Heddesheimer Vogelexperte Kurt Klemm plädiert für ganzjährige Zufütterung.

 Auch Rauchschwalben sind immer häufiger auf künstliche Nisthilfen angewiesen.  | Foto: ha
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Heddesheim /Region. „Es fehlen die Insekten, es fehlen die Nistmöglichkeiten und dann kommt auch noch der Klimawandel hinzu, die heimische Vogelwelt hat es derzeit wirklich nicht leicht“, ist Kurt Klemm überzeugt. Als „Ersatz-Papa“ für verwaiste Vogelkinder hat der Heddesheimer zwar gesundheitsbedingt aufgehört, aber Natur und Vogelwelt liegen ihm weiterhin am Herzen. Damit bleibt er zumindest beratend seinen naturnahen Interessen treu.

Auch wenn man kein Händchen oder das entsprechende Fachwissen für die Aufzucht verlassener Jungvögel hat, gibt es probate Mittel, die jeder tun kann, um unseren gefiederten Freunden wirksam unter die Fittiche zu greifen. Dazu zählt die ganzjährige Zufütterung. In entsprechenden Fachabteilungen gibt es zwischenzeitlich Sommerfutter, das der Jahreszeit angepasst ist. Von diesem Futter ernähren sich, laut Klemm, insbesondere die Altvögel, der Nachwuchs wird stets mit proteinreicher Insektennahrung aufgezogen, an der es aber massiv mangelt.

Oft wird beobachtet, wie sich Eltern an den Futterstellen stärken, um sich dann auf die Suche nach frischen Insekten und Raupen für die Jungvogel-Versorgung zu machen. „Monokulturen, Pestizide, Versiegelung der Böden und fehlende Blumenwiesen – all das macht den Insekten Garaus“, ist Kurt Klemm überzeugt und fügte an: „Seit langer Zeit ist ein massives Insektensterben im Gange.“ Klar, dass bei dem Mangelangebot, insbesondere in der Brutzeit, nicht alle satt werden können.
Unter der Prämisse kann eine Zufütterung die Elterntiere entlasten und so für mehr verfügbare Nahrungsressourcen für die Jungvögel sorgen. „Die Koryphäe unter den deutschen Ornithologen, Professor Peter Berthold, rät schon seit vielen Jahren zu diesen Maßnahmen“, betont Klemm und ergänzt: „Wer es für Alt und Jung unter den Gefiederten besonders gut meint, kann zudem ein leeres Aquarium oder Ähnliches mit Mehlwürmern aufstellen, aus dem sich die Vögel bedienen können.“ Und zu jeder Jahreszeit stets an eine saubere Vogeltränke denken. „Wenn keine Wasserstelle eingerichtet ist, müssen die Vögel oftmals weite Strecken fliegen, um ihren Durst zu löschen und das verbraucht eine Menge Energie“, weiß Klemm. Auf Hygiene an Futterstelle und Tränke muss allerdings besonders geachtet werden.

Die Vögel leiden mitunter aber nicht nur an Wassermangel, sommerliche Hitzeperioden machen ihnen noch anderweitig zu schaffen. „Die Mauersegler beispielsweise verbringen nahezu ihr ganzes Leben in der Luft. Zur Aufzucht der Jungen nisten sie häufig unter Ziegeln und Dachvorsprüngen und das wird bei den zwischenzeitlich bei uns herrschenden Sommertemperaturen ganz schön unangenehm“, registriert der Vogelfreund und fügt an: „Die Gluthitze hält kein Vogel aus, deshalb springt der Nachwuchs immer häufiger aus dem Nest und sitzt dann hilflos am Boden.“

Um den eleganten Fliegern eine klimatisch angenehmere Behausung zu schaffen, rät der Experte zum Anbringen künstlicher Nisthilfen an weniger sonnenexponierten Dachvorsprüngen des Hauses. Überhaupt sollte man darauf achten, dass Nistgelegenheiten nicht der prallen Sonne ausgesetzt sind. Auch die selten gewordenen Rauchschwalben in den immer seltener werdenden Stallungen sind verstärkt auf Nisthilfen angewiesen. Für manch andere Vogelart ist das Plätzchen im Grünen eine prima Sache, gerade auch dann wenn der Nachwuchs ausfliegt und sich selbstständig auf Futtersuche macht. Gartenbesitzer haben dabei die Gelegenheit ganz naturnah zu helfen. Vogelgezwitscher ist die schönste Gartenmusik“, ist Kurt Klemm überzeugt. Manch einer fühlt sich im Mehrparteienhaus wohl, andere bevorzugen lieber das ruhigere Einfamilienhaus – was auf uns Menschen zutrifft, findet sich auch in der Vogelwelt. „Wenn man sich nur einmal umschaut, wo überall Vögel nisten und wie unterschiedlich ihre Nester aussehen, wird einem klar, warum ein abwechslungsreich und naturnah gestalteter Garten so viel Anziehungskraft auf die Vögel ausübt“, weiß Klemm und ergänzt: „Sollten die natürlichen Gegebenheiten allerdings nicht ausreichen, kann man die Vögel mit künstlichen Nisthilfen unterstützen.“

Zudem können Hobbygärtner, laut Klemm, einiges tun, um den Vögeln mit einem natürlichen Nahrungsangebot den Tisch zu decken und die Insektenvielfalt zu fördern. Insbesondere der Nutzen von Brennnesseln und verschiedener Distelarten sei häufig verkannt worden. Viele Blumen haben nicht nur optisch etwas zu bieten, sie dienen auch als „Insektenweide“ Daher lohnt es sich für einen bunt blühenden Garten zu sorgen. Aber Vorsicht: Nicht jede Blume ist auch eine insektenfreundliche Pflanze. „Ideal sind Blumen mit einfachen, ungefüllten Blüten und einer möglichst langen Blühdauer, so dass die Nützlinge über einen längeren Zeitraum versorgt sind“, rät Klemm. Übrigens: Nicht nur das Interesse an der Natur auch das am Gärtnern wächst. Wer sich mit Flora und Fauna beschäftigt findet damit sicher sein eigenes Tor zum (Garten)-Paradies. ha

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