Comeback bei Heidelberg nach Hirntumor: Paul Zipsers langer Weg zurück
- Paul Zipser: "Alleine mit der rechten Hand ins Handy zu tippen, war ultra schwierig." (Archivbild)
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Heidelberg. Für Basketballfans im Südwesten bleibt Paul Zipser ein besonderer Name. Der frühere NBA Spieler steht trotz einer schweren Hirnoperation wieder auf dem Feld der MLP Academics Heidelberg und hat nach einer dramatischen Krankheitsgeschichte einen neuen Blick auf Sport und Leben gewonnen.
Der Flügelspieler aus Heidelberg gehörte einst zu den größten deutschen Talenten. Im Sommer 2016 wurde Zipser beim FC Bayern München zum besten Nachwuchsspieler der Bundesliga gewählt. Kurz darauf erfüllte sich der Traum vieler Profis. Der Sprung in die NBA.
Beim Draft wurde der 2,03 Meter große Spieler in der zweiten Runde an Position 48 ausgewählt. Die Chicago Bulls holten ihn direkt in die stärkste Liga der Welt. Dort spielte er zwei Jahre lang gegen Stars wie LeBron James, Kevin Durant und Giannis Antetokounmpo.
NBA Traum und Rückkehr nach Europa
Die Zeit in den USA verlief jedoch nicht ohne Probleme. Immer wieder bremsten Verletzungen seine Entwicklung. Nachdem ein Ermüdungsbruch im linken Fuß lange unentdeckt blieb, verließ Zipser die NBA frustriert. Über eine Station in Spanien kehrte er schließlich zum FC Bayern München zurück.
In München fand der Nationalspieler wieder zu alter Stärke. Vor den Playoffs um die deutsche Meisterschaft fühlte er sich körperlich so gut wie lange nicht mehr.
Plötzliche Symptome vor wichtigem Spiel
Kurz vor einem Halbfinalspiel gegen Ludwigsburg änderte sich alles. Zipser klagte plötzlich über starke Kopfschmerzen und Schwindel. Beim Warmwerfen lief er unsicher und sah zeitweise nichts mehr. Sein Trainer Andrea Trinchieri verzichtete vorsorglich auf den Einsatz.
Am nächsten Tag verschlechterte sich der Zustand. Die rechte Gesichtshälfte fühlte sich taub an. In einer Klinik stellten Ärzte schließlich die Diagnose. Ein Kavernom im Gehirn. Dabei handelt es sich um eine gutartige Gefäßmissbildung.
Das Problem lag an der Lage des Tumors. Er befand sich am empfindlichen Hirnstamm. Dort liegen wichtige Zentren für Koordination, Atmung und Sehen.
Sechseinhalb Stunden Operation
Die Operation an der Universitätsklinik der Technischen Universität München dauerte länger als geplant. Chirurgen öffneten den Schädel hinter dem rechten Ohr und entfernten das Kavernom in einem rund sechseinhalb Stunden langen Eingriff.
Der Weg zurück war schwierig. Nach der Operation kämpfte Zipser mit starken Einschränkungen auf der rechten Körperseite. Selbst einfache Bewegungen wie Tippen auf dem Handy fielen schwer. Zusätzlich erlitt er während der Rehabilitation eine Lungenembolie und musste zeitweise auf die Intensivstation.
15 Sekunden als emotionales Comeback
Trotz der Rückschläge kehrte Zipser überraschend schnell zurück auf das Parkett. Anfang März 2022 stand er wieder für den FC Bayern auf dem Feld. Gegen Hamburg wurde er für 15 Sekunden eingewechselt.
Für viele im Verein war dieser kurze Einsatz ein symbolischer Moment. Der damalige Geschäftsführer Marko Pesic sprach später von einer kleinen Ewigkeit.
Neues Kapitel bei den MLP Academics Heidelberg
Heute spielt Zipser wieder in seiner Heimatstadt für die MLP Academics Heidelberg. Der Spieler von früher ist er nach eigener Einschätzung nicht mehr. Die Operation hat seine körperlichen Möglichkeiten verändert.
Statt auf maximale Leistungssteigerung konzentriert sich der frühere Nationalspieler inzwischen stärker auf das Leben abseits des Sports. Auch nach dem Abstieg der Heidelberger aus der Bundesliga will er in der kommenden Saison weiter für den Verein auflaufen. Seine Priorität hat sich verschoben. Im Mittelpunkt steht nicht mehr nur die Karriere, sondern vor allem das Leben selbst. dpa/red
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |