Informationsveranstaltung zum Hochwasservorsorge-Konzept
Massnahmen greifen

Bürgermeister Christian Burkhart bei der Aussprache über zahlreiche Fragen und Anregungen der interessierten und betroffenen Bürger.
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  • Bürgermeister Christian Burkhart bei der Aussprache über zahlreiche Fragen und Anregungen der interessierten und betroffenen Bürger.
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Annweiler. Am 11. Juni fand im Ratssaal der Verbandsgemeinde unter der Leitung von Verbandsbürgermeister Christian Burkhart eine gut besuchte Informationsveranstaltung zum Hochwasservorsorge-Konzept für die Stadt Annweiler und den Ortsteil Gräfenhausen statt. Dieses hatte die Stadt 2016 im Nachgang zu den Überschwemmungs- und Starkregen-Ereignissen der letzten Jahre bei der Beratungsfirma Obermeyer, Kaiserslautern, in Auftrag gegeben.
Nach einem eineinhalbstündigen Lichtbilder-Vortrag von Martin Cassel und Doris Hässler-Kiefhaber vom Büro Obermeyer, in dem Ursachen und Wirkungen der Sturzfluten mit Schlamm und Sand – vor allem in den Problemgebieten Klingelberg, Steimertal, Nachtweide und Gräfenhausen-Semmerstal - illustriert worden waren, konnten von den Anwesenden Fragen gestellt werden.
Eine zentrale Botschaft in den gutachterlichen Ausführungen war, dass Hochwasserschutz eine Gemeinschaftsaufgabe ist. In §5, Abs.2 WHG (Wasserhaushaltsgesetz, Allgemeine Sorgfaltspflichten) heißt es dazu: “Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen“.
Die Stimmung während der lebhaften Aussprache war deutlich entspannter als seinerzeit während der Einwohnerversammlung im Juli 2017 (Der Trifels Kurier berichtete) . Wesentlich dazu beigetragen hat, dass auch bei den betroffenen Annweilern rund um den Klingelberg und in Gräfenhausen beim letzten Starkregen Anfang Juni die Auswirkungen gegenüber den Vorjahren deutlich vermindert waren.
Die Verantwortlichen in der Stadt und in der VG Annweiler haben erkennbar Lehren aus dem Desaster 2016 gezogen, als eine gewaltige Schlammlawine vom Klingelberg die Häuser am Hönigsack flutete. Vor allem wurde endlich auch angefangen zu handeln. Mit konkreten Massnahmen. So wurden unter anderem das Rückhaltebecken auf dem Klingelberg erheblich vergrössert, ein Schutzwall gegen überfliessendes Wasser in Richtung Honigsack errichtet und der Beckenzulauf von der Erschliessungsstrasse (Richard-Löwenherz-Wanderweg in Richtung Klettererhütte) verbessert. Die Feuerwehr wurde mit leistungsfähigeren Pumpen ausgestattet. Oberhalb des Steimertals wurden die Querrinnen über den Feldweg verbreitert, vertieft und die Wassereinleitung in das vorhandene Rückhaltebecken verbessert.
Auch das zentrale Problem der landwirtschaftlichen Nutzung auf dem Klingelberg wurde inzwischen entschärft. Einerseits wurden Flächen durch die Stadt aufgekauft und zu Grünflächen umgewidmet. Und zum anderen wurde mit dem Landwirt Tobias Schönung, dem Eigentümer der Ackerflächen auf dem Klingelberg, einvernehmlich erreicht, dass statt des erosionsanfälligen Maisanbaus seit diesem Jahr Hafer angepflanzt wird. „Diese geänderte landwirtschaftliche Nutzung ist umweltverträglich und im Sinne der starkregen-bedingten Bodenerosion sehr positiv zu werten“, kommentierte Andreas Wendel von der Regionalstelle Erosions-/Hochwasserschutz der SGD Süd, der in die Gespräche eingebunden war.
Der 200 Seiten starke Beratungsbericht von Obermeyer zum örtlichen Hochwasserschutz enthält eine Fülle von Empfehlungen zu detaillierten Einzelmassnahmen, die nun von der Stadt und der Verbandsgemeinde gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden weiter beraten, priorisiert und auf ihre jeweiligen Umsetzungsmöglichkeiten abgeklopft werden müssen. So sollten beispielsweise weitere Regenrückhaltebecken oberhalb der Nachtweide und vor dem Steimertal sowie ein solches auch in Gräfenhausen angelegt werden. Die Finanzierung der damit verbundenen Kosten wird dabei ein wesentlicher Faktor bei den dann anstehenden Beschlussfassungen des Stadtrats sein.
Der Beratungsbericht kann in der Verbandsgemeinde eingesehen werden.
„Wir konnten die Problemstellen erfassen, haben die Anregungen und Hinweise der Betroffenen aufgegriffen und gezielt erste Massnahmen umgesetzt“, zog Verbandsbürgermeister Burkhart ein positives Fazit aus der Veranstaltung, „und es hat sich beim letzten Starkregen Anfang Juni bereits gezeigt, dass diese Massnahmen auch greifen“. hi

Autor:

Günter Hirschmann aus Annweiler

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