125 Jahre Vermessungsamt: So macht Heidelberg die Stadt digital sichtbar
- Digitale Vermessung und Geodaten bilden eine wichtige Grundlage für Planung, Bauen und Stadtentwicklung in Heidelberg.
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Heidelberg. Wer wissen will, wo Grundstücksgrenzen verlaufen, wie Bauprojekte geplant werden oder warum Heidelberg heute digital bis in die dritte Dimension erfasst ist, landet schnell beim Vermessungsamt. Die Dienststelle feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen und zeigt, wie stark sich ihre Arbeit vom Messen mit Messlatte und Theodolit zur digitalen Stadtgrundlage gewandelt hat.
Wie die Stadt Heidelberg mitteilt, begleitet das Amt bis heute zentrale Fragen des Alltags und der Stadtentwicklung. Dazu gehören Grundstücks- und Bauvermessungen, das Liegenschaftskataster, der amtliche Stadtplan, Geodaten und die Grundstückswertermittlung.
Heute arbeiten 42 Beschäftigte in den Bereichen Vermessung, Liegenschaftskataster, Gutachterausschuss und Geographisches Informationssystem. Über das städtische Geoportal stellt die Verwaltung ausgewählte Informationen wie Bebauungspläne, Luftbilder, Liegenschaftsdaten oder Stadtteilgrenzen auch für Bürgerinnen und Bürger bereit.
Von Handarbeit zur digitalen Stadt
Am Anfang stand die verlässliche Vermessung von Grund und Boden. Später kamen neue Aufgaben hinzu, etwa bei der Bereitstellung von Flächen für Wohngebiete und Gewerbe, bei Konversionsflächen oder bei der Beobachtung des Grundstücksmarkts.
Das Vermessungsamt bewahrt bis heute auch einen großen analogen Bestand. Dazu gehören rund 7.500 Pläne und Karten, etwa 400 gebundene Bücher mit Vermessungsunterlagen sowie rund 35.000 lose Fortführungsnachweise.
Technisch hat sich die Arbeit grundlegend verändert. Statt einzelner Messpunkte erfassen Laserscanner, Satellitennavigation und Drohnen heute große Datenmengen. Im Geographischen Informationssystem sind inzwischen 570 Kilometer Straßen und rund 50.000 Bäume erfasst.
Auch das 3D-Stadtmodell gehört inzwischen zu den wichtigen Werkzeugen. In langjähriger Vorarbeit hat das Amt 40.000 Gebäude dreidimensional erfasst. Insgesamt umfasst der digitale Datenbestand rund 20 Terabyte.
Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck sagte bei einem Pressetermin am Dienstag, 29. September: „Was man nicht sieht, ist oft das, worauf alles andere aufbaut: Seit 125 Jahren sorgt das Vermessungsamt dafür, dass Heidelberg maßgenau erfasst, geplant und entwickelt werden kann. Ob bei der Entwicklung neuer Quartiere, bei Bauvorhaben, im Grundstückswesen oder mit exakten Geodaten – die vielfältigen Aufgaben des Amtes bilden eine wichtige Grundlage für zahlreiche Entscheidungen und Projekte der Stadt. Dabei ist Vermessung längst nicht mehr nur eine Frage von Maßband und Messlatte: Mit modernster Technik, digitalen 3D-Modellen und hochpräzisen Geodaten arbeitet das Vermessungsamt heute auf dem neuesten Stand der Technik. So macht es unsere Stadt sichtbar, planbar und zukunftsfähig“.
Auch Straßennamen und Hangbewegungen gehören dazu
Das Amt übernimmt nicht nur klassische Vermessungsaufgaben. Es unterstützt auch die Kommission für Straßenbenennungen. Sie prüfte in 57 Sitzungen insgesamt 319 personenbezogene Namen, stellte bei 58 Namen Belastungen fest und empfahl bei neun, eine Umbenennung zu prüfen. Seit 2017 beschloss der Gemeinderat auf dieser Grundlage 34 neue personenbezogene Straßen- und Platznamen.
Außerdem überwacht das Amt mit Deformationsmessungen Veränderungen an Gebäuden oder im Gelände. Ein Beispiel sind die Bewegungen am Heiligenberghang. Auch Bauwerke wie die Alte Brücke erfasst das Amt mit Laserscannern und Drohnen präzise.
Für die kommenden Jahre plant das Vermessungsamt weitere technische Schritte. Dazu gehören die flächendeckende Schaffung von Landeskoordinaten, das Informationssystem Liegenschaftskatasterakten und der stärkere Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Robotik.
Das Jubiläumsjahr läuft weiter. Weitere Termine, Videos und Inhalte veröffentlicht die Stadt auf der Jubiläumswebsite https://www.heidelberg.de/125jahrevermessungsamt.
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |