Heidelberg: Eingliederungshilfen größter Bereich in der Jugendhilfe

Wenn Familien stark belastet sind, braucht es schnell passende Unterstützung und manchmal auch Schutzplätze. | Foto: hedgehog94/stock.adobe.com
  • Wenn Familien stark belastet sind, braucht es schnell passende Unterstützung und manchmal auch Schutzplätze.
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Heidelberg. In Heidelberg bekommen immer mehr Kinder und Jugendliche Eingliederungshilfe. Damit ist diese Hilfeart erstmals häufiger als die klassischen Hilfen zur Erziehung. Das zeigt ein aktueller Bericht, den die Stadtverwaltung dem Jugendhilfeausschuss am Mittwoch, 17. September vorgestellt hat.

Im Jahr 2025 gewährte die Kinder- und Jugendhilfe in Heidelberg 518 Hilfen zur Erziehung. Das waren 67 Fälle weniger als im Vorjahr. Die Ausgaben sanken dadurch auf rund 9,8 Millionen Euro. Gleichzeitig sieht der Allgemeine Soziale Dienst die Problemlagen als komplexer und den Aufwand bei der Bedarfsermittlung als höher an.

Mehr Eingliederungshilfen, mehr Inobhutnahmen

Die Zahl der Eingliederungshilfen für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung oder drohender seelischer Behinderung stieg erneut. Sie erhöhte sich auf 519 Fälle und lag damit erstmals über den Hilfen zur Erziehung. Mit rund 50 Prozent Anteil stellen Eingliederungshilfen inzwischen die größte Hilfeart bei den individuellen Jugendhilfeleistungen. Die Ausgaben stiegen auf rund 10,7 Millionen Euro. Als Gründe nennt der Bericht neben höheren Fallzahlen auch zunehmend komplexe und kostenintensive Unterstützungsbedarfe.

Auch im Kinderschutz blieb die Lage anspruchsvoll. 2025 stieg die Zahl der Gefährdungsmeldungen auf 399 Fälle. Gleichzeitig ging die Zahl der bestätigten Kindeswohlgefährdungen leicht auf 174 zurück. Deutlich nahm die Zahl der Inobhutnahmen zu. 126 Kinder und Jugendliche mussten vorübergehend in Schutz genommen werden, 25 mehr als im Vorjahr. Dafür fielen rund 1,4 Millionen Euro an.

Bei den unbegleiteten minderjährigen Ausländerinnen und Ausländern blieb die Entwicklung laut Bericht weitgehend stabil. Mit 89 Hilfen lag die Fallzahl nahezu auf Vorjahresniveau. Rund 87 Prozent der jungen Menschen betreute die Jugendhilfe stationär. Das Land erstattet die Kosten von etwa 3,5 Millionen Euro vollständig. Seit 2024 beobachtet die Stadt in diesem Bereich einen rückläufigen Trend bei den Inobhutnahmen.

Im Landesvergleich schneidet Heidelberg weiterhin gut ab. Bei den erzieherischen Hilfen lagen die Ausgaben 2024 bei 697 Euro je Einwohnerin und Einwohner unter 21 Jahren. Der Durchschnitt der baden-württembergischen Stadtkreise lag bei 988 Euro. Die Stadt führt das auch auf eine gut ausgebaute präventive Infrastruktur zurück, zum Beispiel mit Frühen Hilfen, Erziehungsberatung, Schulsozialarbeit und offener Kinder- und Jugendarbeit.

Eine wachsende Herausforderung bleibt laut Bericht die Versorgung mit passgenauen Hilfen. Vor allem bei stationären Unterbringungen fehlen häufig geeignete Plätze. Die Suche dauert teilweise Wochen oder Monate und reicht zunehmend über die Region hinaus. Auch bei Inobhutnahmen stoßen Kapazitäten immer häufiger an Grenzen. Zusätzlich nennt der Bericht einen Rückgang von Familien, die Bereitschafts- oder Vollzeitpflege übernehmen.

Bürgermeisterin Stefanie Jansen, Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit der Stadt Heidelberg, sagt: „Hinter jeder Zahl stehen Kinder, Jugendliche und Familien in oftmals sehr belastenden Lebenssituationen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe leisten täglich anspruchsvolle Arbeit, um Schutz, Unterstützung und Perspektiven zu ermöglichen. Der Bericht macht zugleich deutlich, dass wir präventive Strukturen erhalten und weiter stärken müssen, wenn wir Kindern und Familien auch künftig bedarfsgerecht helfen wollen“.

Die Stadtverwaltung betont, dass die Hilfen in Heidelberg als wirksam und nachhaltig bewertet werden. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass die Kinder- und Jugendhilfe dafür auch künftig verlässliche personelle, strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen braucht.

Autor:

Jens Vollmer aus Kaiserslautern

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