Fischkinderstube dient nicht nur den Fischen als Laichgewässer
Vorbildliches Projekt

Auch dieses Ehepaar schätzt die Fischkinderstube als idyllisches Naherholungsziel.
  • Auch dieses Ehepaar schätzt die Fischkinderstube als idyllisches Naherholungsziel.
  • Foto: Schäfer
  • hochgeladen von Christian Gaier

Von Hannelore Schäfer
Edingen-Neckarhausen. Die „Fischkinderstube“, dieses vorbildliche gewässerökologische Projekt dient nicht nur den Fischen als Laichgewässer, sie stellt auch ein tolles Naherholungsgebiet für den Menschen dar. Mehrere Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Holzstege ermöglichen einen buchstäblich erweiterten Einblick auf das Areal, das es im Einklang mit der Natur auch zu schützen gilt. Inzwischen wurden bereits zwölf Fischarten in der Fischkinderstube gesichtet. Abseits der viel befahrenen Neckarschifffahrtsstraße soll das Seitengewässer den Fischen als Ruhezone dienen und einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.
Was lange währt, wird endlich gut. Diese sprichwörtliche Redensart gilt auch für die Fischkinderstube. Nach 18-monatiger Bauzeit wurde das Millionenprojekt kürzlich offiziell eingeweiht. Im Vorfeld gab es hitzige Diskussionen. Am Ende überzeugt das aus Menschenhand geschaffene Biotop auch seine Kritiker. Am Aktionstag „Lebendiger Neckar“ hatten die „NABU“-Ortsgruppe sowie die Gemeinde jeweils einen Stand auf dem Areal aufgeschlagen die guten Zuspruch fanden.
Bei der Gelegenheit waren insbesondere die Kinder der Natur auf der Spur. Ursprünglich waren es Überlegungen der Angler, das im Gewann Tagweide gelegene Gelände in ein Laichgewässer für den Fisch-Nachwuchs zu verwandeln. Das war 2005, bis zur Realisierung sollten noch einige Jahre ins Land gehen. Der damalige Bürgermeister Roland Marsch erkannte die einmalige Chance für die Gemeinde und wurde zum engagierten Förderer und fleißigen Spendensammlers dieses Vorhabens.
Nach dem symbolischen Spatenstich Ende 2015 nahm das Projekt langsam Formen an. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 3, 6 Millionen Euro. Davon steuert das Land circa drei Millionen Euro bei. Den verbliebenen Rest deckten vor allem zwei großzügige Privatspenden der Familie Brune und von Traudl Engelhorn sowie Zuwendungen der Fischerei. In dankbarer Anerkennung der beiden Großspender heißt das Seitengewässer jetzt Brune-Engelhorn-See wie in Stein gemeißelt zu lesen steht. Die Fischkinderstube ist 320 Meter lang und bis zu 55 Meter breit.
Die Wasserfläche beträgt 13 000 Quadratmeter und die Wassertiefe liegt zwischen 2,5 und vier Metern. Das Seitengewässer mit seinen zwei Durchlässen, Holzstegen, einer Brücke und Trittsteinen vereint ökologische und pädagogische Zielsetzungen. Letztere kommen vor allem beim „grünen Klassenzimmer“ zum Tragen. Die im Halbrund angeordneten Steinblöcke erinnern an ein Amphitheater. Darüber spannt sich ein ausgedehntes Sonnensegel unter dem die Sommerhitze erträglich ist. Mancher Spaziergänger genoss die angenehmen Schattenseiten bereits mit Kind, Hund und Kegel. Mehrere Hundetoiletten lassen keine Ausreden über „fallen gelassenen Hinterlassenschaften“ der Vierbeiner zu. Auch die Liebe zum Detail ist beeindruckend. „Das auf dem hinteren Holzsteg montierte Fernrohr ist eine Superidee und zudem ist die Benutzung völlig kostenfrei, wo gibt es das sonst noch“, bemerkte ein Besucher erfreut.
Außerdem wurde eine kleine Service-Station für Radfahrer eingerichtet. Am Aktionstag „Lebendiger Neckar“ wurde davon gerne Gebrauch gemacht. Auch Spaziergänger zogen grüppchenweise auf den gut begehbaren Wegen ihre Kreise. Wir kommen jetzt sicher öfter hierher, die Fischkinderstube ist ein idyllisches Naherholungsziel geworden“, erzählte ein Ehepaar mit Kinderwagen.
Dass in der Fischkinderstube auch schon scharenweise Fischlein schwimmen, konnten Kinder am Aktionstag mit „Guckgläsern“ aus Rohrteilen und Klarsichtfolien beobachten. Die NABU-Ortsgruppe um Stefan Brendel hatte mit diesen selbstgebastelten Teilen für den guten Durchblick gesorgt. Am Stand der Gemeinde war man Frosch „Rudi“ auf der Spur. Und mit geschenkten Blütensamen als insektenfreundlicher Nahrungsquelle konnte man auch im heimischen Garten die Saat zum Wohle von Fauna und Flora aufgehen lassen.

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