Langer Atem, Geduld und viel Zuneigung
MOMO und BIENE – Integration gelungen

Erstes Kennenlernen am Zaun vorm Wohnzimmer.
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  • Erstes Kennenlernen am Zaun vorm Wohnzimmer.
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Meine Frau und ich (62/67) lieben Katzen. Mit diesem Artikel möchten wir Katzenfreunden Mut machen,
die ihrer 1.Hauskatze eine weitere zur Seite stellen möchten, aber natürlich auch Bedenken haben und unsicher sind, ob das klappt; und wenn nicht – was dann?

Seit rund 18 Monaten ist MOMO (jetzt 3 1/2) bei uns – aus einem Tötungslager in Bulgarien gerettete Streunerin bzw. Ausgesetzte. Die „Tierhilfe LU-Oppau e.V.“, die sich neben ihrem alltäglichen Einsatz auch um solche Rettungsaktionen bemüht, hat sie uns vermittelt. Und wir sind seitdem mit Momo ein Herz und eine Seele.
Irgendwann hat sie uns aber „leid getan weil so allein". Wir wollten ihr (ganz Mensch!) eine Spielkameradin zur Seite stellen (gefragt hatten wir sie nicht). Also zum Jahreswechsel 2018/19 wieder hin zur o.g. Tierhilfe: und hier hat BIENE (damals 14 Monate) auf uns gewartet. Sofort Sympathie, sofort geschmust, sofort übergesprungener Funke … Ein Wochenende Bedenkzeit – nach 6 std war uns klar: wir wollen Biene! Also wieder hin und abgeholt. Zwei Tage später Tierarzttermin (Vorsorge) –
Biene war kerngesund und hatte dank des o.g. Tierhilfevereins alle Impfungen, Chip und Kastration,
und Ausreisevisum – sie kommt auch aus einem solchen Lager (Spanien).

Wir waren mit Biene sofort glücklich – Momo allerdings nicht! Uns war klar, daß jetzt eine schwierige Zeit von Biene's Integration bevorsteht. Wir waren sehr bemüht, aber Momo war zickig und abweisend, ja mitunter geradezu gegen Biene. Eifersucht, Mobbing, Territorialansprüche, Futterneid, Rang und Vorrechte – das alles hat Momo gegenüber Biene ins Feld geführt incl. Jagdszenen und Rangeleien. 
Bei uns zuhause war Halligalli!

Wir haben uns natürlich schlau-gelesen in Internetforen, andere Katzenhalter befragt, Tierarzt und unsere Vermittlung genervt, schlaue Artikel gelesen – und dann als ihre Oberkommandierenden alle Register gezogen: anfangs getrennte Zimmer bzw. Hausaufteilung (vor allem nachts), langsames aneinander Gewöhnen mittels Drahtgitter im Türrahmen zwischen Flur und Wohnzimmer (sehr ehefreundlich!) - so konnten sie sich sehen, beschnuppern, hören, aber eben nicht angreifen! -
getrennte Futter- und Klo-Plätze, und viel beruhigendes Zureden, auch mal Dazwischengehen bei heftigen Attacken. Obwohl man ja da zurückhaltend sein soll – die müssen sich selbst zurechtkabbeln (Rang klären). Aber eine Verletzung will man ja dann auch nicht riskieren. Also 50/50: entweder es klappt oder eben nicht. Ja und dann? Eine u.U. wieder weggeben – und wen?
Diese evtl. erforderliche Konsequenz haben wir erstmal ganz weit weg gelegt (hätte uns auch sehr wehgetan) – und unser Integrationsprogramm ausgedehnt und verlängert. Schiefgehen geht nicht – dabei ist natürlich nicht jede Katze mit jeder anderen verpaarbar.

Und jetzt: Biene ist seit 6 Monaten bei uns und das wird so bleiben, weil das alle 4 so wollen!
Um es vorwegzunehmen: … wir sind total begeistert von der Entwicklung unserer beiden Katzenmädels. Die Mühe und Geduld der ersten Monate hat sich gelohnt. Die anfänglichen Schwierigkeiten sind weit weg, die beiden haben sich toll arrangiert. 

Zum Einen liegt das wirklich an Biene, die die Dominanz von Momo gut hingenommen hat.
Mittlerweile laufen sie beide aneinander vorbei, ohne sich "kratzbürstig" aufzuregen oder anzumachen. Mehr noch … es ist eine Wonne, den beiden im Garten zuzusehen. Sie spielen Versteck, jagen sich,
und wenn sie zusammentreffen, gibt's einen kleinen Tatsch mit der Pfote – ohne Krallen, kein Gefauche, keine Rauferei.
Und Momo hat Biene schon wiederholt vor anderen Minitigern beschützt, die in unseren Garten „eindringen“ … aber Momo grätscht immer sofort dazwischen und verjagt sie. Ohne Verletzungen! Momo hat Biene gegenüber einen Beschützerinstinkt entwickelt (oder Besitzanspruch?).
Aber es gibt auch Plätze, wo Biene nicht hin darf … da wird sie dann kurz und knapp von Momo in ihre Schranken verwiesen. Und Biene hat damit kein Problem und fügt sich. Über sowas streiten die sich nicht sinnlos.
 
Wir können heute feststellen: unsere Integrationsmaßnahmen und -bemühungen haben sich gelohnt und es war richtig, daß wir nicht aufgegeben haben. Das hätte vielleicht auch wieder niemandem was gebracht.
Und so haben wir nun unserer vermittelnden „Tierhilfe LU-Oppau e.V.“ Entwarnung angezeigt und Momo+Biene in deren Glücksgalerie aufnehmen lassen. Wir wünschen dieser Tier-Hilfsorganisation weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei ihren Rettungs- und Vermittlungshilfen.
Das ist schon eine große Sache, die hier im Team geleistet wird!

Momo+Biene haben ein schönes Zuhause, fühlen sich wohl und sind kerngesund – das Auf-den-Tod-Warten in solchen Lagern ist für sie Vergangenheit und weit weg. Und unter diesem Eindruck haben sie wohl beschlossen, zusammen ihr neues Leben zu genießen, was uns sehr freut.

Wenn Sie also auch vor der Überlegung stehen: eine 2.Katze nachhause holen?
Geben Sie ihren Katzen genug Zeit, sich zurechtzufinden und aneinander zu gewöhnen, haben Sie Geduld auch bei Rückschlägen oder wenn sie bockig reagieren, sich Ihnen entziehen. Seien Sie fair zu diesen Geschöpfen, sie sind erst wenige Jahre (mitunter nur Monate) auf der Welt, und womöglich bisher viel zu oft rumgeschubbst worden! Und haben Sie beide unbedingt gleichlieb, keine Sonderrolle - für keinen von beiden. Und bedenken Sie: wenn Sie aufgeben und eine weggeben (wen?) – wird es dann woanders besser? – und wenn da auch nicht?
Wir haben alles erlebt: Verliebtheit, Frust, Ärger, Unsicherheit – aber vorwiegend viel Freude.
Haben Sie Mut – viel Glück!

Autor:

Wolfgang Pieper aus Maxdorf

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