Für die Opfer der NS-Psychiatrie im Pfalzklinikum
Gedenktag

Kranzniederlegung am Gedenktag für NS-Opfer in Klingenmünster.
  • Kranzniederlegung am Gedenktag für NS-Opfer in Klingenmünster.
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  • hochgeladen von Britta Bender

Klingenmünster. „Demokratie scheint uns als Nachkriegsgeneration selbstverständlich - aber gegenläufige Kräfte erhalten politischen und gesellschaftlichen Zuspruch. Wir müssen deshalb dafür Sorge tragen, dass Gedenkorte wie dieser als Lernort bestehen. Begleiten soll uns dabei eine Frage: Welches Recht hat ein Mensch, sich über einen anderen zu erheben?“
Diesen Appell, das Wissen um die Verbrechen in der NS-Zeit wachzuhalten, richtete Albrecht Hornbach, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Hornbach Baumarkt AG, an die Anwesenden des Gedenktags für die Opfer der NS-Psychiatrie am Standort Klingenmünster.
Uwe Pfeiffer, Ärztlicher Direktor des Pfalzklinikums, knüpfte mit Worten von Roman Herzog an: „Wir erinnern uns nicht, um unser Entsetzen zu konservieren. Wir erinnern uns, um Lehren zu ziehen.“ Es sei eine Verantwortung für die Folgegenerationen entstanden, wachsam gegenüber Formen der Ausgrenzung zu sein. Denn auch in der NS-Zeit seien es kleine Schritte gewesen, die die Schwelle zum Widerstand immer weiter verschoben hätten. Er stellte die unantastbare Menschenwürde von Klientinnen und Klienten in den Mittelpunkt und appellierte, dass ihre Behandlung von keiner Seite instrumentalisiert werden dürfe.
Am Gedenkstein auf dem Klinikgelände erinnerte auch Joachim Haag, Leiter der Therapeutischen Dienste, an die im Grundgesetz festgeschrieben Menschenwürde und richtete dann den Blick auf eine Wand neben dem Gedenkstein, auf die das Wort „Willkommen“ in vielen Sprachen gemalt ist. Wie heißt das Pfalzklinikum Klientinnen und Klienten willkommen, wie barrierefrei und menschenwürdig wird der Alltag gestaltet? Haag gab den Anwesenden die Anregung mit auf den Weg in die Klinikkirche, zu überdenken, wie jeder und jede persönlich Menschen begegnet und sie willkommen heißt.
Den anschließenden ökumenischen Gottesdienst gestalteten Gemeindereferentin Silke Kessler von der katholischen und Pfarrerin Dorothea Helfrich von der evangelischen Klinikseelsorge mit einem Denkanstoß zum Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch, in dem sie dazu aufriefen, selbst die Stimme gegen das Vergessen zu erheben.
Und auch die Stimmen von Opfern der NS-Psychiatrie wurden in bewegenden Worten von Marie Sophie Purper, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, wieder hörbar: In den Hilferufen des 15-jährigen Patienten Heinrich und seiner Mutter, beide zur NS-Zeit im Pfalzklinikum untergebracht, sowie seines Großvaters, die stellvertretend für viele Betroffene aus der Zeit stehen. Peter Damm untermalte den Gottesdienst eindrücklich mit Improvisationen am Saxophon. ps

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