AfD kritisiert OB Mentrups Aussagen zum Klimawandel
Realsatire oder schon Alternative Fakten?

Die AfD Karlsruhe kann es immer noch nicht glauben: In seiner Gemeinderats-Haushaltsrede am 24.07.2018 postuliert OB Dr. Frank Mentrup, SPD, Karlsruhe drohe wegen des vom Menschen verursachten CO2-Ausstoßes ein Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad Celsius in den nächsten 20 Jahren. Auch wenn er bei diesem Teil der Rede einige Lacher auf seiner Seite hatte: Es war wohl doch kein Witz. Auch ein Kommafehler scheint hier nicht vorzuliegen, denn diese Aussagen blieben bis heute, vier Wochen danach, im autorisierten Manuskript unkorrigiert.

„4 bis 6 Grad in 20 Jahren - wenn das wirklich so wäre, müssten wir als Stadt alles tun, um damit dauerhaft zurecht zu kommen, anstatt weiterhin viel Geld in wirkungslose CO2-Einsparversuche zu stecken. Die Durchlüftung der Stadt müsste wirklich Priorität bekommen, und Projekte wie die Bebauung des Sophienkarrees unbedingt verhindert werden!“ fordert AfD-Stadtrat Dr. Paul Schmidt und fährt fort: „Das wäre ein Anstieg der durchschnittlichen Jahres-Temperatur von derzeit 11,4° C auf 15,4 bis 17,4°C! Wenn man davon ausginge, müsste man nicht nur die noch laufenden Atomkraftwerke am Netz halten, sondern sofort neue bauen! Denn seit dem Beginn des Atomausstiegs hat es Deutschland nicht geschafft, seinen jährlichen CO2-Ausstoss nennenswert zu vermindern, weil der dadurch fehlende Strom jetzt durch Kohlekraftwerke geliefert werden muss. Windkraftanlagen laufen zu wenige Stunden im Jahr, Photovoltaikanlagen verlieren bei Hitze an Leistung.“

Die höchste bisher in Karlsruhe verzeichnete Jahresmitteltemperatur beträgt 12,5°C und wurde im Jahr 1822 gemessen (Wetterextreme gab es also bereits in der Vergangenheit). Bei Werten von 15,4°C bis 17,4°C hätten wir hier dann ein Klima wie heute in Zentralspanien. Sollen derart krude Einschätzungen etwa die Grundlage für die städtische Haushaltspolitik der nächsten Jahre sein? Man darf gespannt sein, welche Belehrungen Dr. Mentrup den Gemeinderatsmitgliedern künftig auf der Basis dieser Temperaturprognosen bezüglich Klimawandel und Energiepolitik zuteilwerden lässt.

Faktencheck:

OB Mentrups Aussagen zum Klimawandel

Im autoriserten Redemanuskript zur Rede vom 24.07.2018 im Gemeinderat zum Doppelhaushalt 2019/2020 begründet OB Dr. Frank Mentrup, SPD, die Maßnahmen der Stadt Karlsruhe zum Klimaschutz durch den sich abzeichnenden Klimawandel, den er auf Seite 28 wie folgt beschreibt:

„Klimawandel in KA / Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad"

Und auch in Karlsruhe wird der Klimawandel spürbar. So steigen die Temperaturwerte stetig an; die Zahl der Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius nimmt stetig zu. Extreme Wetterereignisse wie Hagelschlag, Starkregen, Hochwasser oder Sturm haben steigende Tendenz und führen zu erheblichen Schäden. Das haben wir in diesem Frühling in unserer Region erlebt. Aktuell droht für Karlsruhe in den nächsten 20 Jahren ein Temperaturanstieg von etwa vier bis sechs Grad. Das heißt unmissverständlich: Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um das Klima in der Stadt - auch für die nachfolgenden Generationen - erträglich zu gestalten. Dazu gehört zwingend, dass wir die Ursachen des Klimawandels -- die stetig ansteigenden CO2-Emissionen - nachhaltig zurückfahren.“

Quelle: https://www.karlsruhe.de/b4/stadtverwaltung/stadtfinanzen/haushaltsdebatte/HF_sections/content/ZZnGRPUsskkXHR/ZZnGSmPYU3ZOxU/Rede_OB_Dr_Mentrup.pdf

Ein Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad innerhalb von 20 Jahren ? Für einen naturwissenschaftlich Gebildeten eine schwer nachvollziehbare Zahl, und falls richtig, in der Tat ein Katastentrophenszenario. Sie würde nichts anderes bedeuten, dass wir in Karlsruhe innerhalb der nächsten 20 Jahre Jahrestemperaturen wie im heutigen Zentralspanien bekommen.

Während seiner Rede scheinen bei OB Mentrup wohl auch Zweifel an seinem Manuskript aufzukommen, denn im Gemeinderat spricht er von einem Temperaturanstige von 4 bis 6 Grad in den nächsten Jahrzehnten (s. https://www.youtube.com/watch?v=WKBaDxwm-E8, ab Minute 44). Aber auch das ist noch ein sehr drastischer Wert.

Grund genug für einen Faktencheck. Erfreulicherweise stellt die Stadt Karlsruhe umfangreiche Informationen und Links zu anderen Seiten zum hiesigen Klima auf seiner Webseite zur Verfügung. Auf https://www.karlsruhe.de/b3/wetter/klima.de findet sich etwa ein Link auf http://www.klimadiagramme.de/Europa/special01.htm, in dem Klimadaten für Karlsruhe zusammengetragen sind:

Danach ist die mittlere Jahrestemperatur von 10,3° C im Referenzzeitraum 1961-1990 um 0,4° C auf 10,7° C im Referenzzeitraum 1971-2000 gestiegen. Für den Zeitraum 1980-2009 wurde eine mittlere Jahrestemperatur von 11,0° C errechnet. Für das Einzeljahr 2017 wurde eine mittlere Jahrestemperatur von 11,4° C ermittelt. Man fragt sich, wie der oder die Redenschschreiber unseres OB auf drohende Temperaturerhöhungen von 4 bis 6° C kommt ?

Zum Schluss noch zu Wetterextremen: Die höchste je in Karlsruhe gemessene Jahresmitteltemperatur lag bei 12,5° C - und wurde für das Jahr 1822 ermittelt ! 1821 und 1823 lag die Jahresmitteltemperatur bei 10,6 bzw. 10,7° C. Wetterextreme sind also kein Phänomen der jüngeren Zeit.

Der Klimawandel ist real. Wie glaubwürdig ist es aber, aus jedem Wetterextrem einen Beleg für den durch den Menschen verursachten Klimawandel abzuleiten ?

Für weitere Informationen besuchen sie die Webseite der Karlsruher AfD: www.afd-ka.de

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