkonsum, Folgen des Klimawandels und US-Zölle. Nach Angaben aus Rheinhessen betrifft das vor allem kleinere Betriebe sowie Fasswein- und Traubenvermarkter.
Hinzu kommt der Preisverfall bei Fasswein. Nach Darstellung des Marketingnetzwerks Rheinhessenwein geraten viele Familienbetriebe dadurch besonders unter Druck. Gleichzeitig sind Ausgaben für Maschinen, Geräte, Energie und Mindestlohn gestiegen.
Vor allem kleine Betriebe sind betroffen
Pfarrer Kraft sagt, besonders hart treffe es die kleineren Betriebe. Er verweist auf sehr niedrige Verkaufspreise im Handel. Selbst Qualitätswein aus Rheinhessen sei bereits für rund einen Euro pro Flasche angeboten worden. Die Lage ist so angespannt, dass die EU in Rheinhessen sogar die Krisendestillation von Rosé- und Rotweinen unterstützt. Dabei wird Wein zu Industriealkohol verarbeitet, etwa für Reinigungsmittel.
Worum es in den Gesprächen geht
Nach Angaben des rheinland pfälzischen Weinbauministeriums wächst der Bedarf an niedrigschwelligen und vertraulichen Unterstützungsangeboten. Die Gespräche mit den Seelsorgern können in den Betrieben oder im Dekanatsbüro in Alzey stattfinden. Das Angebot richtet sich nicht nur an Mitglieder einer bestimmten Konfession.
Themen sind neben wirtschaftlichen Sorgen auch familiäre Belastungen. Dazu zählen etwa Trennungen mit finanziellen Folgen oder Konflikte bei der Hofnachfolge, wenn jüngere Generationen den Betrieb nicht weiterführen wollen.
- Kontakt: telefonisch oder per Mail
- Ort der Gespräche: im Betrieb oder im Dekanatsbüro in Alzey
- Ziel: zuhören, entlasten und passende Hilfen vermitteln
- Zusätzliche Hilfe: auf Wunsch auch ökonomische Beratung durch Fachstellen
Warum die Kirche auf Winzer schaut
Auslöser für das Projekt war nach Angaben von Kraft der Suizid eines Weinbauern. Für ihn geht es dabei nicht nur um Absatzprobleme, sondern auch um die Kulturlandschaft und Identität Rheinhessens. Weinbau prägt die Region seit Jahrhunderten. Wenn Betriebe aufgeben, verändert das auch das Landschaftsbild.
Die Winzerseelsorge soll deshalb nicht nur erste Hilfe leisten, sondern auch ein regionales Netzwerk ausbauen und über bestehende Unterstützungsangebote informieren. Nach einem Jahr soll entschieden werden, ob das Projekt fortgesetzt wird. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |