Raritäten in der ehemaligen Schuhfabrik „Kufenberg“
Private Kunstsammlung gibt dem Geist breiten Raum

Mit einer Flasche Bier verführt Eva den Schuhmacher Adam. Ein Unikat, das der Maler Karl H. Emanuel für seine Freunde Christel und Peter Michael Weis anfertigte.  Foto: Kling
  • Mit einer Flasche Bier verführt Eva den Schuhmacher Adam. Ein Unikat, das der Maler Karl H. Emanuel für seine Freunde Christel und Peter Michael Weis anfertigte. Foto: Kling
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von andrea kling

Merzalben. „Der Geist soll nicht eingeengt werden“. Eine Aussage der Malerin Sun You Li aus Shanghai hat Peter Michael Weis beeindruckt ebenso wie ihre Werke, von denen er einige besitzt. In der privaten Kunstgalerie des Ehepaares Weis in Teilen der ehemaligen Schuhfabrik „Kufenberg“ finden sich Raritäten, die den Betrachter auffordern, sich mit seiner eigenen Vorstellungskraft auseinanderzusetzen.

Blickfang in den großen Räumlichkeiten, die sich über zwei Stockwerke erstrecken, ist das fünf Meter lange Bild von Erik Pohl-Cammin, das einst den Stand der Firma Delta bei Schuh-Messen in Pirmasens und Düsseldorf zierte. Auch Peter Weis, der lange Jahre Inhaber und Betriebsleiter des Familienunternehmens war, nachdem er zuvor bei der Firma Fahr in Pirmasens den Gerber-Beruf erlernt hatte, war als Branchenkenner auf diesen Prestige-Veranstaltungen vertreten. Bei dieser Gelegenheit konnte er sich das „goldige“ Kunstwerk mit dem schönen Jüngling sichern.
Ein ganz besonderes Schmuckstück in der Galerie Weis ist die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies, auf der Wand der Toilette bildhaft dargestellt von Karl H. Emanuel, mit dessen Sohn Johannes Peter Weis bis zu dessen Tod 2005 befreundet war. Es sind fast ein wenig provokante Interpretationen der biblischen Geschichte, umrahmt von farblich passenden Mosaiksteinen. Eine Arbeit, die dem Kunstsammler viel Spaß machte, wie er in Gespräch mit dem Wochenblatt erzählt. Es bereite ihm auch viel Vergnügen, dass Eva den Schuhmacher Adam nicht mit einem Apfel sondern einer Bierflasche verführt, nach der Philosophie von Karl Emanuel. Nach dessen Darstellung nehmen die beiden die Vertreibung durch den Erzengel nicht tragisch, schließlich verwandelte sich die Flasche auf Erden in ein Bierfass. Der Clou ist das letzte Bild, das die Tür eines Elektrokasten ziert. Petrus, der Adam erblickt, fordert zum Öffnen auf: „Und plötzlich ist Licht im ganzen Himmel“, so Peter Michael Weis mit Blick auf die hoch geklappten Schalter.
Neben den Werken des Vaters gibt es in der Kunsthalle auch Stücke aus dem Nachlass von Johannes Emanuel, der lange Jahre mit großen Skulpturen, die er in verschiedenen Ländern aufstellte, sehr erfolgreich.
Aus dem Reich der Mythen könnten die Gemälde von Hellmut Neukirch entsprungen sein. In dunklen Farben gehalten, blicken verfremdete Gesichter und unzählige kleine Figuren den Betrachter an. Man muss schon nahe an die Bilder gehen, um zu ergründen, wo sich die abnormen Köpfe in einem blauschwarzen Meer tummeln. Groteske Masken, Zerrbilder der Natur oder auch unheimliche Gestalten fesseln die Blicke des Betrachters. Kunst ist nicht immer schön, aber sie fasziniert. Das ist es, was Christel Weis mit ihrem Bekenntnis ausdrückt: „Wir lieben alle unsere Werke“. Sie gehören zum Leben der Familie, die gerne ihre Feierlichkeiten in den Räumlichkeiten abhält.
Peter Weis, der schon oft in China, Tibet und Japan war nachdem er als Jugendlicher die Bücher von Sven Hedin (schwedischer Geograf und Reiseschriftsteller) verschlungen hatte, lebte seine künstlerische Ader beim Schuhdesign aus. So ist Ehefrau Christel noch heute stolz auf ihre Stiefel, die Ornamente aus Leopardenmuster in Form des afrikanischen Kontinents zieren. Der ehemalige Schuhfabrikant besitzt auch einige Kunstwerke aus China. So präsentierte die Park-Galerie in Zweibrücken vor Jahren Sun You Li (Malerin) und Kalligraph Yang Tai Wei. Das Motto damals: „Schreiben ist Bilder malen und Malen ist Bilder schreiben“. Einige der Ausstellungsstücke hat Familie Weis von den Künstlern, die drei Monate bei ihr wohnten, erworben.
Ein Freund von Richard Arzt, Christel Weis’ Vater, war Max Brunner, der unter anderem als Architekt den Fehrbacher Wasserturm plante. Vom ihm hat das Ehepaar Skizzen, die Brunner in Sibirien gemacht und als Pläne getarnt mit nach Hause genommen hatte. Auch einige Ölgemälde von ihm sind in der privaten Kunsthalle aufgehängt. Aus dem Familienbesitz stammen die kleinen Fotografien von Hauswänden und vereisten Zweigen, die Eva Weis den Eltern geschenkt hat und die Kontrastpunkte setzen zu den chinesischen Schriftzeichen. ak

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