Heidelbergs Behindertenbeauftragte Christina Reiß geht in Ruhestand
- Bürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain bedankte sich bei der langjährigen Kommunalen Behindertenbeauftragten Christina Reiß für ihr außerordentliches Engagement und wünschte ihr alles Gute für die Zukunft.
- Foto: Stadt Heidelberg
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Heidelberg. Nach zehn Jahren als kommunale Behindertenbeauftragte ist Christina Reiß am Freitag, 9. Oktober, in den Ruhestand verabschiedet worden. Für viele Menschen in Heidelberg ist ihr Name mit ganz konkreten Verbesserungen verbunden, von mobilen Rampen bis zu barrierefreien Angeboten im Alltag.
Bürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain verabschiedete Reiß aus gesundheitlichen Gründen in Vertretung von Oberbürgermeister Eckart Würzner. Wie die Stadt Heidelberg mitteilt, hat Reiß seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2016 die Interessen von Menschen mit Behinderungen vertreten, Missstände benannt und Veränderungen in Verwaltung und Stadtgesellschaft angestoßen.
Als unabhängige Ansprechpartnerin beriet sie die Stadtverwaltung bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. In Beschwerdefällen vermittelte sie zudem als neutrale Ombudsperson.
Viele sichtbare Veränderungen im Stadtalltag
Zu den Ergebnissen ihrer Amtszeit zählen mobile Rampen für Geschäfte und Veranstaltungen, Kabelbrückenrampen im öffentlichen Raum und fünf Toiletten für alle. Auch die Mobilität von Menschen mit Gehbehinderungen verbesserte sich nach Angaben der Stadt durch Rollstuhltaxis, Taxigutscheine und barrierefreie Carsharing-Angebote.
Reiß brachte außerdem die Anforderungen unterschiedlicher Nutzergruppen frühzeitig in die Planung der Rhein-Neckar-Tram ein. Mit Schulungen, Praxishilfen und Beratungsangeboten unterstützte sie städtische Ämter dabei, Barrierefreiheit stärker im Arbeitsalltag mitzudenken.
Bundesweit Aufmerksamkeit erhielt ihre Bestandsaufnahme zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Heidelberg aus dem Jahr 2019. Im anschließenden Inklusionslabor konnten Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen für eine inklusive Stadtentwicklung einbringen.
Auch Kultur und Erinnerungskultur gehörten zu ihren Arbeitsschwerpunkten. Gemeinsam mit dem Theater und Orchester Heidelberg initiierte sie das inklusive Theaterprojekt Ein Platz im Gedächtnis, das an die Opfer von Euthanasie und Zwangssterilisation erinnerte und mit dem ersten Preis des bundesweiten Theaterwettbewerbs andersartig gedenken on stage ausgezeichnet wurde.
Ein besonderes Anliegen waren ihr nach Angaben der Stadt Menschen mit psychischen Erkrankungen und nicht sichtbaren Behinderungen. Dazu gehörten die Beteiligung am Welttag der seelischen Gesundheit, die Einführung der Stillen Stunde und die Broschüre Voll die Krise?!? mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten.
Darüber hinaus setzte sich Reiß für barrierefreie Kulturveranstaltungen und inklusive Naturerlebnisse ein. Ein Hilfsmittelpool mit mobiler Rampe, Induktionshöranlage, Lärmschutzkopfhörern und mobilem Hublift erleichtert inzwischen die inklusive Gestaltung von Veranstaltungen. Sie unterstützte auch die Anschaffung eines geländegängigen Elektrorollstuhls für Natürlich Heidelberg sowie die Entwicklung barrierefreier Wander- und Freizeitangebote.
Offen bleibt aus ihrer Sicht vor allem ein Thema. Nach Angaben der Stadt sieht Reiß weiterhin zu wenige bezahlbare barrierefreie Wohnungen in Heidelberg. Sie verbindet ihren Abschied mit der Hoffnung, dass die Stadt dieses Thema bei künftigen Stadtentwicklungsprojekten konsequent berücksichtigt.
Die Aufgaben der kommunalen Behindertenbeauftragten übernimmt zunächst kommissarisch Valerie Gebhardt. Die Stadt schreibt die Stelle zeitnah zur Besetzung aus. Weitere Informationen gibt es bei der Stadt Heidelberg unter https://HD/service/kontakt.html#anker566809 oder per E-Mail an stadt@heidelberg.de.
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |