Heidelberg verleiht Hilde-Domin-Preis an Julia Cimafiejeva

Die Schriftstellerin Julia Cimafiejeva (links) erhielt den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2026 am 20. Oktober 2026 im Heidelberger Rathaus aus den Händen von Kulturamtsleiterin Dr. Andrea Edel überreicht. | Foto: Konrad Gös
  • Die Schriftstellerin Julia Cimafiejeva (links) erhielt den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2026 am 20. Oktober 2026 im Heidelberger Rathaus aus den Händen von Kulturamtsleiterin Dr. Andrea Edel überreicht.
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Heidelberg. Im Heidelberger Rathaus hat die Stadt am Dienstag, 20. Oktober, die Schriftstellerin Julia Cimafiejeva mit dem Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und würdigt Autorinnen und Autoren, die im Exil in Deutschland leben oder sich als Nachkommen literarisch mit dem Thema befassen und auf Deutsch publizieren.

Kulturamtsleiterin Dr. Andrea Edel überreichte die Auszeichnung. Wie die Stadt Heidelberg mitteilt, geht der Preis in diesem Jahr an eine Autorin, die in ihrer Arbeit persönliche Erfahrungen, Exil und europäische Geschichte miteinander verbindet.

Die Jury hob besonders Cimafiejevas Gedichtzyklus Blutkreislauf hervor. In ihrer Begründung erklärte sie: „Die belarusische Dichterin und Übersetzerin Julia Cimafiejeva nimmt in ihrem Werk – insbesondere im Gedichtzyklus ‚Blutkreislauf‘ (edition.fotoTAPETA 2025) – das eigene Erleben und Exil zum Anlass, um in fein gewebten Bildern Erfahrungen und Erinnerungen zu Heimat, Flucht, Vertreibung und ‚Ankommen' zu reflektieren. Dabei kehrt sie zurück in die Geschichte des blutigen 20. Jahrhunderts – nach Tschernobyl ebenso wie in NS-Zwangsarbeitslager, wo Familienangehörige interniert waren. Ihr immer neu ansetzendes Nachdenken wird von einer lyrischen Sprache getragen, die gleichermaßen sich selbst wie vertraute Vorstellungen von Europa hinterfragt: Wem gehört Erinnerung? Wie gelangen auch intergenerationelle Erfahrungen des Exils zum Ausdruck? Was gibt Anlass zu Hoffnung?“

Preis erinnert an Hilde Domin

Dr. Andrea Edel dankte der Preisträgerin für ihr Werk und sagte: „Sie erzählen uns nicht nur Geschichten aus Ihrer persönlichen Vergangenheit. Sie liefern uns zugleich auch Einblicke in unsere eigene deutsche Vergangenheit und weiten unseren Blick auf die Geschichte mit großem G.“

Die Lyrikerin, Übersetzerin und Essayistin Uljana Wolf würdigte Cimafiejeva in ihrer Laudatio als „Archivarin und Erinnerungskünstlerin“ von Geschichten und Geschichte. Wolf sagte: „Diese Unternehmung ist ein Glück für die Literatur. Mit der ‚Nadel des Gedichts‘ vernäht Cimafiejeva ‚vielfach aufgetrennte Familienerinnerungen‘ zu einer luziden Bildsprache, die Grundfragen menschlicher Existenz berührt. Ihre Texte leben von einer unbestechlichen Beobachtungsgabe, von larmoyanzloser Selbstbefragung, von der präzisen Architektur sparsamer Zeilen, deren Brüche und Ränder zuweilen selbst wie ausgeschnitten wirken aus einer großen Unmöglichkeit. Und sie leben von einer feinen Prise (Selbst)-Ironie, wenn es darum geht, eine Sprache für die Existenz als ‚emigrantenbaukasten‘ zu finden“, so Wolf.

Julia Cimafiejeva wurde 1982 in Brahin in Belarus geboren. Sie lebt seit 2025 mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Alhierd Bacharevič, in Berlin. Das Paar hatte Belarus 2020 aus politischen Gründen verlassen und lebte danach unter anderem in Graz, Chemnitz, Zug und Hamburg im Exil.

Cimafiejeva veröffentlichte seit 2014 fünf Gedichtbände auf Belarusisch. Auf Deutsch erschienen von ihr die Bände Zirkus, Minsk. Tagebuch, Der Angststein und zuletzt Blutkreislauf. Ebenfalls 2025 erschien die Sammlung Ich zerschneide die Geschichte.

Den Preis stiftete die Stadt Heidelberg 1992 anlässlich des 80. Geburtstages von Hilde Domin. Seitdem vergibt die Stadt die Auszeichnung alle drei Jahre. Nach dem Tod der Ehrenbürgerin im Februar 2006 erhielt sie den Namen Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil.

Autor:

Charlotte Basaric-Steinhübl aus Mannheim

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